Archiv der Kategorie: Ernährung

Umstrittene Vegetarier-Studie: Depressionen und Krebs durch Vegetarismus?

Einer aktuellen Studie zufolge sind Vegetarier kränker als Mischköstler. Sie litten häufiger an Krebs, Allergien, Angststörungen und Depressionen. Damit widerspricht die Arbeit anderen Fachveröffentlichungen teilweise erheblich. Ob die vegetarische Ernährung zu den Krankheiten oder die Krankheiten zum Vegetarismus führten, können die österreichischen Forscher nicht beantworten. Die Studie erschien in dem wissenschaftlichen Journal PLoS ONE.  Weiterlesen

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Pestizide könnten Zunahme von Lebensmittelallergien bewirken

Das vermehrte Auftreten von Nahrungsmittelallergien in westlichen Ländern wird mit Pflanzenschutzmitteln in Verbindung gebracht – laut einer neuen Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal Annals of Allergy, Asthma & Immunology.

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Viehhaltung kann Ansteckungsgefahr mit MRSA erhöhen

Leben Sie in der Nähe landwirtschaftlicher Viehbestände? Falls ja, könnte damit das Risiko steigen, dass Sie sich mit MRSA anstecken. Keimen also, die gegen nahezu alle Antibiotika unempfindlich sind. Einer aktuellen Studie zufolge bewirke eine Verdopplung der Bestandsdichte eine Steigerung der Wahrscheinlichkeit, viehhaltungsbedingte MRSA-Bakterien in sich zu tragen um etwa 24 bis 77 Prozent – je nach Tierart. Damit könne das Risiko einer möglichen Erkrankung steigen. Betroffen seien Menschen, die in einer Gemeinde oder einem Stadtbezirk mit einer hohen Viehdichte wohnen, ebenso wie die Landwirte selber. Die Arbeit erschien in der November-Ausgabe des wissenschaftlichen Fachblatts Emerging Infectious Diseases.

Verdopple man die Dichte der Kälberbestände, steige die Chance um 24,1 Prozent gegenüber Trägern anderer, nicht mit der Tierhaltung in Verbindung gebrachter MRSA-Formen. Bei Rindern seien es 24,7, bei Schweinen 76,9 Prozent. Die Viehdichte steht dabei für die Anzahl von Tieren pro Hektar Land einer Gemeinde oder eines Stadtbezirks. Obwohl die Daten der Wissenschaftler nicht anzeigen, ob jemand tatsächlich an dem MRSA-Erreger erkrankt ist, erhöhe sich dennoch das Risiko einer möglichen Infektion.

MRSA, die Kurzform für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kann eine Reihe von Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Angefangen von kleinen bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen der Haut, des Blutkreislaufes, der Atem- und Harnwege sowie von Wunden nach einer Operation. Da die meisten Antibiotika bei MRSA nicht anschlagen, gestaltet sich die Behandlung der verschiedenen Erkrankungen als schwer.

Früher wurden MRSA-Infektionen vor allem in Krankenhäusern und anderen Institutionen des Gesundheitswesens erworben. Seit ungefähr einem Jahrzehnt allerdings geschehe ein Großteil der Ansteckungen in den meisten Ländern in der Gesellschaft außerhalb jener Einrichtungen. In den Niederlanden beispielsweise gingen heutzutage mehr als 40 Prozent aller MRSA-Fälle auf die mit der Viehhaltung einhergehende Form zurück, kurz LA-MRSA. Auch in Fleisch konnte MRSA bereits nachgewiesen werden.

Mehr als 170000 Menschen steckten sich 2007 in der Europäischen Union mit MRSA an, plus Norwegen und Island, schreiben die Forscher. In den USA seien es zwei Jahre zuvor geschätzte 94000 gewesen. Über 18000 Amerikaner stürben an den Folgen der MRSA-Infektion. Das führe zu erheblichen Mehrkosten zulasten der jeweiligen Gesundheitssysteme.

Für ihre Arbeit verglichen die Wissenschaftler vorhandene Daten von niederländischen Trägern viehhaltungsassoziierter und anderer MRSA mit den Statistiken der landesweiten Viehbestands- und Bevölkerungsdichten. Ferner wurden die Lage des Wohnorts und bekannte Informationen bezüglich möglicher individueller Risikofaktoren berücksichtigt. Zum Beispiel, ob jemand einen direkten oder indirekten Kontakt zu Tieren hat. Insgesamt verwendeten sie Daten von 87 Personen, wobei 27 Patienten mit LA-MRSA waren. Die restlichen 60 gehörten zu zwei Kontrollgruppen. In einer Studie aus dem vergangenen Jahr kämen Forscher zu ähnlichen Ergebnissen. 2010 wiederum sah eine andere Forschergruppe keinen Risikofaktor in einer hohen Viehbestandsdichte, fügen die Autoren der aktuellen Arbeit an.

