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Neue Labor-Haut könnte Tierversuche ersetzen

Haut_toisel_Flickr.com_CCBY2.0

Zum ersten Mal sei es Forschern gelungen, im Labor ein Haut-Modell herzustellen, das ähnliche Schutzeigenschaften wie die menschliche Epidermis besitze. Diese äußere Hautschicht weise dabei alle Schichten der normalen Oberhaut auf. Auch die typische Durchlässigkeit für bestimme Stoffe sei gegeben. Die ‚künstliche‘ Haut ist aus pluripotenten Stammzellen vom Menschen gewachsen. Damit legen die Wissenschaftler eine Methode vor, um Krankheiten mit defekten Schutzfunktionen der Haut zu erforschen. Zudem ließen sich kostengünstig neue Medikamente und Kosmetika entwickeln und testen. Für Anwendungen in der Ästhetischen und Regenerativen Medizin könne das Modell leicht angepasst und ebenfalls genutzt werden. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Stem Cell Reports. Weiterlesen

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Was sind Tierversuche? – eine Begriffsbestimmung

Das Wort ‚Tierversuche‘ hat verschiedene Bedeutungen. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es unterschiedliche Definitionen. Erstere beiden Länder orientieren sich an einer Richtlinie der Europäischen Union (EU). Diese Tierversuchs-Richtlinie soll die Rechtsvorschriften der EU-Mitgliedsstaaten aufeinander abstimmen. Der tierexperimentellen Forschung liegen die Begriffsbestimmung der jeweiligen Länder zugrunde. So sind die Definitionen in Österreich und der Schweiz beispielsweise umfassender als in Deutschland (siehe Tabelle).

Etwas einheitlicher ist es in der Öffentlichkeit. Hier wird der Begriff synonym für jede Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken gebraucht, schreibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Ganz anders definiert es das Wörterbuch PONS: „das Erproben von Medikamenten, Kosmetika oder medizinischen Verfahren an lebenden Tieren“. Laut Duden wiederum sind es „wissenschaftliche Experimente an oder mit lebenden Tieren“. Wikipedia beschreibt ‚Tierversuche‚ als „Experimente, in denen Tiere als ‚Versuchstiere‘ eingesetzt werden“.

 

  • Rat der Europäischen Union (Hrsg.), 1986: Richtlinie 86/609/EWG des Rates vom 24. November 1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Amtsblatt Nr. L 358 vom 18/12/1986 S. 0001 – 0028

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2005: Bundesgesetz vom 27. September 1989 über Versuche an lebenden Tieren (Tierversuchsgesetz – TVG). StF: BGBl. Nr. 501/1989. Letzt Änderung: BGBl. I Nr. 162/2005

  • Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2013: Tierschutzgesetz (TschG). Vom 16. Dezember 2005 (Stand 1. Januar 2013). SR-Nummer 455, Fundstelle AS 2008 2965

  • Bundesministerium der Justiz (BMJ), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2010: Tierschutzgesetz (TierSchG). Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I S. 1206, 1313), das zuletzt durch Artikel 20 des Gesetzes vom 9. Dezember 2010 (BGBl. I S. 1934) geändert worden ist

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Senatskommission für tierexperimentelle Forschung (Hrsg.), 2004: Tierversuche in der Forschung. Lemmens Verlags- & Mediengesellschaft: Bonn. ISBN 3-932306-53-8

  • PONS (Hrsg.), 2013: PONS – Das Online-Wörterbuch. Deutsche Rechtschreibung > T > tier > Tierversuch

  • Bibliographisches Institut (Hrsg.), 2012: Duden Online. Tierversuch

  • Wikimedia Foundation (Hrsg.), 2012: Wikipedia. Tierversuch. Vom 26. Dezember 2012

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Tierversuchs-Richtlinie ‚3R‘ von Forschern nicht beachtet?

Tierversuche sind umstritten. Weltweit geregelt werden sollen sie durch das sogenannte 3R-Prinzip. Diese Richtlinie soll den ethischen Erwartungen der Bevölkerung entgegen kommen und das Leiden der Versuchstiere reduzieren. Eingeführt wurde sie von zwei Wissenschaftlern. Seit gut 50 Jahren besteht sie nun. Doch in der Praxis scheint die Regel nicht angekommen zu sein. Das jedenfalls legt eine aktuelle Studie nahe. Ihr zufolge fanden US-Forscher keine Hinweise auf ihre Beachtung. Und das, obwohl die meisten Tierversuche zuvor von einer Genehmigungsbehörde zugelassen wurden. Das Forscherteam untersuchte 55 zufällig ausgewählte, tierexperimentelle Arbeiten. Erschienen, ist die Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Journal of Applied Animal Welfare Science.

In den erforschten Arbeiten ginge es um Experimente, in denen Mäuse anhaltende Schmerzen hatten. Mindestens 14 Tage lang. Die Zahl derartiger Versuche sei bedeutend gestiegen im Laufe der letzten zehn Jahre, schreiben die US-Wissenschaftler. Dazu beigetragen hätte auch die vermehrte Forschung mit genetisch veränderten Mäusen. Nicht verändert hingegen, hätte sich die Anzahl der verwendeten Mäuse pro Studie.

