Archiv der Kategorie: Tiere

Neue Labor-Haut könnte Tierversuche ersetzen

Haut_toisel_Flickr.com_CCBY2.0

Zum ersten Mal sei es Forschern gelungen, im Labor ein Haut-Modell herzustellen, das ähnliche Schutzeigenschaften wie die menschliche Epidermis besitze. Diese äußere Hautschicht weise dabei alle Schichten der normalen Oberhaut auf. Auch die typische Durchlässigkeit für bestimme Stoffe sei gegeben. Die ‚künstliche‘ Haut ist aus pluripotenten Stammzellen vom Menschen gewachsen. Damit legen die Wissenschaftler eine Methode vor, um Krankheiten mit defekten Schutzfunktionen der Haut zu erforschen. Zudem ließen sich kostengünstig neue Medikamente und Kosmetika entwickeln und testen. Für Anwendungen in der Ästhetischen und Regenerativen Medizin könne das Modell leicht angepasst und ebenfalls genutzt werden. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Stem Cell Reports. Weiterlesen

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Tierhandel und Ledernutzung gefährden Groß-Echsen?

Erstmalig untersuchte ein Forscherteam die Gefährdungssituation von Waranen. Und zwar in Südostasien und dem Indo-australischen Archipel, ihrem Hauptverbreitungsgebiet weltweit. Dabei stellte sich heraus, dass die Groß-Echsen vor allem drei Bedrohungen ausgesetzt sind: der Zerstörung ihres Lebensraums durch den Menschen, der internationale Reptilienhandel für den Haustierbedarf sowie der Nutzung ihrer Häute und ihres Fleisches. Dies geschehe zudem oftmals illegal. Auch Deutschland und andere europäische Länder sind daran beteiligt. In der Folge könne das Überleben einiger Arten gefährdet sein. Veröffentlicht wurde die Studie in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Herpetological Conservation and Biology. Weiterlesen

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Fukushima-GAU veränderte Tiere und Menschen

Nukleare Auswirkungen der anderen Art

Die Atomkatastrophe in Japan traf das Land schwer. Mehr als Hunderttausend Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Wie traumatisch sich die Folgen des Super-GAUs auf die zurückgelassenen Hunde auswirken, zeigt eine Studie. Demnach sei die Katastrophe äußerst belastend für sie. Auf Seiten der menschlichen Betroffenen könne es ebenfalls zu psychischen Auswirkungen kommen. Eine weitere Veröffentlichung deutet auf Missbildungen bei Schmetterlingen hin. Spätere Generationen seien dabei weitaus stärker betroffen. Die Arbeiten erschienen in dem wissenschaftlichen Fachblatt Scientific Reports. Weiterlesen

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Eisbär und Klimawandel sind keine Freunde

Kann sich der Polarbär erneut einem wärmeren Klima anpassen? Wie ist es um seine Zukunft bestellt? Antworten liefern zwei kanadische Forscher in einer zusammenfassenden Studie. Ihnen zufolge wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit größtenteils aussterben. Und zwar im südlichen Teil seines Verbreitungsgebietes. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte es zwei Drittel der weltweiten Population nicht mehr geben. Möglicherweise überlebe er mittelfristig im Norden Grönlands und auf arktischen Inseln Nordkanadas. Langfristig jedoch sei das Fortbestehen der Eisbären ungewiss, solange der Klimawandel voran schreite wie bisher. Vergangene erdgeschichtliche Warmphasen habe er dank gänzlich anderer Lebensumstände überlebt. Veröffentlicht wurde die Arbeit in dem wissenschaftlichen Fachjournal Global Change Biology. Sie berücksichtigt etwa 75 Studien. Weiterlesen

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Delfine versuchten Delfin zu retten

Eine Gruppe von Delfinen hat versucht, einem verletzten Artgenossen zu helfen. Erstmalig konnten Forscher dies beobachten. Sie berichten darüber in dem wissenschaftlichen Fachblatt Marine Mammal Science. Weiterlesen

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Gibt es heute mehr Eisbären als früher?

Sind Polarbären etwa doch nicht gefährdet? Hat sich der Bestand erholt? Gegenwärtig wird ihre Zahl auf weltweit 20 000 bis 25 000 geschätzt. Deutlich weniger sollen es vor circa 45 Jahren gewesen sein. Erklärungen dafür finden sich in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Demnach erscheint die Population heute größer als früher, da zum einen die Jagd auf Eisbären eingeschränkt wurde. Zum anderen sei die Forschung aufgrund internationaler Zusammenarbeit voran geschritten und daher die Datenerhebung genauer geworden. Außerdem wurde das Management der Polarbären verbessert. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung von Schutzgebieten, um ihren Lebensraum zumindest in Teilen zu erhalten.

