Poker: Können oder Glück?

Sport oder Glücksspiel? Vor allem für Betreiber von Online-Poker-Seiten ist es ersteres. Rechtlich betrachtet, handelt es sich in vielen Ländern um ein Glücksspiel. Forscher der Universität Bremen sind der Frage in einer Studie nachgegangen. Demnach gewannen erfahrene Zocker nicht mehr Geld, als durchschnittliche Pokerspieler. Entscheidend sei die Verteilung der Karten gewesen. Allerdings wären die erfahrenen Spieler besser darin, ihre Verluste geringer zu halten, wenn sie unterdurchschnittliche Karten hatten. Insgesamt aber überwiege das Glück deutlich. Der Einfluss des Könnens sei gering. Folglich müsse Poker als Glücksspiel betrachtet werden – zumindest unter den Rahmenbedingungen der Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachblatt Journal of Gambling Studies. Weiterlesen

3 Kommentare

Eingeordnet unter Wissen(schaft)

Delfine versuchten Delfin zu retten

Eine Gruppe von Delfinen hat versucht, einem verletzten Artgenossen zu helfen. Erstmalig konnten Forscher dies beobachten. Sie berichten darüber in dem wissenschaftlichen Fachblatt Marine Mammal Science. Weiterlesen

5 Kommentare

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

Unbewusster Placebo-Effekt

Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes mit wirkungslosen Pillen oder Scheinbehandlungen. Gemeint ist damit der Placebo-Effekt. Dass der auch unbewusst funktioniert, zeigen Forscher in einer Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal PNAS. Die Wirkung käme offenbar nicht alleine durch die Erwartungshaltung der Patienten zustande. Es müsse Mechanismen geben, die unterschwellig ablaufen.

Neben dem Placebo- gibt es noch den Nocebo-Effekt. Er bewirkt, dass wirkstofffreie Substanzen oder wirkungslose Behandlungen gesundheitliche Verschlechterungen hervorrufen. Dabei handelt es sich keineswegs um Einbildungen. Beide Effekte sind messbar. Und bei beiden konnte nachgewiesen werden, dass sie auch unbewusst funktionieren, schreiben die Autoren der Arbeit.

Die Wissenschaftler führten zwei Experimente durch. Vorab gab es mehrere Trainingsdurchläufe. Dazu wurden insgesamt 40 Testpersonen Wärmequellen am Arm befestigt. Danach zeigte man ihnen Gesichter zweier verschiedener Männer. Die Wärmequelle war je nach Bild mal heißer und mal kühler. Auf diese Weise sollten die Teilnehmer die Fotos mit verschiedenen Schmerzreizen verbinden – von nicht schmerzhaft bis schmerzvoll. Anschließend wurden sie gebeten, auf einer von Null bis Hundert reichenden Skala den gefühlten Schmerz zu bewerten.

Das erste Experiment verlief nahezu gleich ab, erklären die Forscher. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass es 20 Teilnehmer waren und der Temperaturreiz sich nicht änderte. Von letzterem jedoch wussten sie nichts. Auch der zweite Test ging ähnlich vonstatten. Diesmal allerdings wurden die Gesichter auf den Fotos nur wenige Millisekunden eingeblendet. So kurz, dass es außerhalb dem bewusst Wahrnehmbaren liegt. In beiden Experimenten bewerteten die Testpersonen den Reiz immer dann als schmerzhaft, wenn die anfänglich mit Schmerzen in Verbindung gebrachten Bilder gezeigt wurden. Ganz egal, ob sie das Gesicht bewusst wahrnahmen oder nicht.