Auch wenn die Studie in den Niederlanden angesiedelt war, herrschen in anderen Ländern ähnliche Bedingungen. Zwar sei die Schweineproduktion da von maßgeblicher landwirtschaftlicher Bedeutung. Aber die Bestandsdichte und Größenverhältnisse seien in den USA vergleichsweise größer. Dort gäbe es circa 75000 Betriebe mit Schweinen, von denen etwa elf Prozent mehr als 2000 Tiere besäßen. Demgegenüber seien es in den Niederlanden rund 14500 Höfe, von denen knapp sieben Prozent mehr als 2000 Schweine hätten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 32000 derartige Betriebe. Sieben Prozent davon halten mehr als 2000 Tiere.

 

  • Feingold, Beth J., Ellen K. Silbergeld, Frank C. Curriero, Brigite A.G.L. van Cleef, Max E.O.C. Heck & Jan A.J.W. Kluytmans, 2012: Livestock Density as Risk Factor for Livestock-associated Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus, the Netherlands. In: Emerging Infectious Diseases, Ausgabe 18(11). DOI: 10.3201/eid1811.111850
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) (Hrsg.), 2012: Ausgewählte Daten und Fakten der Agrarwirtschaft 2012
  • Foto: Denzil / flickr.com

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Weniger Meeresfrüchte wegen Versauerung der Meere?

Der menschengemachte Klimawandel lässt die Ozeane versauern. Davon betroffen sind beispielsweise Muscheln, Meeresschnecken, Seeigel und Armfüßer. Durch die Versauerung könnten ihre Skelette sowie Schalen leichter und dünner werden, wie ein Forscherteam in dem wissenschaftlichen Fachjournal Global Change Biology schreibt. Dies würde sie anfälliger für Feinde machen. Folglich könnte es zukünftig weniger Meeresfrüchte für den menschlichen Verzehr geben.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die vier genannten Tiergruppen an zwölf verschiedenen Orten weltweit. Dafür nahmen sie Proben von den Tropen bis zu den Polen. Sie bestimmten die natürliche Bandbreite ihrer Schalendicke und Skelettgröße. Ziel war es, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede auszumachen und so Vorhersagen über die Folgen der Ozeanversauerung für die Tiere zu treffen. Die Forscher fanden heraus, dass ihre Skelett- und Schalenbildung betroffen ist. Da die Ergebnisse von der Arktis, über England und Australien, bis zur Antarktis ähnlich seien, schließen sie auf ein weit verbreitetes Phänomen unter marinen Arten. Die dünnsten und leichtesten Schalen und Skelette hätten die Tiere der Polarmeere.

Einen Großteil des ausgestoßenen Kohlendioxids nehmen die Weltmeere auf. Im Zuge dessen erhöht sich der Säuregehalt im Wasser. Damit einhergehend verringert sich dort die Verfügbarkeit von Calciumkarbonat. Auf diese chemische Verbindung jedoch sind Muscheln, Schnecken und Co bei der Schalen- sowie Skelettbildung angewiesen.

Ob sich die betroffen Tiergruppen an die prognostizierten Auswirkung des Klimawandels anpassen können, hängt laut den Wissenschaftlern von der Geschwindigkeit der Versauerung ab. Die Tiere bräuchten genügend Zeit.

 

  • Watson, Sue-Ann, Lloyd S. Peck, Paul A. Tyler, Paul C. Southgate, Koh Siang Tan, Robert W. Day & Simon A. Morley, 2012: Marine invertebrate skeleton size varies with latitude, temperature and carbonate saturation: implications for global change and ocean acidification. In: Global Change Biology. DOI: 10.1111/j.1365-2486.2012.02755.x
  • Foto: lisa_eglinton / flickr.com

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Krankmacher Fastfood erobert die Welt

Döner, Brathähnchen, Sandwich, Pommes, Currywurst und Pizza: nur einige Beispiele für Fastfood. Schnellgerichte kommen oft in zu großen Portionen daher, sind meistens kalorien- sowie fleischreich und verfügen über eine vergleichsweise schlechte Nährstoffzusammensetzung, beispielsweise hinsichtlich der Fettsäuren. Nun erinnert uns eine Studie aus dem wissenschaftlichen Fachmagazin Circulation an mögliche gesundheitliche Folgen. Beispielhaft an chinesischen Singapurern zeigt sie, wie sich jener westliche Lebensstil in noch jungen Industriestaaten und Entwicklungsländern auswirken kann. Demnach erhöhe bereits der einmal wöchentliche Konsum das Risiko Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes zu bekommen deutlich.

