Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Religion als Lösung liberalwirtschaftlich geförderter Umweltprobleme?

Recycling-Bauwerk_Martin Abegglen_Flickr.com_CCBY-SA 2.0

Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt, Klimawandel sowie die Erschöpfung von Ressourcen. Um nur einige Beispiele globaler Umweltprobleme zu nennen, denen die Menschheit ausgesetzt ist. Dazu beigetragen hat der zunehmende Marktliberalismus. Das zumindest geht aus einer aktuellen Veröffentlichung zweier Forscher hervor. Erschienen ist sie im wissenschaftlichen Fachjournal Science. Zur Lösung benötige es auch moralische Vorreiter, wie sie beispielsweise Religionen darstellen können. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Tierhandel und Ledernutzung gefährden Groß-Echsen?

Erstmalig untersuchte ein Forscherteam die Gefährdungssituation von Waranen. Und zwar in Südostasien und dem Indo-australischen Archipel, ihrem Hauptverbreitungsgebiet weltweit. Dabei stellte sich heraus, dass die Groß-Echsen vor allem drei Bedrohungen ausgesetzt sind: der Zerstörung ihres Lebensraums durch den Menschen, der internationale Reptilienhandel für den Haustierbedarf sowie der Nutzung ihrer Häute und ihres Fleisches. Dies geschehe zudem oftmals illegal. Auch Deutschland und andere europäische Länder sind daran beteiligt. In der Folge könne das Überleben einiger Arten gefährdet sein. Veröffentlicht wurde die Studie in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Herpetological Conservation and Biology. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tiere, Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Klimaskeptiker neigen zu Verschwörungstheorien und Wirtschaftsliberalismus

97 Prozent aller Klimawissenschaftler weltweit betrachten den menschengemachten Klimawandel als erwiesen. Dennoch gibt es Personen, die das nicht anerkennen oder die globale Erwärmung für unbedeutend halten. Psychologen befragten jene sogenannten Klima(wandel)skeptiker. Die Ergebnisse: Wer die Existenz des anthropogenen Klimawandels verneinte, glaubte auch eher an andere Verschwörungstheorien. Zudem seien Klimakritiker sehr oft Befürworter eines freien Marktes, möglichst ohne Regeln. Generell hätten wirtschaftsliberale Menschen wissenschaftliche Lehrsätze eher abgelehnt. Letzteres gelte ebenso für Verschwörungstheoretiker. Diejenigen Menschen, die davon ausgingen, frühere Umweltprobleme seien bereits gelöst, neigten ebenfalls zu einer klimaskeptischen Position. Die Studie erschien in dem wissenschaftlichen Fachjournal Psychological Science. Weiterlesen

7 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Freiwilligenarbeit hilf Herz und Kreislauf

Wer ehrenamtliche Tätigkeiten ausführt, unterstützt damit nicht nur andere Menschen oder Tiere. Auch das eigene Herz-Kreislauf-System kann davon profitieren. Das belegt eine Studie dreier Forscherinnen. Sie untersuchten kanadische Jugendliche. Erschienen ist die Arbeit in dem wissenschaftlichen Fachmagazin JAMA Pediatrics. Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Medizin, Psychologie, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Ansteckende Solarzellen

Haben Ihre Nachbarn Sonnenkollektoren? Falls ja, erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Installationen hinzu kommen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Marketing Science. Demnach ließen zehn extra Fotovoltaik-Anlagen innerhalb eines Postleitzahlenbereichs die Wahrscheinlichkeit um 7,8 Prozent steigen.

Ausschlaggebende Gründe dafür seien die Sichtbarkeit der Anlage auf dem Dach des Nachbarn sowie Gespräche darüber. Wenn er von wirtschaftlichen Vorteilen erzähle, könne dies zur Nachahmung ermutigen. Ferner könne es unter Nachbarn eine Art Wettbewerb geben, bei dem keine Partei das Nachsehen haben möchte.

