Archiv der Kategorie: Pflanzen

CO2-Anstieg – Pflanzenwachstum – bessere Ernten?

Pflanzen brauchen Kohlendioxid zum Wachsen. Der Klimawandel könnte sich folglich positiv auf Ernteerträge auswirken. Zwei kürzlich erschienene Studien untermauern das Gegenteil. Veröffentlicht wurden sie in den wissenschaftlichen Fachmagazinen Plant Physiology sowie Global Change Biology.

Getreide ist heutzutage auf hohe Kornerträge ausgerichtet. Erreicht wird dies mithilfe von Sorten, denen kurze Halme angezüchtet wurden. So gewinnen sie an Stabilität und können mehr Körner tragen. Darauf fußt die weltweite Ernährungsgrundlage. Nun allerdings legt erstere Studie nahe, dass der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre die kurzhalmigen Getreidesorten wieder länger werden lässt. Das CO2 gleiche ein zuvor durch Züchtung blockiertes Wachstumshormon aus und nehme den Pflanzen allmählich die erwünschte Kurzhalmigkeit, schreiben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie und der Universität Potsdam. Längere Halme jedoch können weniger Körner tragen und brechen leichter. Infolgedessen ist mit geringeren Erträgen zu rechnen. Beobachten konnten sie das Wachstum der Halme an Modellpflanzen namens Acker-Schmalwand.

In der zweiten Studie stellten schwedische Forscher eine Minderung der Getreidequalität fest. Dazu analysierten sie 57 wissenschaftliche Arbeiten, darunter Feld- und Laborexperimente. 24 verschiedene Weizensorten wurden berücksichtigt. Im Ergebnis machten sie geringere Proteingehalte in den Körnern und somit schlechtere Nährwerte aufgrund erhöhter CO2-Konzentrationen aus.

 

  • Ribeiro, Dimas M., Wagner L. Araújo, Alisdair R. Fernie, Jos H.M. Schippers & Bernd Mueller-Roeber, 2012: Action of Gibberellins on Growth and Metabolism of Arabidopsis Plants Associated with High Concentration of Carbon Dioxide. In: Plant Physiology, Ausgabe 160(4), Seiten 1781-1794. DOI: 10.1104/pp.112.204842

  • Pleijel, Håkan & Johan Uddling, 2012: Yield vs. Quality trade-offs for wheat in response to carbon dioxide and ozone. In: Global Change Biology, Ausgabe 18(2), Seiten 596-605. DOI: 10.1111/j.1365-2486.2011.2489.x

  • Foto: Falk Lademann / flickr.com

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Gefährden Kiffer kalifornische Fischermarder?

Rattengift kann auch Hunde und Katzen schädigen. Ebenso ist es bei Fischermardern, wie eine Forschergruppe in dem wissenschaftlichen Fachmagazin PLoS ONE schreibt. Laut ihrer Studie kann das seltene, waldbewohnende Raubtier davon krank werden und sterben. Illegale Marihuana-Farmen in Kalifornien gelten als eine wahrscheinliche Quelle des Giftes. Einige Cannabis-Bauern würden die sogenannten Rodentizide verwenden, um eine große Bandbreite von Nagern zu bekämpfen. Andere Arten wie Rotfuchs, Marder oder Fleckenkautz könnten ebenfalls betroffen sein.

Die Wissenschaftler fanden Nagetiergift in toten Fischermardern im und um den Yosemite-Nationalpark sowie in der Nähe des Redwood-Nationalparks. 58 Kadaver analysierten sie. 79 Prozent der Tiere wären Rodentiziden ausgesetzt gewesen. In 96 Prozent der Fälle davon war es jeweils mindestens eines der noch giftigeren zweiten Generation. Wahrscheinlich nehmen sie es beim Fressen von belasteter Beute auf. Eine weitere Möglichkeit sei die direkte Aufnahme des Giftes. Der von den Herstellern hinzugefügte Speck-, Käse- oder Erdnussbutter-Geschmack könne sie dazu verleiten.

Rodentizide behindern die Vitamin-K-Verwertung. Das Vitamin ist jedoch bedeutend bei der Herstellung von Gerinnungsfaktoren im Körper. Daher hemmt das Nagetiergift die Blutgerinnung, was schließlich zu unkontrollierbaren inneren Blutungen führen kann.