Gegenüber denjenigen chinesischen Singapurern, die Fastfood meiden, steige die Wahrscheinlichkeit an Erkrankungen der Herzkranzgefäße zu sterben um 20 Prozent bei einem Verzehr einmal pro Woche. Wer zwei- bis dreimal pro Woche Fastfood esse, müsse mit circa 55 Prozent rechnen. Ab viermal oder mehr erhöhe sich das Risiko sogar auf etwa 80 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit an Typ-2-Diabetes zu erkranken, sei bei einem Fastfood-Konsum von zwei- oder mehrmals wöchentlich um 27 Prozent höher.

Für ihre Studie griffen die Forscher auf Daten einer anderen Arbeit zurück. Dort wurden chinesische Frauen und Männer aus Singapur befragt. Von 1993 bis 1998 interviewten Wissenschaftler mehr als 63000 Menschen. Ihr Alter lag zwischen 45 und 74 Jahren. Sie stellten zum Beispiel Fragen zu den Ernährungsgewohnheiten, dem Tabakkonsum, der körperlichen Aktivität und Krankheitsgeschichte. Zwischen 1999 und 2004 erfolgte ein weiteres Interview mit gut 52000 Personen, von denen 83 Prozent auch an der ersten Befragung teilnahmen. Im ersten Fall wurden die Menschen persönlich befragt, im letzten per Telefon.

Erstaunlicherweise waren die Testpersonen, welche am meisten Fastfood aßen jünger, gebildeter, sportlich aktiver und rauchten weniger, schreiben die Autoren der Studie. Für gewöhnlich seien das Merkmale einer Lebensweise, die mit geringeren Risiken von Herz- und Stoffwechselerkrankungen verbunden werden. Dennoch wirke sich der hoher Verzehr an Schnellgerichten derartig negativ aus.

So bringe die Globalisierung aufstrebenden Entwicklungsländern und jungen Industrienationen nicht nur westliche Lebensstile. Auch damit einhergehende Krankheiten würden exportiert.

 

  • Odegaard, Andrew O., Woon Puay Koh, Jian-Min Yuan, Myron D. Gross & Mark A. Pereira, 2012: Western-Style Fast Food Intake and Cardiometabolic Risk in an Eastern Country. In: Circulation, Ausgabe 126, Seiten 182-188. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.111.084004

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EU-Bürger futtern Madagassen den Fisch weg

Unsere Fischerei geht zu Lasten von Entwicklungsländern. Dies legt eine aktuelle Studie einer internationalen Forschergruppe am Beispiel von Madagaskar nahe. In dem wissenschaftlichen Fachmagazin Marine Policy kommen die Autoren zu folgenden Ergebnissen: Während die Fangquoten in der Europäischen Union seit 1986 um 30 Prozent stiegen, sanken die Lizenzgebühren für Madagaskar um 20 Prozent. Die Einnahmen der madagassischen Regierung aus den Fischereiabkommen verringerten sich um etwa 90 Prozent. Das jedoch widerspreche der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU (GFP). Ferner werfe jene Praxis „tiefgreifende“[1] ethische Fragen auf. Reformen seien erforderlich.

Die Hochseeflotten der Europäischen Union fischen in allen Ozeanen der Welt, schreiben die Forscher. Einzige Ausnahmen seien die Polarmeere. Mit mehr als 20 Entwicklungsländern gäbe es Fischereiabkommen. Doch während die Zugangsgebühren zu den Fischgründen jener Länder sinken, würden die Flotten der EU stetig größer. Zudem seien viele der Gebühren in Wirklichkeit Subventionen für den Ausbau der Flotten, was letztlich zu einer Verstärkung der Überkapazitäten an Fangschiffen führe.

Für ihre Studie wählten die Forscher Madagaskar aus. Es sei das ärmste Land, welches ein Fischereiabkommen mit der EU habe. Anhand der Einkommen der Madagassen, in Verbindung mit den Anforderungen des Abkommens, überprüften sie seine Wirksamkeit.