Die Forscher analysierten etwa 85000 geplante und vollendete Installationen im US-amerikanischen Kalifornien. Von Januar 2001 bis Dezember 2011 dauerte die Untersuchung. Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftler nicht nur das Marketing von Solarunternehmen verbessern. Auch auf die Vermarktung anderer grüner Technologien seien sie übertragbar.

 

  • Bollinger, Bryan & Kenneth Gillingham, 2012: Peer Effects in the Diffusion of Solar Photovoltaic Panels. In: Marketing Science. DOI: 10.1287/mksc.1120.0727

  • Illustration: Gerd Altmann / pixelio.de

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Energie, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Manager haben weniger Stress als gedacht

Das Bild gestresster Führungskräfte ist weit verbreitet. Eine aktuelle Studie aus dem wissenschaftlichen Fachmagazin PNAS könnte dies ändern. US-Forschern zufolge haben sie eher weniger Stress als Menschen ohne Verantwortung für Mitarbeiter. Sie weisen einen geringen Stresshormonspiegel auf und hätten weniger Angstgefühle. Zudem sinke der gemessene und der subjektiv empfundene Stress mit steigendem Rang. Der Grund dafür liege in den größeren Kontrollmöglichkeiten der Führungskräfte.

Für ihre Arbeit untersuchten die Wissenschaftler Freiwillige verschiedener Führungsebenen und Positionen des öffentlichen Dienstes sowie des Militärs. Sie bestimmten den Cortisol-Spiegel der Probanden und befragten sie. Unter den Teilnehmern waren 148 Chefs und 65 Untergebene. Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer Studien mit Affen, schreiben die Forscher. Besonders dann, wenn es nur wenig Konkurrenz gebe. Dies treffe auch auf die Mehrzahl der untersuchten Manager dieser Studie zu, da ihre Position sicher war.

 

  • Sherman, Gary D., Jooa J. Lee, Amy J. C. Cuddy, Jonathan Renshon, Christopher Oveis, James J. Gross& Jennifer S. Lerner, 2012: Leadership is associated with lower levels of stress. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1207042109

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wirtschaft, Wissen(schaft)

EU-Bürger futtern Madagassen den Fisch weg

Unsere Fischerei geht zu Lasten von Entwicklungsländern. Dies legt eine aktuelle Studie einer internationalen Forschergruppe am Beispiel von Madagaskar nahe. In dem wissenschaftlichen Fachmagazin Marine Policy kommen die Autoren zu folgenden Ergebnissen: Während die Fangquoten in der Europäischen Union seit 1986 um 30 Prozent stiegen, sanken die Lizenzgebühren für Madagaskar um 20 Prozent. Die Einnahmen der madagassischen Regierung aus den Fischereiabkommen verringerten sich um etwa 90 Prozent. Das jedoch widerspreche der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU (GFP). Ferner werfe jene Praxis „tiefgreifende“[1] ethische Fragen auf. Reformen seien erforderlich.

Die Hochseeflotten der Europäischen Union fischen in allen Ozeanen der Welt, schreiben die Forscher. Einzige Ausnahmen seien die Polarmeere. Mit mehr als 20 Entwicklungsländern gäbe es Fischereiabkommen. Doch während die Zugangsgebühren zu den Fischgründen jener Länder sinken, würden die Flotten der EU stetig größer. Zudem seien viele der Gebühren in Wirklichkeit Subventionen für den Ausbau der Flotten, was letztlich zu einer Verstärkung der Überkapazitäten an Fangschiffen führe.

Für ihre Studie wählten die Forscher Madagaskar aus. Es sei das ärmste Land, welches ein Fischereiabkommen mit der EU habe. Anhand der Einkommen der Madagassen, in Verbindung mit den Anforderungen des Abkommens, überprüften sie seine Wirksamkeit.

In diesem Jahr werden nach Angaben der Europäischen Kommission die Vorschläge zur Änderung der Gemeinsamen Fischereipolitik im Parlament und im Rat diskutiert. 2013 solle die reformierte GFP gelten. Die Gemeinsame Fischereipolitik dient der Bewältigung zahlreicher Probleme, wie zum Beispiel der Flottenüberkapazität, der Überfischung und rückläufige Fänge. Doch  bereits 2009 erklärte die Europäische Kommission : „Die derzeitige GFP hat bei der Verhinderung dieser Probleme versagt.“ Deshalb müsse sie geändert werden.