Schon 1972 betrachtete ein weiterer Autor die früheren Schätzungen als „unzuverlässig“. Was er damit meinte, veranschaulichen folgende Beispiele: 1959 schätzte ein Forscherteam die Zahl der weltweiten Eisbärpopulation auf 17 000 bis 19 000. Fünf Jahre später kam ein anderer Wissenschaftler zum dem Schluss, es wären weit über 10 000 gewesen. 1965 belief sich die Schätzung eines weiteren Forschers auf 5000 bis 8000 Tiere. Er berichtigte sich Ende der 60er zusammen mit einem Kollegen und setzte die Zahl auf 10 000 bis 15 000. In einer anderen wissenschaftlichen Quelle ist die Rede von insgesamt 8000 bis 10 000 Polarbären. Als Zeitraum sind die Jahre 1965 bis 70 angegeben.

Von einer Entwarnung hinsichtlich der Populationsgröße kann folglich keine Rede sein. Auch heute noch gelten Eisbären als gefährdet.

 

  • Obbard, Martyn E., Gregory W. Thiemann, Elizabeth Peacock & Terry D. DeBruyn (Hrsg.), 2010: Polar bears: proceedings of the 15th Working Meeting of the IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group, Copenhagen, Denmark, 29 June–3 July 2009. IUCN: Gland, Schweiz

  • Servheen, Christopher, 1990: Status and conservation of the bears of the world. In: International Conference on Bear Research and Management Monograph, Ausgabe 2

  • Larsen, Thor, 1972: Air and Ship Census of Polar Bears in Svalbard (Spitsbergen). In: The Journal of Wildlife Management, Ausgabe 36(2), Seiten 562-570

  • Schliebe, S., Ø. Wiig, A, Derocher & N. Lunn (IUCN SSC Polar Bear Specialist Group), 2008: Ursus maritimus. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.2

  • Foto: Angell Williams / flickr.com

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Was sind Tierversuche? – eine Begriffsbestimmung

Das Wort ‚Tierversuche‘ hat verschiedene Bedeutungen. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es unterschiedliche Definitionen. Erstere beiden Länder orientieren sich an einer Richtlinie der Europäischen Union (EU). Diese Tierversuchs-Richtlinie soll die Rechtsvorschriften der EU-Mitgliedsstaaten aufeinander abstimmen. Der tierexperimentellen Forschung liegen die Begriffsbestimmung der jeweiligen Länder zugrunde. So sind die Definitionen in Österreich und der Schweiz beispielsweise umfassender als in Deutschland (siehe Tabelle).

Etwas einheitlicher ist es in der Öffentlichkeit. Hier wird der Begriff synonym für jede Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken gebraucht, schreibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Ganz anders definiert es das Wörterbuch PONS: „das Erproben von Medikamenten, Kosmetika oder medizinischen Verfahren an lebenden Tieren“. Laut Duden wiederum sind es „wissenschaftliche Experimente an oder mit lebenden Tieren“. Wikipedia beschreibt ‚Tierversuche‚ als „Experimente, in denen Tiere als ‚Versuchstiere‘ eingesetzt werden“.

 

  • Rat der Europäischen Union (Hrsg.), 1986: Richtlinie 86/609/EWG des Rates vom 24. November 1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Amtsblatt Nr. L 358 vom 18/12/1986 S. 0001 – 0028

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2005: Bundesgesetz vom 27. September 1989 über Versuche an lebenden Tieren (Tierversuchsgesetz – TVG). StF: BGBl. Nr. 501/1989. Letzt Änderung: BGBl. I Nr. 162/2005

  • Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2013: Tierschutzgesetz (TschG). Vom 16. Dezember 2005 (Stand 1. Januar 2013). SR-Nummer 455, Fundstelle AS 2008 2965

  • Bundesministerium der Justiz (BMJ), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2010: Tierschutzgesetz (TierSchG). Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I S. 1206, 1313), das zuletzt durch Artikel 20 des Gesetzes vom 9. Dezember 2010 (BGBl. I S. 1934) geändert worden ist

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Senatskommission für tierexperimentelle Forschung (Hrsg.), 2004: Tierversuche in der Forschung. Lemmens Verlags- & Mediengesellschaft: Bonn. ISBN 3-932306-53-8

  • PONS (Hrsg.), 2013: PONS – Das Online-Wörterbuch. Deutsche Rechtschreibung > T > tier > Tierversuch

  • Bibliographisches Institut (Hrsg.), 2012: Duden Online. Tierversuch

  • Wikimedia Foundation (Hrsg.), 2012: Wikipedia. Tierversuch. Vom 26. Dezember 2012

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Tierversuchs-Richtlinie ‚3R‘ von Forschern nicht beachtet?