 

  • Jensen, Karin B., Ted J. Kaptchuk, Irving Kirsch, Jacqueline Raicek, Kara M. Lindstrom, Chantal Berna, Randy L. Gollub, Martin Ingvar & Jian Kong, 2012: Nonconscious activation of placebo and nocebo pain responses. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS), Ausgabe 109(39), Seiten 15959-15964. DOI: 10.1073/pnas.1202056109

  • Foto: SnaPsi Сталкер / flickr.com

EXTRA

Über Placebos, Anwendungsbeispiele und den Nocebo-Effekt – ein Radiobeitrag zum Nachhören. Kurz wir auch auf die Homöopathie eingegangen. Der Beitrag insgesamt dauert neun Minuten:

  • Deutschlandradio Kultur (Hrsg.), 2013: Kein Wirkstoff, große Wirkung. Auf einem Kongress in Tübingen diskutieren Mediziner über Placebos. Von Thomas Wagner, 27.01.2013

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Medizin, Psychologie, Wissen(schaft)

Gibt es heute mehr Eisbären als früher?

Sind Polarbären etwa doch nicht gefährdet? Hat sich der Bestand erholt? Gegenwärtig wird ihre Zahl auf weltweit 20 000 bis 25 000 geschätzt. Deutlich weniger sollen es vor circa 45 Jahren gewesen sein. Erklärungen dafür finden sich in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Demnach erscheint die Population heute größer als früher, da zum einen die Jagd auf Eisbären eingeschränkt wurde. Zum anderen sei die Forschung aufgrund internationaler Zusammenarbeit voran geschritten und daher die Datenerhebung genauer geworden. Außerdem wurde das Management der Polarbären verbessert. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung von Schutzgebieten, um ihren Lebensraum zumindest in Teilen zu erhalten.

Schon 1972 betrachtete ein weiterer Autor die früheren Schätzungen als „unzuverlässig“. Was er damit meinte, veranschaulichen folgende Beispiele: 1959 schätzte ein Forscherteam die Zahl der weltweiten Eisbärpopulation auf 17 000 bis 19 000. Fünf Jahre später kam ein anderer Wissenschaftler zum dem Schluss, es wären weit über 10 000 gewesen. 1965 belief sich die Schätzung eines weiteren Forschers auf 5000 bis 8000 Tiere. Er berichtigte sich Ende der 60er zusammen mit einem Kollegen und setzte die Zahl auf 10 000 bis 15 000. In einer anderen wissenschaftlichen Quelle ist die Rede von insgesamt 8000 bis 10 000 Polarbären. Als Zeitraum sind die Jahre 1965 bis 70 angegeben.

Von einer Entwarnung hinsichtlich der Populationsgröße kann folglich keine Rede sein. Auch heute noch gelten Eisbären als gefährdet.

 

  • Obbard, Martyn E., Gregory W. Thiemann, Elizabeth Peacock & Terry D. DeBruyn (Hrsg.), 2010: Polar bears: proceedings of the 15th Working Meeting of the IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group, Copenhagen, Denmark, 29 June–3 July 2009. IUCN: Gland, Schweiz

  • Servheen, Christopher, 1990: Status and conservation of the bears of the world. In: International Conference on Bear Research and Management Monograph, Ausgabe 2

  • Larsen, Thor, 1972: Air and Ship Census of Polar Bears in Svalbard (Spitsbergen). In: The Journal of Wildlife Management, Ausgabe 36(2), Seiten 562-570

  • Schliebe, S., Ø. Wiig, A, Derocher & N. Lunn (IUCN SSC Polar Bear Specialist Group), 2008: Ursus maritimus. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.2

  • Foto: Angell Williams / flickr.com

9 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Tiere, Umwelt, Wissen(schaft)

Was sind Tierversuche? – eine Begriffsbestimmung

Das Wort ‚Tierversuche‘ hat verschiedene Bedeutungen. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es unterschiedliche Definitionen. Erstere beiden Länder orientieren sich an einer Richtlinie der Europäischen Union (EU). Diese Tierversuchs-Richtlinie soll die Rechtsvorschriften der EU-Mitgliedsstaaten aufeinander abstimmen. Der tierexperimentellen Forschung liegen die Begriffsbestimmung der jeweiligen Länder zugrunde. So sind die Definitionen in Österreich und der Schweiz beispielsweise umfassender als in Deutschland (siehe Tabelle).