Überraschend an den Funden der Forscher sei, dass normalerweise Tiere in Stadtnähe oder landwirtschaftlichen Gebieten betroffen seien. Kalifornische Fischermarder hingegen leben in abgelegenen Gegenden wie den US-amerikanischen Nationalparken. Zur Kontrolle waren viele von ihnen ihr Leben lang mit Ortungssender ausgestattet. Auf diese Weise stellten die Wissenschaftler fest, dass der Lebensraum der Tiere sich mit illegalen Cannabis-Plantagen überschnitt. In der Nähe von Städten und landwirtschaftlichen Äckern tauchten sie nie auf.

Zudem fielen die Todesfälle genau mit dem günstigsten Zeitpunkt für die Ausbringung des „Rattengiftes“ zusammen, um die jungen Marihuana-Pflanzen zu schützen. Zu jener Zeit gebären die Fischermarder ihre Jungen und ziehen sie groß.

In Kalifornien, Oregon und Washington stehen Fischermarder auf der Liste der bedrohten Arten. Da sich die Raubtiere ihren Lebensraum und die Beute mit anderen Spezies teilen, seien wahrscheinlich auch jene Arten gefährdet. Deshalb bringe der Schutz der Fischermarder zugleich den Schutz anderer Arten mit sich.

 

  • Gabriel, Mourad W., Leslie W. Woods, Robert Poppenga, Rick A. Sweitzer, Craig Thompson, Sean M. Matthews, J. Mark Higley, Stefan M. Keller, Kathryn Purcell, Reginald H. Barrett, Greta M. Wengert, Benjamin N. Sacks & Deana L. Clifford, 2012: Anticoagulant Rodenticides on our Public and Community Lands: Spatial Distribution of Exposure and Poisoning of a Rare Forest Carnivore. In: PLoS ONE, Ausgabe 7(7). DOI: 10.1371/journal.pone.0040163

  • Foto: oswaldo / flickr

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Borkige Astträger-Gesellschaft – der Wald und seine Nutzung

Teil 4 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Deutschland zählt zu den waldreichsten Staaten der Europäischen Union. Etwa ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet. Inzwischen jedoch wird fast so viel Holz geerntet, wie jährlich nachwächst. Die intensive forstwirtschaftliche Nutzung, der Klimawandel sowie Schad- und Nährstoffeinträge gefährden das Ökosystem. Das geht aus dem aktuellen Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU)[1] hervor. Nur 35 Prozent unserer Wälder würden als natur- oder sehr naturnah bezeichnet.

Mehr als ein Viertel der Bestände wiesen im vergangenen Jahr deutliche Verluste an Blättern und Nadeln in den Baumkronen auf. Insgesamt habe sich der Zustand der Wälder im Vergleich zu 2000 und 2010 verschlechtert. Nahezu unverändert seien die Zustände der Kiefern und Fichten. Demgegenüber stiegen die Kronenverlichtungen der Eichen, und besonders der Buchen, an. Ursächlich dafür seien vor allem Luftschadstoffe wie Ozon, Stickstoff- und Schwefelverbindungen. Hinzu komme der Klimawandel. Außerdem hätten Wildbestände einen bedeutenden Einfluss auf die Wälder. So würden sie die jungen Bäume anfressen und sie am Aufwuchs hindern.

Auch können Stickstoffeinträge aus der Luft und benachbarten, landwirtschaftlich genutzten Flächen die Artenzusammensetzung der Wälder beeinflussen. Ferner mache es einen Unterschied, ob ein Wald bewirtschaftet wird oder nicht. Erstere seien in der Regel aufgeräumter, haben also einen geringeren Anteil an liegen gelassenen, umgestürzten Bäumen und abgebrochenem Astwerk. Jenes sogenannte Totholz stehe in direktem Zusammenhang mit der Artenvielfalt. So kämen beispielsweise in den den unbewirtschafteten Buchenwäldern Nordrhein-Westfalens 121 brütende Vogelpaare pro 100 Hektar vor, wohingegen es in den bewirtschafteten 71 seien.