Tierversuche sind umstritten. Weltweit geregelt werden sollen sie durch das sogenannte 3R-Prinzip. Diese Richtlinie soll den ethischen Erwartungen der Bevölkerung entgegen kommen und das Leiden der Versuchstiere reduzieren. Eingeführt wurde sie von zwei Wissenschaftlern. Seit gut 50 Jahren besteht sie nun. Doch in der Praxis scheint die Regel nicht angekommen zu sein. Das jedenfalls legt eine aktuelle Studie nahe. Ihr zufolge fanden US-Forscher keine Hinweise auf ihre Beachtung. Und das, obwohl die meisten Tierversuche zuvor von einer Genehmigungsbehörde zugelassen wurden. Das Forscherteam untersuchte 55 zufällig ausgewählte, tierexperimentelle Arbeiten. Erschienen, ist die Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Journal of Applied Animal Welfare Science.

In den erforschten Arbeiten ginge es um Experimente, in denen Mäuse anhaltende Schmerzen hatten. Mindestens 14 Tage lang. Die Zahl derartiger Versuche sei bedeutend gestiegen im Laufe der letzten zehn Jahre, schreiben die US-Wissenschaftler. Dazu beigetragen hätte auch die vermehrte Forschung mit genetisch veränderten Mäusen. Nicht verändert hingegen, hätte sich die Anzahl der verwendeten Mäuse pro Studie.

3R steht für ‚Replacement‘, ‚Refinement‘ und ‚Reduction‘. Ersteres meint den Ersatz von Tierversuchen sooft wie möglich durch alternative Methoden. Zum Beispiel mittels Tests in Reagenzgläsern (in-vitro) und Computermodellen. Ferner sollen Lebewesen höherer biologischer Ordnung durch niedere Arten ersetzt werden. Demnach könnten beispielsweise nach Möglichkeit Wirbellose anstatt von Säugetieren verwendet werden. Unter ‚Refinement‘ ist die Verbesserung des Tierwohls, dort, wo Tierversuche „unvermeidbar“ seien, zu verstehen. Dann gehe es darum, Schmerzen sowie Stress für die Tiere zu mindern. Der letzte Begriff steht für die Reduzierung der benötigten Tiere. Dabei sollen die selben Information mit weniger Versuchstieren erlangt werden. Oder aber die Wissenschaftler sollen mehr Erkenntnisse mit einer gleichbleibenden Zahl von Tieren gewinnen.

Auch andere Autoren üben Kritik an der Umsetzung der 3R-Richtlinie. Die Zahl der Versuchstiere weltweit ist unverändert oder sogar steigend seit den 1990er Jahren, laut einer internationalen Forschergruppe. Das deute darauf hin, dass keine absolute Reduzierung mehr stattfinde. Daher werde ‚Reduction‘ mittlerweile oftmals so beschrieben wie oben – in relativen Zahlen. Ihre Studie wurde in dem wissenschaftlichen Fachblatt Alternatives to Animal Experimentation veröffentlicht.

Auf etwa 115 Millionen schätzen Forscher die Zahl der weltweiten, jährlichen Tierversuche. Und bei konservativer Schätzung auf 58 Millionen. In Österreich waren es 2010 ungefähr 115 000 und in der Schweiz 2011 circa 660 000. Im selben Jahr belief sich die Zahl in Deutschland auf 2,9 Millionen. Ein Großteil der Experimente dienen der Grundlagenforschung. Knapp 840 000 Wirbeltiere werden hierzulande zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Mit Abstand am häufigsten verwendet werden Mäuse, gefolgt von Ratten und Fischen. Doch auch Meerschweinchen, Katzen, Pferde, Hunde und andere Arten zählen zu den Versuchstieren.

