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Rothirsche: Mehr Angst vor Menschen als vor Wölfen

Der Mensch stört das Verhalten von Rothirschen mehr als ihre natürlichen Feinde. Er wird von ihnen als Raubtier gesehen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer neuen Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal PLoS ONE. Demnach bewirken jene Störungen in menschendominierten Landschaften eine erhöhte Wachsamkeit bei den Tieren. Folglich würden sie sich seltener auf Nahrungssuche begeben. Zusammen mit dem Faktor Rudelgröße sei der Mensch zu mehr als 80 Prozent für die Verhaltensänderungen verantwortlich. Die höchste Wachsamkeit zeigten sie auf öffentlichem Land, wo die Jagd neben motorisierten Freizeitaktivitäten ausgeübt wurde. Am geringsten sei sie in Nationalparks während der Sommermonate.

Durchgeführt wurde die Studie im kanadischen Alberta. Dazu beobachteten die Forscher ein Jahr lang insgesamt 424 Rothirschrudel, bestehend aus etwa 15000 Individuen, und 870 Einzeltiere. Ihre Lebensräume waren öffentlich zugängliche sowie private Ländereien und Schutzgebiete.

Beeinflusst werde das Verhalten der Tiere durch die Anzahl der Menschen, die Art der menschlichen Aktivitäten sowie den Verkehr und die Entfernung zu Straßen. Schon ein Verkehrsaufkommen von einem Fahrzeug pro zwei Stunden reiche aus, um das Verhalten der Rothirsche zu verändern. Dies könne dazu führen, dass die Muttertiere aufgrund der geringeren Nahrungsaufnahme geschwächt und somit die Fortpflanzungserfolge geringer würden. Umweltfaktoren wie natürliche Raubtiere, darunter Wölfe und Bären, hätten kaum eine Bedeutung.

 

  • Ciuti, Simone, Joseph M. Northrup, Tyler B. Muhly, Silvia Simi, Marco Musiani, Justin A. Pitt & Mark S. Boyce, 2012: Effects of Humans on Behaviour of Wildlife Exceed Those of Natural Predators in a Landscape of Fear. In: PLoS ONE, Ausgabe 7(11): e50611. DOI: 10.1371/journal.pone.0050611

  • Foto: Richard Fisher / flickr.com

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Lichtverschmutzung begünstigt Depressionen

Nachts wird es nicht mehr richtig dunkel, besonders in den Städten. Irgendwo brennen immer Lichter. Weniger sichtbare Sterne am Himmel sind die Folge. Nun fanden Forscher Hinweise auf eine weitere Auswirkung dieser Lichtverschmutzung. Sie berichten davon in dem wissenschaftlichen Fachblatt Molecular Psychiatry. In Versuchen mit Hamstern zeigten sich klare depressionsähnliche Anzeichen. Schon schwache Lichtquellen würden ausreichen, wie beispielsweise der nächtliche Schimmer von Straßenlaternen oder einem laufenden Fernseher. Sie führten zu Verhaltensänderungen bei den Tieren, einer Störung der inneren Uhr und des Hirnstoffwechsels. Allerdings seien die Folgen umkehrbar. Das Entfernen der störenden Lichter normalisierte den Gemütszustand der Nager nach zwei Wochen. Die Wissenschaftlicher vermuten einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden nächtlichen Lichtverschmutzung und der steigenden Zahl depressiver Menschen.

Hielten die Forscher die Hamster nachts nicht bei Dunkelheit, sondern schwachem Licht, machten sich nach vier Wochen deutliche depressionsähnliche Symptome bemerkbar. Diese äußerten sich in einer geringen Aktivität der Tiere und einem Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn. Derartige Anzeichen seien auch bei Menschen mit einer schweren Depression bekannt. Sogar Zuckerwasser rührten die Nager kaum noch an, was sehr ungewöhnlich sei.

Ihre Verhaltensexperimente führten die Wissenschaftler mit einzeln gehaltenen, weiblichen Hamstern durch. Acht Wochen dauerte das. Um hormonelle Einflüsse ausschließen zu können, entfernten sie ihnen die Eierstöcke. Einige der Tiere wurden bei einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus gehalten – 16 Stunden Licht und acht Dunkelheit. Die andere Hälfte war nachts einem schwachen Licht von fünf Lux ausgesetzt. Das entspräche ungefähr dem Licht, den ein Fernseher in einem dunklen Raum ausstrahlt. Im Anschluss an die Versuchszeit töteten sie die Tiere und untersuchten ihre Gehirne auf depressionstypische Veränderungen.

Auch andere Studie hätten bereits Auswirkungen nächtlicher schwacher Lichtquellen nachgewiesen: Übergewicht und ebenfalls Depressionen. Von Lichtverschmutzungen in der Nacht seien 99 Prozent der US-Amerikaner und Europäer betroffen.

 

  • Bedrosian, T. A., Z. M. Weil & R. J. Nelson, 2012: Chronic dim light at night provokes reversible depression-like phenotype: possible role for TNF. In: Molecular Psychiatry. DOI: 10.1038/mp.2012.96

  • Foto: Olek389 / pixelio.de

EXTRAS

Einen Eindruck eines Sternenhimmels ohne Lichtverschmutzung liefern folgende zwei Videos:

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Verhaltensänderungen durch Nanopartikel

Ob im Essen, in Kosmetikprodukten, Reinigungsmitteln oder als Ersatz fettiger Schmierstoffe für Fahrradketten: die Einsatzgebiete der Nanotechnologie sind vielfältig. Doch obwohl es kaum Erkenntnisse bezüglich möglicher Auswirkungen auf den Stoffwechsel gibt, werden Nanopartikel1 immer häufiger verwendet. Ein schwedisches Forscherteam konnte nun gravierende Verhaltensänderungen und Fettstoffwechselstörungen bei Fischen feststellen. Sie berichten darüber im wissenschaftlichen Fachblatt PLoS ONE. Nahmen die Fische Nanoteilchen enthaltenes Futter auf, dann konnten sie ihre Fettreserven nicht mehr richtig verwerten. Zudem brauchten sie mehr als doppelt so lange für die Nahrungsaufnahme wie die Kontrollgruppe, die den Nanopartikeln nicht ausgesetzt war. Die betroffenen Fische schwammen und jagten langsamer. In die Meere und Süßgewässer gelangen die winzigen Teilchen über die Kanalisation, erklären die Forscher. Auf diese Weise würden sie schließlich auch in der Nahrungskette auftauchen.

1 – Ein Nanometer entspricht einem milliardstel Meter.

 

  • Cedervall, Tommy, Lars-Anders Hansson, Mercy Lard, Birgitta Frohm & Sara Linse, 2012: Food Chain Transport of Nanoparticles Affects Behaviour and Fat Metabolism in Fish. In: PLoS ONE 7(2). DOI: 10.1371/journal.pone.0032254

  • Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) (Hrsg.), 2012: Pressemeldung vom 02.04.2012, Zahnräder und Kurbeln gleiten wie von selbst und sind gleichzeitig vor Rost geschützt

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