Etwas einheitlicher ist es in der Öffentlichkeit. Hier wird der Begriff synonym für jede Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken gebraucht, schreibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Ganz anders definiert es das Wörterbuch PONS: „das Erproben von Medikamenten, Kosmetika oder medizinischen Verfahren an lebenden Tieren“. Laut Duden wiederum sind es „wissenschaftliche Experimente an oder mit lebenden Tieren“. Wikipedia beschreibt ‚Tierversuche‚ als „Experimente, in denen Tiere als ‚Versuchstiere‘ eingesetzt werden“.

 

  • Rat der Europäischen Union (Hrsg.), 1986: Richtlinie 86/609/EWG des Rates vom 24. November 1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Amtsblatt Nr. L 358 vom 18/12/1986 S. 0001 – 0028

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2005: Bundesgesetz vom 27. September 1989 über Versuche an lebenden Tieren (Tierversuchsgesetz – TVG). StF: BGBl. Nr. 501/1989. Letzt Änderung: BGBl. I Nr. 162/2005

  • Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2013: Tierschutzgesetz (TschG). Vom 16. Dezember 2005 (Stand 1. Januar 2013). SR-Nummer 455, Fundstelle AS 2008 2965

  • Bundesministerium der Justiz (BMJ), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2010: Tierschutzgesetz (TierSchG). Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I S. 1206, 1313), das zuletzt durch Artikel 20 des Gesetzes vom 9. Dezember 2010 (BGBl. I S. 1934) geändert worden ist

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Senatskommission für tierexperimentelle Forschung (Hrsg.), 2004: Tierversuche in der Forschung. Lemmens Verlags- & Mediengesellschaft: Bonn. ISBN 3-932306-53-8

  • PONS (Hrsg.), 2013: PONS – Das Online-Wörterbuch. Deutsche Rechtschreibung > T > tier > Tierversuch

  • Bibliographisches Institut (Hrsg.), 2012: Duden Online. Tierversuch

  • Wikimedia Foundation (Hrsg.), 2012: Wikipedia. Tierversuch. Vom 26. Dezember 2012

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

Tierversuchs-Richtlinie ‚3R‘ von Forschern nicht beachtet?

Tierversuche sind umstritten. Weltweit geregelt werden sollen sie durch das sogenannte 3R-Prinzip. Diese Richtlinie soll den ethischen Erwartungen der Bevölkerung entgegen kommen und das Leiden der Versuchstiere reduzieren. Eingeführt wurde sie von zwei Wissenschaftlern. Seit gut 50 Jahren besteht sie nun. Doch in der Praxis scheint die Regel nicht angekommen zu sein. Das jedenfalls legt eine aktuelle Studie nahe. Ihr zufolge fanden US-Forscher keine Hinweise auf ihre Beachtung. Und das, obwohl die meisten Tierversuche zuvor von einer Genehmigungsbehörde zugelassen wurden. Das Forscherteam untersuchte 55 zufällig ausgewählte, tierexperimentelle Arbeiten. Erschienen, ist die Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Journal of Applied Animal Welfare Science.

In den erforschten Arbeiten ginge es um Experimente, in denen Mäuse anhaltende Schmerzen hatten. Mindestens 14 Tage lang. Die Zahl derartiger Versuche sei bedeutend gestiegen im Laufe der letzten zehn Jahre, schreiben die US-Wissenschaftler. Dazu beigetragen hätte auch die vermehrte Forschung mit genetisch veränderten Mäusen. Nicht verändert hingegen, hätte sich die Anzahl der verwendeten Mäuse pro Studie.