 

  • National Research Council of the National Academies, Committee on Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals, Institute for Laboratory Animal Research & Division of Earth and Life Studies (Hrsg.), 2009: Recognition and Alleviation of Pain in Laboratory Animals. The National Academies Press: Washington, DC . ISBN: 978-0-309-12835-3

  • Balcombe, Jonathan, Hope Ferdowsian & Lauren Briese, 2013: Prolonged Pain Research in Mice: Trends in Reference to the 3Rs. In: Journal of Applied Animal Welfare Science, Ausgabe 16(1), Seiten 77-95. DOI: 10.1080/10888705.2013.741004

  • Olsson, I. Anna S., Nuno H. Franco, Daniel M. Weary & Peter Sandøe , 2012: The 3Rs Principle – Mind the Ethical Gap! In: ALTEX Proceedings (Alternatives to Animal Experimentation), Ausgabe 1(12), Proceedings of the 8th World Congress, Montreal

  • Taylor, Katy, Nicky Gordon, Gill Langley & Wendy Higgins, 2008: Estimates for Worldwide Laboratory Animal Use in 2005. In: Alternatives to Laboratory Animals (ATLA), Ausgabe 36(3), Seiten 327-342

  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_F), Republik Österreich (Hrsg.), 2012: Anfragebeantwortung durch den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Dr. Karlheinz Töchterle zu der schriftlichen Anfrage (11207/J) der Abgeordneten Dr. Wolfgang Spadiut, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend aktuelle Tierversuchszahlen in Österreich. 11043/AB XXIV. GP – Anfragebeantwortung (elektr. übermittelte Version)

  • Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), Schweizerische Eidgenossenschaft (Hrsg.), 2012: Tierversuche 2011 in der Schweiz. Statistik

  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 2012: Versuchstierzahlen 2011. Tabellen der Tierversuchszahlen für das Jahr 2011

  • Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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Rothirsche: Mehr Angst vor Menschen als vor Wölfen

Der Mensch stört das Verhalten von Rothirschen mehr als ihre natürlichen Feinde. Er wird von ihnen als Raubtier gesehen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer neuen Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal PLoS ONE. Demnach bewirken jene Störungen in menschendominierten Landschaften eine erhöhte Wachsamkeit bei den Tieren. Folglich würden sie sich seltener auf Nahrungssuche begeben. Zusammen mit dem Faktor Rudelgröße sei der Mensch zu mehr als 80 Prozent für die Verhaltensänderungen verantwortlich. Die höchste Wachsamkeit zeigten sie auf öffentlichem Land, wo die Jagd neben motorisierten Freizeitaktivitäten ausgeübt wurde. Am geringsten sei sie in Nationalparks während der Sommermonate.

Durchgeführt wurde die Studie im kanadischen Alberta. Dazu beobachteten die Forscher ein Jahr lang insgesamt 424 Rothirschrudel, bestehend aus etwa 15000 Individuen, und 870 Einzeltiere. Ihre Lebensräume waren öffentlich zugängliche sowie private Ländereien und Schutzgebiete.

Beeinflusst werde das Verhalten der Tiere durch die Anzahl der Menschen, die Art der menschlichen Aktivitäten sowie den Verkehr und die Entfernung zu Straßen. Schon ein Verkehrsaufkommen von einem Fahrzeug pro zwei Stunden reiche aus, um das Verhalten der Rothirsche zu verändern. Dies könne dazu führen, dass die Muttertiere aufgrund der geringeren Nahrungsaufnahme geschwächt und somit die Fortpflanzungserfolge geringer würden. Umweltfaktoren wie natürliche Raubtiere, darunter Wölfe und Bären, hätten kaum eine Bedeutung.

 

  • Ciuti, Simone, Joseph M. Northrup, Tyler B. Muhly, Silvia Simi, Marco Musiani, Justin A. Pitt & Mark S. Boyce, 2012: Effects of Humans on Behaviour of Wildlife Exceed Those of Natural Predators in a Landscape of Fear. In: PLoS ONE, Ausgabe 7(11): e50611. DOI: 10.1371/journal.pone.0050611

  • Foto: Richard Fisher / flickr.com

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Viehhaltung kann Ansteckungsgefahr mit MRSA erhöhen

Leben Sie in der Nähe landwirtschaftlicher Viehbestände? Falls ja, könnte damit das Risiko steigen, dass Sie sich mit MRSA anstecken. Keimen also, die gegen nahezu alle Antibiotika unempfindlich sind. Einer aktuellen Studie zufolge bewirke eine Verdopplung der Bestandsdichte eine Steigerung der Wahrscheinlichkeit, viehhaltungsbedingte MRSA-Bakterien in sich zu tragen um etwa 24 bis 77 Prozent – je nach Tierart. Damit könne das Risiko einer möglichen Erkrankung steigen. Betroffen seien Menschen, die in einer Gemeinde oder einem Stadtbezirk mit einer hohen Viehdichte wohnen, ebenso wie die Landwirte selber. Die Arbeit erschien in der November-Ausgabe des wissenschaftlichen Fachblatts Emerging Infectious Diseases.