Gleichsam nehme die Nutzung des Waldes rasch zu. Im Durchschnitt würden jährlich 93 Prozent der nachgewachsenen Bäume gefällt. Genutzt werde das Holz bisher überwiegend stofflich. Zudem werde fast die Hälfte energetisch verwendet – Tendenz steigend. Momentan falle hier der größte Anteil auf die Wärmeerzeugung in privaten Haushalten. Mit steigender Nutzung, damit verbundenem Holzeinschlag und der Entnahme von Ernteresten erhöhe sich der Nährstoffaustrag aus den Wäldern. Ferner sinke der Totholzanteil.

Dies wiederum könne zu vermehrten Importen holzartiger Biomasse führen. Damit verbunden seien erhebliche negative Folgen für die Umwelt in den Exportländern. Es fehle schlicht an verbindlichen Standards zum nachhaltigen Anbau und der Nutzung. In Deutschland werden schon heute große Menge an Holzprodukten und Rohholz eingeführt, schreiben die Autoren des Umweltgutachtens. Besonders halb- und fertig verarbeitete Holzwaren kämen aus Ländern außer- sowie innerhalb der EU. Ausgedrückt in Zahlen mache das über die Hälfte des gesamten Holzaufkommens und mehr als das Doppelte des deutschen Rohholzeinschlags aus.

Ursprünglich beherrschten Laubbäume die Wälder Deutschlands, insbesondere die Buche. Auf gut 80 Prozent der Waldfläche müssten sie natürlicherweise vorkommen. Doch bis auf wenige urwaldähnliche Reste gäbe es hierzulande keine Urwälder mehr. Gegenwärtig fänden sich in den deutschen Wäldern 72 Baumarten. Zwölf von ihnen hätte die Forstwirtschaft etabliert, zum Beispiel die nicht einheimische Douglasie. Etwa 75 Prozent der Bäume seien Fichten (28 %), Kiefern (23 %), Buchen (15 %) und Eichen (10 %).

Die Besitzverhältnisse der ‚Astträger-Gesellschaften‘ stellen sich wie folgt dar: Nahezu die Hälfte der Waldfläche sei in Privatbesitz. Dem Staat gehören ungefähr 33 Prozent. Kommunen und Körperschaften des öffentlichen Rechts besäßen circa 20 Prozent. Doch vor allem Privatwälder seien im Vergleich zu staat- und körperschaftlichen Wäldern in einem schlechteren, weniger naturnahen Zustand.

Da in Deutschland 26 Prozent aller Rotbuchenwälder stünden, hätten wir eine besondere Verantwortung in Europa. Weiterhin befänden wir uns im Zentrum des Gesamtgebietes. Um die Wälder zu erhalten, deren konkurrierende Nutzungsansprüche abzufedern und eine umweltgerechte Waldnutzung zu ermöglichen, seien Maßnahmen notwendig. Zum Beispiel müsse die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt „dringend“ umgesetzt werden. Dort sei unter anderem vorgesehen, dass sich die Natur bis 2020 auf zwei Prozent der Fläche Deutschlands frei entfalten kann. Der Flächenanteil mit natürlicher Waldentwicklung solle bis dahin fünf Prozent betragen.

Für die komplette Waldfläche müssten ökologische Mindeststandards gelten. Dafür wäre eine genaue Erläuterung des vage beschriebenen Begriffs „ordnungsgemäße Forstwirtschaft” aus dem Bundeswaldgesetz hilfreich. Darüber hinaus solle mindestens 80 Prozent des Waldes auf Grundlage eines hochwertigen Siegels zertifiziert werden. Infrage kämen nach Ansicht des SRU dafür die Zertizierungssysteme des Forest Stewardship Council (FSC) und Naturland. Das Siegel des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) sei hingegen nicht geeignet.

 

[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

 

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Juni, 694 Seiten

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2008:  40 Jahre Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Kurzfassung:

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Kurzfassung für Entscheidungsträger. Juni, 12 Seiten

Englische Kurzfassung (Summary):

  • German Advisory Council on the Environment (SRU) (Ed.), 2012: Environmental Report 2012. Responsibility in a finite world. Summary for policy makers. June, 12 pages

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Schrumpfende Blätter durch Klimawandel

Er verschiebt die jahreszeitliche Blüte. Doch auch die Blätter von Pflanzen werden offenbar vom Klimawandel beeinflusst, wie Forscher nun heraus fanden. An Sträuchern namens Dodonaea viscosa konnten sie zeigen, dass sich die Blattgröße verkleinerte. Innerhalb der letzten 127 Jahre sei sie durchschnittlich um zwei Millimeter geschrumpft. Je höher die Extremtemperaturen in den untersuchten Gebieten, desto schmaler waren die Blätter. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Forscher in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Biology Letters.