3R steht für ‚Replacement‘, ‚Refinement‘ und ‚Reduction‘. Ersteres meint den Ersatz von Tierversuchen sooft wie möglich durch alternative Methoden. Zum Beispiel mittels Tests in Reagenzgläsern (in-vitro) und Computermodellen. Ferner sollen Lebewesen höherer biologischer Ordnung durch niedere Arten ersetzt werden. Demnach könnten beispielsweise nach Möglichkeit Wirbellose anstatt von Säugetieren verwendet werden. Unter ‚Refinement‘ ist die Verbesserung des Tierwohls, dort, wo Tierversuche „unvermeidbar“ seien, zu verstehen. Dann gehe es darum, Schmerzen sowie Stress für die Tiere zu mindern. Der letzte Begriff steht für die Reduzierung der benötigten Tiere. Dabei sollen die selben Information mit weniger Versuchstieren erlangt werden. Oder aber die Wissenschaftler sollen mehr Erkenntnisse mit einer gleichbleibenden Zahl von Tieren gewinnen.

Auch andere Autoren üben Kritik an der Umsetzung der 3R-Richtlinie. Die Zahl der Versuchstiere weltweit ist unverändert oder sogar steigend seit den 1990er Jahren, laut einer internationalen Forschergruppe. Das deute darauf hin, dass keine absolute Reduzierung mehr stattfinde. Daher werde ‚Reduction‘ mittlerweile oftmals so beschrieben wie oben – in relativen Zahlen. Ihre Studie wurde in dem wissenschaftlichen Fachblatt Alternatives to Animal Experimentation veröffentlicht.

Auf etwa 115 Millionen schätzen Forscher die Zahl der weltweiten, jährlichen Tierversuche. Und bei konservativer Schätzung auf 58 Millionen. In Österreich waren es 2010 ungefähr 115 000 und in der Schweiz 2011 circa 660 000. Im selben Jahr belief sich die Zahl in Deutschland auf 2,9 Millionen. Ein Großteil der Experimente dienen der Grundlagenforschung. Knapp 840 000 Wirbeltiere werden hierzulande zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Mit Abstand am häufigsten verwendet werden Mäuse, gefolgt von Ratten und Fischen. Doch auch Meerschweinchen, Katzen, Pferde, Hunde und andere Arten zählen zu den Versuchstieren.

 

  • National Research Council of the National Academies, Committee on Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals, Institute for Laboratory Animal Research & Division of Earth and Life Studies (Hrsg.), 2009: Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals. The National Academies Press: Washington, DC . ISBN: 978-0-309-12835-3

  • Balcombe, Jonathan, Hope Ferdowsian & Lauren Briese, 2013: Prolonged Pain Research in Mice: Trends in Reference to the 3Rs. In: Journal of Applied Animal Welfare Science, Ausgabe 16(1), Seiten 77-95. DOI: 10.1080/10888705.2013.741004

  • Olsson, I. Anna S., Nuno H. Franco, Daniel M. Weary & Peter Sandøe , 2012: The 3Rs Principle – Mind the Ethical Gap! In: ALTEX Proceedings (Alternatives to Animal Experimentation), Ausgabe 1(12), Proceedings of the 8th World Congress, Montreal

  • Taylor, Katy, Nicky Gordon, Gill Langley & Wendy Higgins, 2008: Estimates for Worldwide Laboratory Animal Use in 2005. In: Alternatives to Laboratory Animals (ATLA), Ausgabe 36(3), Seiten 327-342

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2012: Anfragebeantwortung durch den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Dr. Karlheinz Töchterle zu der schriftlichen Anfrage (11207/J) der Abgeordneten Dr. Wolfgang Spadiut, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend aktuelle Tierversuchszahlen in Österreich. 11043/AB XXIV. GP – Anfragebeantwortung (elektr. übermittelte Version)

  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), Schweizerische Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2012: Tierversuche 2011 in der Schweiz. Statistik

  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2012: Versuchstierzahlen 2011. Tabellen der Tierversuchszahlen für das Jahr 2011

  • Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

Pestizide könnten Zunahme von Lebensmittelallergien bewirken

Das vermehrte Auftreten von Nahrungsmittelallergien in westlichen Ländern wird mit Pflanzenschutzmitteln in Verbindung gebracht – laut einer neuen Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal Annals of Allergy, Asthma & Immunology.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ernährung, Medizin, Umwelt, Wissen(schaft)

CO2-Anstieg – Pflanzenwachstum – bessere Ernten?