3R steht für ‚Replacement‘, ‚Refinement‘ und ‚Reduction‘. Ersteres meint den Ersatz von Tierversuchen sooft wie möglich durch alternative Methoden. Zum Beispiel mittels Tests in Reagenzgläsern (in-vitro) und Computermodellen. Ferner sollen Lebewesen höherer biologischer Ordnung durch niedere Arten ersetzt werden. Demnach könnten beispielsweise nach Möglichkeit Wirbellose anstatt von Säugetieren verwendet werden. Unter ‚Refinement‘ ist die Verbesserung des Tierwohls, dort, wo Tierversuche „unvermeidbar“ seien, zu verstehen. Dann gehe es darum, Schmerzen sowie Stress für die Tiere zu mindern. Der letzte Begriff steht für die Reduzierung der benötigten Tiere. Dabei sollen die selben Information mit weniger Versuchstieren erlangt werden. Oder aber die Wissenschaftler sollen mehr Erkenntnisse mit einer gleichbleibenden Zahl von Tieren gewinnen.

Auch andere Autoren üben Kritik an der Umsetzung der 3R-Richtlinie. Die Zahl der Versuchstiere weltweit ist unverändert oder sogar steigend seit den 1990er Jahren, laut einer internationalen Forschergruppe. Das deute darauf hin, dass keine absolute Reduzierung mehr stattfinde. Daher werde ‚Reduction‘ mittlerweile oftmals so beschrieben wie oben – in relativen Zahlen. Ihre Studie wurde in dem wissenschaftlichen Fachblatt Alternatives to Animal Experimentation veröffentlicht.

Auf etwa 115 Millionen schätzen Forscher die Zahl der weltweiten, jährlichen Tierversuche. Und bei konservativer Schätzung auf 58 Millionen. In Österreich waren es 2010 ungefähr 115 000 und in der Schweiz 2011 circa 660 000. Im selben Jahr belief sich die Zahl in Deutschland auf 2,9 Millionen. Ein Großteil der Experimente dienen der Grundlagenforschung. Knapp 840 000 Wirbeltiere werden hierzulande zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Mit Abstand am häufigsten verwendet werden Mäuse, gefolgt von Ratten und Fischen. Doch auch Meerschweinchen, Katzen, Pferde, Hunde und andere Arten zählen zu den Versuchstieren.

 

  • National Research Council of the National Academies, Committee on Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals, Institute for Laboratory Animal Research & Division of Earth and Life Studies (Hrsg.), 2009: Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals. The National Academies Press: Washington, DC . ISBN: 978-0-309-12835-3

  • Balcombe, Jonathan, Hope Ferdowsian & Lauren Briese, 2013: Prolonged Pain Research in Mice: Trends in Reference to the 3Rs. In: Journal of Applied Animal Welfare Science, Ausgabe 16(1), Seiten 77-95. DOI: 10.1080/10888705.2013.741004

  • Olsson, I. Anna S., Nuno H. Franco, Daniel M. Weary & Peter Sandøe , 2012: The 3Rs Principle – Mind the Ethical Gap! In: ALTEX Proceedings (Alternatives to Animal Experimentation), Ausgabe 1(12), Proceedings of the 8th World Congress, Montreal

  • Taylor, Katy, Nicky Gordon, Gill Langley & Wendy Higgins, 2008: Estimates for Worldwide Laboratory Animal Use in 2005. In: Alternatives to Laboratory Animals (ATLA), Ausgabe 36(3), Seiten 327-342

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2012: Anfragebeantwortung durch den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Dr. Karlheinz Töchterle zu der schriftlichen Anfrage (11207/J) der Abgeordneten Dr. Wolfgang Spadiut, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend aktuelle Tierversuchszahlen in Österreich. 11043/AB XXIV. GP – Anfragebeantwortung (elektr. übermittelte Version)

  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), Schweizerische Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2012: Tierversuche 2011 in der Schweiz. Statistik

  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2012: Versuchstierzahlen 2011. Tabellen der Tierversuchszahlen für das Jahr 2011

  • Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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Pflanzen- statt Tierversuche

In gewisser Hinsicht ähnelt das pflanzliche Immunsystem dem unseren. So geht beispielsweise der Molekültransport in den Zellen vergleichbar vonstatten. Jene Ähnlichkeiten, welche bei Tieren und Menschen gleichermaßen vorhanden sind, machte sich eine Forschergruppe aus Erlangen zunutze. Sie übertrugen bestimmte Proteine von Salmonellen in Tabakpflanzen. Auf diese Weise erhofften sie sich Erkenntnisse über die Wirkungsweise von Krankheiten und Infektionen, z.B. EHEC oder Salmonellose. Besagte Eiweiße, auch Effektorproteine genannt, griffen die pflanzlichen Zellen an. Das bewegte das Immunsystem der Tabakpflanze zur Abwehrreaktion. In der Folge starben die betroffenen Zellen ab. Dadurch wirkt die Pflanze einer Ausbreitung der Infektion entgegen. Das Ergebnis ist insofern erstaunlich, da die Salmonellen unter natürlichen Bedingungen Pflanzen nicht befallen können. Deshalb dürfte das Immunsystem gar nicht reagieren. Offenbar handelt es sich um eine Immunreaktion, die bei Tieren sowie Pflanzen von großer Bedeutung ist, schlussfolgern die Forscher. Ein positiver Nebeneffekt der Studie sei, dass sich mit den Erkenntnissen möglicherweise Tierversuche und Kosten reduzieren ließen. Ihre Arbeit veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal New Phytologist.

 

  • Üstün, Şuayib, Petra Müller, Ralf Palmisano, Michael Hensel & Frederik Börnke, 2012: SseF, a type III effector protein from the mammalian pathogen Salmonella enterica, requires resistance-gene-mediated signalling to activate cell death in the model plant Nicotiana benthamiana. In: New Phytologist. DOI: 10.1111/j.1469-8137.2012.04124.x

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