Heimisch ist der Hopfenbusch in den tropischen, subtropischen und gemäßigten Klimazonen der Erde. Für ihre Arbeit untersuchten die Wissenschaftler bis zu 127 Jahre alte Blätter in getrocknetem Zustand. Hinzu kämen circa 270 frische Exemplare. Insgesamt galt es etwa 630 Proben aus dem Süden Australiens zu vermessen. Anschließend erfolgte ein Vergleich mit Klimadaten.

Die veränderten Blätter entsprächen einer Unterart des Strauchs, die normalerweise in heißeren Gebieten Australiens beheimatet sei. Als Erklärung dafür sehen die Forscher eine Anpassungstrategie der Pflanzen an den Klimawandel. Denn kleinere Blätter bedeute weniger Verdunstung und damit ein geringes Risiko für eine Überhitzung.

Nach Angaben der Forscher muss jedoch in weiteren Studien geklärt werden, inwieweit die gemessenen Blattveränderungen auf vererbte Merkmale zurückzuführen sind. Frühere Arbeiten brachten allerdings ähnliche Ergebnisse hervor.

 

  • Guerin, Greg R., Haixia Wen & Andrew J. Lowe, 2012: Leaf morphology shift linked to climate change. In: Biology Letters. DOI: 10.1098/rsbl.2012.0458

  • United States Department of Agriculture (USDA), Agricultural Research Service (ARS), National Genetic Resources Program (Hrsg.), 2012: Germplasm Resources Information Network – (GRIN). Online Datenbank.
    National Germplasm Resources Laboratory: Beltsville, Maryland, USA

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Artenvielfalt schlägt Feuer und Düngemittel

Welchen Einfluss hat die biologische Vielfalt auf Ernteerträge? Antworten hierzu gibt ein Forscherteam in einer aktuellen Studie, veröffentlicht in dem wissenschaftlichen Fachblatt PNAS. Demnach beeinflusse die Pflanzenvielfalt die Produktivität in Grasland-Ökosystemen mindestens genauso, wie eine veränderte Stickstoff-Düngung sowie die Faktoren Wasser, Kohlendioxid, pflanzenfressende Tiere oder Feuer. Weiterhin gewinne die Biodiversität im Laufe der Zeit sogar an Einfluss. Ein Mehr an Stickstoff-Dünger hingegen stoße irgendwann an Grenzen. In der Folge sinke die Produktivitätssteigerung. Ähnlich zeigte es sich bei den anderen genannten Faktoren. Mit dem Unterschied, dass deren Einflüsse unverändert blieben.

Erhöhten die Wissenschaftler die Pflanzenvielfalt von vier auf 16 Arten, stiegen die Erträge. Und zwar im selben Maße, wie bei der Zugabe von jährlich 54 Kilogramm Stickstoff-Dünger pro Hektar. Der Einfluss wäre ebenso groß gewesen, als würde man einen führenden Pflanzenfresser aus dem Ökosystem entfernen, einen gravierenden Wassermangel beseitigen und ein ausbrechendes Feuer rechtzeitig löschen.

Bei einer Erhöhung der Artenzahl von eins auf 16 wäre die Zunahme der Biomasse noch höher. Um bei dem Vergleich zu bleiben: Hier entspräche die Steigerung der Produktivität einer Zugabe von 95 Kilogramm Stickstoff-Dünger pro Hektar und Jahr. Oder anders ausgedrückt: Die Erträge stiegen so, als würde es die anderen Einflussfaktoren nicht geben, also Wasser, Kohlendioxid, Pflanzenfresser und Feuer.

Die Ergebnisse der Forscher basieren auf mehr als 7000 Messungen zur Produktivität. Insgesamt führten sie elf Langzeitversuche durch, von denen jeder durchschnittlich 13 Jahre dauerte. Die Experimente wurden mit regional typischen Pflanzenarten verwirklicht.