Auch die Autoren der Studie raten zu einer Reform, um eine möglichst nachhaltige und gerechte Fischereipolitik zu erreichen. Dazu müsse es angemessene Fangquoten geben und Lizenzgebühren, die sich nach dem Marktwert der gefangenen Fische richten. Die Kosten sollten die begünstigten Branchen tragen, empfehlen die Forscher. Die Entwicklungshilfe der EU müsse von der Fischereipolitik entkoppelt werden. Profitieren würden beide Seiten von den Reformen: Madagaskar brächten sie mehr Einnahmen, und die Steuerzahler der EU hätten weniger Kosten zu schultern.

 

[1] Im Original: „profound“.

 

  • LeManach, Frédéric, Mialy Andriamahefazafy, Sarah Harper, Alasdair Harris, Gilles Hosch, Glenn-Marie Lange, Dirk Zeller & Ussif Rashid Sumaila, 2012: Who gets what? Developing a more equitable framework for EU fishing agreements. In: Marine Policy, Ausgabe im Druck. DOI: 10.1016/j.marpol.2012.06.001

  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (Hrsg.), 2012: Fischerei. Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik

  • Europäische Union (Hrsg.), 2009: Grünbuch – Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. 22.4.2009, KOM(2009)163 endgültig

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ernährung, Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Rohstoffe – wichtig für Mensch und Maschine

Teil 1 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Sie lesen diese Zeilen wahrscheinlich auf Ihrem Bildschirm. Dazu brauchte es irgendwann eine Vielzahl von Rohstoffen: zum Beispiel für Ihr Endgerät und mein Notebook. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)[1] widmet diesem Thema ein Hauptkapitel. Nachzulesen ist es in dem kürzlich erschienenen Umweltgutachten. Dort geht es um mineralische und metallische, nicht-fossile, Rohstoffe. Laut dem SRU wird den ökologischen Folgen der Rohstoffgewinnung zu wenig Beachtung geschenkt. Daher plädiert er für eine Entkopplung des Rohstoffverbrauchs von dem Wohlergehen der Gesellschaften. Erreicht werden solle dies mittels Effizienzsteigerung und Reduzierung der rohstoffwirtschaftlichen Umweltfolgen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu müsse unter anderem der Anteil an recycelten Rohstoffen immens steigen.

Vor allem der Abbau der Rohstoffe hätte erhebliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt (z.B. Belastung von Grund- und Oberflächenwasser, Verlust der Artenvielfalt, …). Anders ausgedrückt: Jede Rohstoffgewinnung gehe mit einem Flächen- und Naturverbrauch einher. Und das vorwiegend im Ausland, da ein Großteil der Rohstoffgewinnung dort stattfinde. Ferner würden radioaktive Begleitstoffe und Bleistäube freigesetzt. Darüber hinaus käme es zu einem erheblichen Einsatz von Hilfsstoffen, wie zum Beispiel Quecksilber und Cyanid bei der Goldgewinnung.

Insgesamt zähle der Bergbau zu den größten Quellen von Umweltgiften in der Welt. Unter den gesundheitlichen Folgen hätten primär die Bergleute zu leiden. Oftmals bekämen sie Asthma, Staublunge oder seien schleichenden Vergiftungen ausgesetzt. Zudem würde bei der Rohstoffverarbeitung sehr viel Energie benötigt, was wiederum zu großen Mengen an Treibhausgasen führe. Weltweit verbrauche der Bergbau alleine etwa sieben Prozent des weltweiten Energieaufkommens.

Gemäß des Umweltgutachtens 2012 werden global jedes Jahr circa 35 Milliarden Tonnen metallische und mineralische Rohstoffe entnommen. Das entspreche einer Verdopplung seit Mitte der 1990er Jahre.