Pflanzen brauchen Kohlendioxid zum Wachsen. Der Klimawandel könnte sich folglich positiv auf Ernteerträge auswirken. Zwei kürzlich erschienene Studien untermauern das Gegenteil. Veröffentlicht wurden sie in den wissenschaftlichen Fachmagazinen Plant Physiology sowie Global Change Biology.

Getreide ist heutzutage auf hohe Kornerträge ausgerichtet. Erreicht wird dies mithilfe von Sorten, denen kurze Halme angezüchtet wurden. So gewinnen sie an Stabilität und können mehr Körner tragen. Darauf fußt die weltweite Ernährungsgrundlage. Nun allerdings legt erstere Studie nahe, dass der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre die kurzhalmigen Getreidesorten wieder länger werden lässt. Das CO2 gleiche ein zuvor durch Züchtung blockiertes Wachstumshormon aus und nehme den Pflanzen allmählich die erwünschte Kurzhalmigkeit, schreiben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie und der Universität Potsdam. Längere Halme jedoch können weniger Körner tragen und brechen leichter. Infolgedessen ist mit geringeren Erträgen zu rechnen. Beobachten konnten sie das Wachstum der Halme an Modellpflanzen namens Acker-Schmalwand.

In der zweiten Studie stellten schwedische Forscher eine Minderung der Getreidequalität fest. Dazu analysierten sie 57 wissenschaftliche Arbeiten, darunter Feld- und Laborexperimente. 24 verschiedene Weizensorten wurden berücksichtigt. Im Ergebnis machten sie geringere Proteingehalte in den Körnern und somit schlechtere Nährwerte aufgrund erhöhter CO2-Konzentrationen aus.

 

  • Ribeiro, Dimas M., Wagner L. Araújo, Alisdair R. Fernie, Jos H.M. Schippers & Bernd Mueller-Roeber, 2012: Action of Gibberellins on Growth and Metabolism of Arabidopsis Plants Associated with High Concentration of Carbon Dioxide. In: Plant Physiology, Ausgabe 160(4), Seiten 1781-1794. DOI: 10.1104/pp.112.204842

  • Pleijel, Håkan & Johan Uddling, 2012: Yield vs. Quality trade-offs for wheat in response to carbon dioxide and ozone. In: Global Change Biology, Ausgabe 18(2), Seiten 596-605. DOI: 10.1111/j.1365-2486.2011.2489.x

  • Foto: Falk Lademann / flickr.com

6 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Pflanzen, Wissen(schaft)

Rothirsche: Mehr Angst vor Menschen als vor Wölfen

Der Mensch stört das Verhalten von Rothirschen mehr als ihre natürlichen Feinde. Er wird von ihnen als Raubtier gesehen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer neuen Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal PLoS ONE. Demnach bewirken jene Störungen in menschendominierten Landschaften eine erhöhte Wachsamkeit bei den Tieren. Folglich würden sie sich seltener auf Nahrungssuche begeben. Zusammen mit dem Faktor Rudelgröße sei der Mensch zu mehr als 80 Prozent für die Verhaltensänderungen verantwortlich. Die höchste Wachsamkeit zeigten sie auf öffentlichem Land, wo die Jagd neben motorisierten Freizeitaktivitäten ausgeübt wurde. Am geringsten sei sie in Nationalparks während der Sommermonate.