 

  • Tilman, David, Peter B. Reich & Forest Isbell, 2012: Biodiversity impacts ecosystem productivity as much as resources, disturbance, or herbivory. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS), Ausgabe 109(26), Seiten 10394-10397. DOI: 10.1073/pnas.1208240109

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Artenvielfalt schmälert Ansteckungsrisiko für Mensch und Tier

Der Artenrückgang hat ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Mindestens 100 bis 1000 mal höher ist er heute, schätzen Wissenschaftler. Welche Folgen das für die Gesundheit vieler Lebewesen haben kann, zeigt eine Forschergruppe in einer Studie. Veröffentlicht wurde ihre Arbeit in dem wissenschaftlichen Fachjournal Nature. Darin stellten sie einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und der Zunahme von Infektionskrankheiten bei Menschen, nicht-menschlichen Tieren sowie Pflanzen fest. Als Beispiele führen sie die Lyme-Borreliose, Malaria oder das West-Nil-Fieber an.

Den Forschern zufolge würden immer öfter neuartige, infektiöse Erkrankungen auftreten und zuvor seltenere in ihrer Häufigkeit zunehmen. Beteiligt seien daran unterschiedliche Krankheitserreger, wie Bakterien, Viren und Pilze. Ursächlich dafür können nach Erkenntnissen der Wissenschaftler eine Reihe von Faktoren sein. Zum einen fehlen die natürlichen Feinde und Konkurrenten der Krankheitsüberträger und Zwischenwirte. Zum anderen steige die Wahrscheinlichkeit einer Infektion enorm, da der Erreger aufgrund einer geringeren Artenvielfalt leichter einen passenden Wirt findet.

Ferner können weitere Einflüsse eine Rolle spielen. So erreiche fast die Hälfte aller weltweit seit 1940 neu erschienenen und zwischen Mensch und Tier übertragbaren Infektionskrankheiten den Menschen folgendermaßen: durch eine veränderte Landnutzung beispielsweise in Form von Waldrodungen, die Intensivierung der Landwirtschaft, Veränderungen in der Lebensmittelproduktion, durch die Jagd sowie den Verzehr von Wild. Letztere zwei Punkte seien diesbezüglich jedoch nur in Afrika und Asien relevant. Jene Eingriffe in die Natur bedeuten einen engeren und häufigeren Kontakt zwischen Mensch und Erreger. Zusammen mit dem Verlust der Artenvielfalt steigere das die Ansteckungsgefahr.

Sobald ein Erreger einen neuen Wirt gefunden hat, sei die Populationsdichte von Bedeutung. Das Nipah-Virus zum Beispiel, welches zum Tode führen kann, siedelte in Malaysia von wilden Flughunden auf domestizierte Schweine über. Da die Zahl der Exemplare in den Ställen hoch und die Artenvielfalt gering war, konnte sich das Virus unter den Schweinen verbreiten. Von dort erreichte es schließlich auch den Menschen.

Besonders diejenigen Arten, die dem Artenschwund bislang eher trotzen, dienen den Krankheitserregern als Wirte. Warum gerade die widerstandsfähigen Arten von ihnen bevorzugt werden, bleibt unklar. Für die Studie werteten die Wissenschaftler vorhandene Arbeiten aus und führten eigene Versuche durch.

Auch Ökosysteme mit einer geringeren Artenvielfalt büßen einen Teil ihrer Funktionen ein, beispielsweise Kohlenstoff zu speichern und Dürren entgegenzuwirken, fügen die Autoren der Studie an. Auf beide Fähigkeiten sei der Mensch angewiesen. Hinzu komme die bedeutende Leistung einer hohen Biodiversität: die Senkung des Ansteckungsrisikos.