Verdopple man die Dichte der Kälberbestände, steige die Chance um 24,1 Prozent gegenüber Trägern anderer, nicht mit der Tierhaltung in Verbindung gebrachter MRSA-Formen. Bei Rindern seien es 24,7, bei Schweinen 76,9 Prozent. Die Viehdichte steht dabei für die Anzahl von Tieren pro Hektar Land einer Gemeinde oder eines Stadtbezirks. Obwohl die Daten der Wissenschaftler nicht anzeigen, ob jemand tatsächlich an dem MRSA-Erreger erkrankt ist, erhöhe sich dennoch das Risiko einer möglichen Infektion.

MRSA, die Kurzform für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kann eine Reihe von Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Angefangen von kleinen bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen der Haut, des Blutkreislaufes, der Atem- und Harnwege sowie von Wunden nach einer Operation. Da die meisten Antibiotika bei MRSA nicht anschlagen, gestaltet sich die Behandlung der verschiedenen Erkrankungen als schwer.

Früher wurden MRSA-Infektionen vor allem in Krankenhäusern und anderen Institutionen des Gesundheitswesens erworben. Seit ungefähr einem Jahrzehnt allerdings geschehe ein Großteil der Ansteckungen in den meisten Ländern in der Gesellschaft außerhalb jener Einrichtungen. In den Niederlanden beispielsweise gingen heutzutage mehr als 40 Prozent aller MRSA-Fälle auf die mit der Viehhaltung einhergehende Form zurück, kurz LA-MRSA. Auch in Fleisch konnte MRSA bereits nachgewiesen werden.

Mehr als 170000 Menschen steckten sich 2007 in der Europäischen Union mit MRSA an, plus Norwegen und Island, schreiben die Forscher. In den USA seien es zwei Jahre zuvor geschätzte 94000 gewesen. Über 18000 Amerikaner stürben an den Folgen der MRSA-Infektion. Das führe zu erheblichen Mehrkosten zulasten der jeweiligen Gesundheitssysteme.

Für ihre Arbeit verglichen die Wissenschaftler vorhandene Daten von niederländischen Trägern viehhaltungsassoziierter und anderer MRSA mit den Statistiken der landesweiten Viehbestands- und Bevölkerungsdichten. Ferner wurden die Lage des Wohnorts und bekannte Informationen bezüglich möglicher individueller Risikofaktoren berücksichtigt. Zum Beispiel, ob jemand einen direkten oder indirekten Kontakt zu Tieren hat. Insgesamt verwendeten sie Daten von 87 Personen, wobei 27 Patienten mit LA-MRSA waren. Die restlichen 60 gehörten zu zwei Kontrollgruppen. In einer Studie aus dem vergangenen Jahr kämen Forscher zu ähnlichen Ergebnissen. 2010 wiederum sah eine andere Forschergruppe keinen Risikofaktor in einer hohen Viehbestandsdichte, fügen die Autoren der aktuellen Arbeit an.

Auch wenn die Studie in den Niederlanden angesiedelt war, herrschen in anderen Ländern ähnliche Bedingungen. Zwar sei die Schweineproduktion da von maßgeblicher landwirtschaftlicher Bedeutung. Aber die Bestandsdichte und Größenverhältnisse seien in den USA vergleichsweise größer. Dort gäbe es circa 75000 Betriebe mit Schweinen, von denen etwa elf Prozent mehr als 2000 Tiere besäßen. Demgegenüber seien es in den Niederlanden rund 14500 Höfe, von denen knapp sieben Prozent mehr als 2000 Schweine hätten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 32000 derartige Betriebe. Sieben Prozent davon halten mehr als 2000 Tiere.

 

  • Feingold, Beth J., Ellen K. Silbergeld, Frank C. Curriero, Brigite A.G.L. van Cleef, Max E.O.C. Heck & Jan A.J.W. Kluytmans, 2012: Livestock Density as Risk Factor for Livestock-associated Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus, the Netherlands. In: Emerging Infectious Diseases, Ausgabe 18(11). DOI: 10.3201/eid1811.111850
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) (Hrsg.), 2012: Ausgewählte Daten und Fakten der Agrarwirtschaft 2012
  • Foto: Denzil / flickr.com

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