Durchgeführt wurde die Studie im kanadischen Alberta. Dazu beobachteten die Forscher ein Jahr lang insgesamt 424 Rothirschrudel, bestehend aus etwa 15000 Individuen, und 870 Einzeltiere. Ihre Lebensräume waren öffentlich zugängliche sowie private Ländereien und Schutzgebiete.

Beeinflusst werde das Verhalten der Tiere durch die Anzahl der Menschen, die Art der menschlichen Aktivitäten sowie den Verkehr und die Entfernung zu Straßen. Schon ein Verkehrsaufkommen von einem Fahrzeug pro zwei Stunden reiche aus, um das Verhalten der Rothirsche zu verändern. Dies könne dazu führen, dass die Muttertiere aufgrund der geringeren Nahrungsaufnahme geschwächt und somit die Fortpflanzungserfolge geringer würden. Umweltfaktoren wie natürliche Raubtiere, darunter Wölfe und Bären, hätten kaum eine Bedeutung.

 

  • Ciuti, Simone, Joseph M. Northrup, Tyler B. Muhly, Silvia Simi, Marco Musiani, Justin A. Pitt & Mark S. Boyce, 2012: Effects of Humans on Behaviour of Wildlife Exceed Those of Natural Predators in a Landscape of Fear. In: PLoS ONE, Ausgabe 7(11): e50611. DOI: 10.1371/journal.pone.0050611

  • Foto: Richard Fisher / flickr.com

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

Autismus durch Luftverschmutzung?

Nicht selten hört man, sie würden in ihrer eigenen Welt leben. Die Rede ist von autistischen Menschen. Wie es zu dieser Entwicklungsstörung kommt, ist unklar. Nun bringen Forscher ein erhöhtes Autismusrisiko mit Luftverschmutzungen in Verbindung. Je größer die verkehrsbedingten Luftbelastungen während der Schwangerschaft und des ersten Lebensjahres seien, desto größer die Wahrscheinlichkeit. Bis zu dreimal höher könne diese sein. Bei den betroffenen Stoffen handele es sich um Feinstäube sowie Stickstoffdioxid. Veröffentlicht wurde die Studie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Archives of General Psychiatry.

Die Forscher bezogen 279 autistische Kinder in ihrer Untersuchung ein. Zudem gab es eine Kontrollgruppe mit weiteren 245 Kindern, die nicht von jener Entwicklungsstörung betroffen waren. Mithilfe eines Modells berechneten sie die Schadstoffbelastung. Dabei griffen sie auf Daten zur Verkehrsdichte sowie Windstärke und -richtung zurück. Zusätzlich verwendeten sie Zahlen offizieller Messstellen, welche die Luftqualität überwachen. Um andere Einflussfaktoren ausschließen zu können, erhoben sie beispielsweise Alter, Geschlecht, Ernährungsgewohnheiten, Einkommen und Herkunft der Kleinen.

Die Zahl der Betroffenen, bei denen Autismus festgestellt wurde, ist seit 2006 um 78 Prozent gestiegen, schreibt ein anderer Autor in dem Fachblatt Archives of General Psychiatry. Ob es sich bei obigen Studienergebnissen allerdings tatsächlich um einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Autismusrisiko handelt, bleibe offen. Frühere Arbeiten lägen dies jedoch nahe.

 

  • Volk, Heather E., Fred Lurmann, Bryan Penfold, Irva Hertz-Picciotto, Rob McConnell. 2012: Traffic-Related Air Pollution, Particulate Matter, and Autism. In: Archives of General Psychiatry. DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2013.266

  • Dawson, Geraldine, 2012: Dramatic Increase in Autism Prevalence Parallels Explosion of Research Into Its Biology and Causes. In: Archives of General Psychiatry. DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2013.488
  • Foto: hepingting / flickr.com

2 Kommentare

Eingeordnet unter Medizin, Psychologie, Umwelt, Wissen(schaft)