 

  • Keesing, Felicia, Lisa K. Belden, Peter Daszak, Andrew Dobson, C. Drew Harvell, Robert D. Holt, Peter Hudson, Anna Jolles, Kate E. Jones, Charles E. Mitchell, Samuel S. Myers, Tiffany Bogich & Richard S. Ostfeld, 2010: Impacts of biodiversity on the emergence and transmission of infectious diseases. In: Nature, Ausgabe 468, Seiten 647-652. DOI: 10.1038/nature09575

EXTRAS

Radiobeitrag zum Hören und Nachlesen mit Felicia Keesing, Erstautorin der Studie und Biologieprofessorin an der Bard-Hochschule Annandale, New York. Unter anderem spricht sie über mögliche Theorien dazu, weshalb gerade widerstandsfähige Arten von den Krankheitserregern als Wirte bevorzugt werden:

  • Deutschlandradio (Hrsg.), 2012: Gestörte Ökosysteme machen krank. Forscher untersuchen Zusammenhang zwischen Habitatverlust und neu auftretenden Krankheiten. Von Monika Seynsche, 26.04.2012

Frei zugängliche Studie über die Gründe und Auswirkungen des weltweiten Rückgangs der Geier-Bestände:

  • Ogada, Darcy L., Felicia Keesing & Munir Z. Virani, 2012: Dropping dead: causes and consequences of vulture population declines worldwide. In: Annals of the New York Academy of Sciences, Ausgabe 1249, The Year in Ecology and Conservation Biology, Seiten 57-71. DOI: 10.1111/j.1749-6632.2011.06293.x

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Pflanzenvielfalt steigert Erträge

Keine Pflanzenart ist überflüssig: Je größer die Artenvielfalt, desto höher fallen die langfristigen Erträge aus. Das geht aus einer Studie hervor, welche in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Science veröffentlicht wurde. Jede einzelne Pflanzenart sorge für eine Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, der Biomasse-Produktion und ökosystemaren Stabilität – sogar in bereits artenreichen Ökosystemen. Die Ergebnisse seien auf Getreidefelder und Wälder übertragbar.

Aus diesem Grund schreiben die Forscher artenreichen Landschaften einen enormen Wert zu. Deshalb müsse für ihre Erhaltung gesorgt werden. Der Verlust nur weniger Arten könne erhebliche negative Folgen nach sich ziehen. So seien etwa Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion, die Wasserqualität oder die klimaregulierende Funktion der Pflanzen möglich.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler erstreckten sich über 14 Jahre. Sie verglichen die Bodenfruchtbarkeit und den Biomasse-Ertrag auf mehreren Parzellen eines 2200 Hektar großen Areals. Auf jeder dieser Grasland-Parzellen wuchsen eine, vier, neun oder 16 Pflanzenarten. Bisherige, jedoch weitaus kürzer angelegte Forschungsarbeiten zeigten eine Abflachung der Ertragssteigerung bei sechs oder acht unterschiedlichen Arten.

 

  • Reich, Peter B., David Tilman, Forest Isbell, Kevin Mueller, Sarah E. Hobbie, Dan F. B. Flynn& Nico Eisenhauer, 2012: Impacts of Biodiversity Loss Escalate Through Time as Redundancy Fades. In: Science, Ausgabe 336(6081), Seiten 589-592. DOI: 10.1126/science.1217909

EXTRA

Ein Ausblick zum Thema Artenvielfalt von Dr. Bradley Cardinale, Juniorprofessor der Biologie an der Universität Michigan:

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Sprechende Pflanzen, die hören

Es soll Menschen geben, die mit ihren Pflanzen sprechen. Dass jedoch Pflanzen tatsächlich Töne wahrnehmen können, ist neu. Wahrscheinlich kommunizieren sie sogar untereinander mittels Klicklauten. Zu diesen Ergebnissen kommt ein internationales Forscherteam. Ihre Studie veröffentlichten sie in dem wissenschaftlichen Fachblatt Trends in Plant Science. Sie stellten fest, dass die Wurzeln junger Getreidepflanzen klickende Geräusche von sich geben. Zudem richteten sich die Wurzeln jener Pflanzen im Wasser immer in Richtung der Geräuschquelle aus. Der Frequenzbereich lag bei 220 Hertz. Die Töne, die sie abgaben, bewegten sich ebenfalls innerhalb dieses Bereichs.

 

  • Gagliano, Monica, Stefano Mancuso& Daniel Robert, 2012: Towards understanding plant bioacoustics. In: Trends in Plant Science. DOI: 10.1016/j.tplants.2012.03.002

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