Um eine umweltverträglichere Rohstoffwirtschaft zu erreichen, schlägt der SRU vor, beispielsweise Mindeststandards für die Entsorgung von Elektroschrott einzuführen. Daneben könnten höhere, festgesetzte Recyclingquoten, Pfandsysteme für Computer sowie Mobiltelefone und gesetzliche Nachweise, die die Funktion von für den Export bestimmten Gebrauchtgeräten belegen, zielführend sein. Weiterhin solle das Bergrecht zugunsten des Naturschutzes geändert werden. Über eine Steuer auf Primärbaustoffe könne ein Anreiz zur Wiederverwertung von Rohstoffen geschaffen werden. Außerdem wäre eine Verknappung der Emissionsrechte für die Industrie denkbar, da sie dadurch angehalten wäre, vermehrt auf eine klimaverträgliche und energieeffiziente Produktion zu setzen. International müssten hohe Sozial- und Umweltstandards vereinbart werden, schreibt der SRU.

 

[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Juni, 694 Seiten

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2008:  40 Jahre Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Kurzfassung:

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Kurzfassung für Entscheidungsträger. Juni, 12 Seiten

Englische Kurzfassung (Summary):

  • German Advisory Council on the Environment (SRU) (Ed.), 2012: Environmental Report 2012. Responsibility in a finite world. Summary for policy makers. June, 12 pages

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

Landraub?

Wenn Investoren Land auf Kosten Dritter erwerben, spricht man von Land Grabbing.[1] Nun beleuchtet ein Zusammenschluss internationaler Forschungsinstitute und Organisationen dieses Phänomen in einer Studie, darunter zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern. Darin bestätigen die Autoren der Arbeit viele der Vorwürfe gegen das Land Grabbing. Vorteile für die lokale Bevölkerung gäbe es nur selten. Die Kapitalanleger stammen überwiegend aus China, den USA, Malaysia und Großbritannien.

Häufig würden Flächen verkauft, die bereits von Kleinbauern genutzt werden. Dies führe folglich zu Konflikten. Auch zu Vertreibungen der Bevölkerung soll es kommen. Dennoch werden nur 27 Prozent des erstandenen Landes wirklich genutzt, schreiben die Autoren. Die Höhe der Entschädigungszahlungen sei sehr gering. Manchmal erhielten die Bauern sechs Eurocent pro Jahr und Hektar von den Pächtern. Besonders beliebt bei den Investoren sei Afrika. Dort wurden etwa 56 Millionen Hektar veräußert. Vor allem arme Staaten wie der Sudan oder Äthiopien seien betroffen. Zum Vergleich: In Asien waren es ungefähr 18 Millionen und in Lateinamerika sieben Millionen Hektar. 66 Prozent der Fälle beträfen Länder, in denen die Menschen ohnehin häufig Hunger leiden müssten.

Auf den Äckern gedeihen in erster Linie essbare Kulturpflanzen. Sie machen 34 Prozent der Flächen aus. Daneben werden beispielsweise Kautschukplantagen oder Pflanzen für die Kraftstoffgewinnung angebaut. Die Erträge jedoch verbleiben nur selten in den Anbauländern. Meistens würden sie in die Heimatländer der Investoren exportiert. Seit dem vorläufigen Höhepunkt der Landerwerbe seien die Zahlen rückläufig. Ein Ende des Phänomens sehen die Forscher allerdings nicht. Da Wasser und Energie immer kostbarer wird, würde es auch attraktiv bleiben, die Landwirtschaft in andere Länder zu verlagern. Schon heute existieren nach Ansicht der Wissenschaftler Hinweise auf eine Verschärfung der Wasserknappheit in den Zielländern infolge des Landerwerbs.

Für ihre Arbeit analysierten die Autoren seit dem Jahr 2000 über 1200 Landverkäufe weltweit. Zusammen genommen, sind es circa 83 Millionen Hektar – eine Fläche, die mehr als dem Doppelten von Deutschland entspricht. Oder anders ausgedrückt: 1,7 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Fläche. Zusätzlich wurden die Ergebnisse in einer Datenbank namens Land Matrix veröffentlicht. Erfasst wurden Verkäufe, Verpachtungen und Konzessionen für Ländereien mit einer Fläche von 200 Hektar oder mehr. Gleichwohl geben die Forscher zu bedenken, dass ein großer Mangel an Transparenz bei den Geschäften herrsche. Dies erschwere eine Einschätzung des tatsächlichen Ausmaßes des Land Grabbing.

Deutsche Investoren haben laut der Land Matrix fast 500000 Hektar Land gekauft. Darunter die JatroSolutions GmbH mit 3000 Hektar in Madagaskar für die zur Gewinnung von Biodiesel verwendete Jatropha-Pflanze. Hauptanteilseigner des Unternehmens ist die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Außerdem habe DWS GALOF in Tansania 5000 Hektar für den Anbau von Gerste und Weizen erworben. Zudem erstand die Fondsgesellschaft 27000 Hektar in Sambia für einen unbekannten Zweck. Die DWS gehört zur Deutschen Bank.

[1]  Land Grabbing: Der Begriff leitet sich vom englischen ‚to grab‘ (grabschen, an sich reißen, …) ab. Gemeint ist damit der verantwortungslose Erwerb landwirtschaftlicher Nutzflächen, vor allem zu Lasten von Kleinbauern in Entwicklungsländern. Durch den Handel zwischen Investoren und zumeist Staaten, verlieren jene Bauern ihre traditionell verwurzelten, aber nach geltendem Recht informellen, Nutzungsrechte. Die Durchsetzung der vollzogenen Geschäfte geht häufig mit Landvertreibungen einher. (Goeser 2011; BMZ 2012)

  • Goeser, Helmut, 2011: Land Grabbing. Ursachen, Wirkungen, Handlungsbedarf. Infobrief WD 5-3010-204/11. Wissenschaftliche Dienste, Deutscher Bundestag, Fachbereich Wirtschaft und Technologie, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Tourismus (Hrsg.)

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), 2012: Investitionen in Land und das Phänomen des “Land Grabbing”. Herausforderungen für die Entwicklungspolitik. BMZ-Strategiepapier 2/2012

  • Anseeuw, Ward, Mathieu Boche, Thomas Breu, Markus Giger, Jann Lay, Peter Messerli & Kerstin Nolte, 2012: Transnational Land Deals for Agriculture in the Global South. Analytical Report based on the Land Matrix Database, Number 1: April 2012. The Land Matrix Partnership (Hrsg.): The International Land Coalition (ILC), The Centre for Development and Environment (CDE), Centre de coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement (CIRAD), The GIGA German Institute of Global and Area Studies (Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien) & Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). ISBN: 978-92-95093-71-3

3 Kommentare

Eingeordnet unter Wirtschaft, Wissen(schaft)

China: Geringere Zufriedenheit trotz Wirtschaftsboom

Ungebrochen ist der gigantische wirtschaftliche Aufschwung der Volksrepublik. Doch während die chinesische Wirtschaft seit zwei Jahrzehnten brummt, sank die Zufriedenheit in der Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe in dem wissenschaftlichen Fachblatt PNAS. Für die Studie werteten die Wissenschaftler sechs Umfragen der Jahre 1990 bis 2010 aus und verknüpften sie mit Wirtschaftsdaten.

Innerhalb von 20 Jahren vervierfachte sich der Konsum und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, schreiben die Autoren. Im Jahr 1990 gaben 65 Prozent der ärmsten Chinesen an, zufrieden oder gar sehr zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Ähnlich sah es auch der wohlhabende Bevölkerungsteil mit 68 Prozent. Zwanzig Jahre später erscheint das Bild ganz anders, wie die Forscher berichten. So seien heute 72 Prozent der Wohlhabenden mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden. Demgegenüber blicken nur noch 42 Prozent der Ärmsten positiv auf ihr Leben.

 

  • Easterlin, Richard A., Robson Morgan, Malgorzata Switek & Fei Wang, 2012: China’s life satisfaction, 1990-2010. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1205672109

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wirtschaft, Wissen(schaft)