In diesem Jahr werden nach Angaben der Europäischen Kommission die Vorschläge zur Änderung der Gemeinsamen Fischereipolitik im Parlament und im Rat diskutiert. 2013 solle die reformierte GFP gelten. Die Gemeinsame Fischereipolitik dient der Bewältigung zahlreicher Probleme, wie zum Beispiel der Flottenüberkapazität, der Überfischung und rückläufige Fänge. Doch  bereits 2009 erklärte die Europäische Kommission : „Die derzeitige GFP hat bei der Verhinderung dieser Probleme versagt.“ Deshalb müsse sie geändert werden.

Auch die Autoren der Studie raten zu einer Reform, um eine möglichst nachhaltige und gerechte Fischereipolitik zu erreichen. Dazu müsse es angemessene Fangquoten geben und Lizenzgebühren, die sich nach dem Marktwert der gefangenen Fische richten. Die Kosten sollten die begünstigten Branchen tragen, empfehlen die Forscher. Die Entwicklungshilfe der EU müsse von der Fischereipolitik entkoppelt werden. Profitieren würden beide Seiten von den Reformen: Madagaskar brächten sie mehr Einnahmen, und die Steuerzahler der EU hätten weniger Kosten zu schultern.

 

[1] Im Original: „profound“.

 

  • LeManach, Frédéric, Mialy Andriamahefazafy, Sarah Harper, Alasdair Harris, Gilles Hosch, Glenn-Marie Lange, Dirk Zeller & Ussif Rashid Sumaila, 2012: Who gets what? Developing a more equitable framework for EU fishing agreements. In: Marine Policy, Ausgabe im Druck. DOI: 10.1016/j.marpol.2012.06.001

  • Europäische Kommission, Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (Hrsg.), 2012: Fischerei. Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik

  • Europäische Union (Hrsg.), 2009: Grünbuch – Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. 22.4.2009, KOM(2009)163 endgültig

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Aus im Halbfinale: Leitungswasser besiegt Mineralwasser

In der aktuellen Ausgabe des Verbrauchermagazins test von der Stiftung Warentest wurden stille Mineralwässer untersucht. Im Ergebnis enthielten sie oftmals deutlich weniger Mineralstoffe als Leitungswasser. Keines der getesteten Wässer könne ohne Einschränkungen empfohlen werden. Manche seien für immunschwache Menschen ungeeignet. Hinsichtlich des Preises liege Leitungswasser ebenfalls klar vorne. Auch bei Wasser für Säuglinge sei Vorsicht geboten. Demgegenüber halte Leitungswasser zu 99 Prozent die strengen gesetzlichen Vorgaben ein. Es sei von allen Lebensmittel am besten kontrolliert. 29 stille Mineralwässer und ein Quellwasser wurden insgesamt geprüft. Darunter fanden sich Marken- sowie Discounter-Produkte.

Am schlechtesten schnitten die Handelsmarken Black Forest und Saskia Naturis ab, so die Stiftung Warentest. Letztere stammt von Lidl. In beiden Wässern sei der Gehalt an Mineralstoffen unter 50 Milligramm pro Liter. Etwa 66 Prozent aller getesteten Wässer hätte einen Wert unter 500 Milligramm. Doch auch das sei wenig. Noch vor circa 30 Jahren wäre das anders gewesen. Damals hätte ein natürliches Mineralwasser nur als solches bezeichnet werden dürfen, wenn es mindestens 1000 Milligramm je Liter aufweisen konnte. Der Sieger unter den Stillen in Sachen Mineralstoffkonzentrationen sei Contrex, mit 2000 Milligramm.

Krankheitserreger fanden die Tester nicht, wie die Zeitschrift schreibt. Gesetzlich sei daher in dieser Hinsicht nichts zu beanstanden. Bei einer Überprüfung nach strengeren Kriterien seien jedoch in zwölf der 30 Wässer Keime gefunden worden, die Immunschwachen schaden könnten. Dazu zählen alte Menschen, Krebs- und Aidskranke sowie Säuglinge. Deshalb sollten jene Personenkreise die betroffenen Wässer abkochen. Ähnliches habe ein Test vor 15 Jahren schon ergeben.

Arznei- und Pflanzenschutzmittel wurden nicht gefunden. In Quellbrunn Naturell von Aldi (Nord) fanden sich Hinweise auf mögliche Verunreinigungen mit Abwässern. Aus gesundheitlicher Sicht sei dies aber unbedenklich.

Schließlich plädiert die Stiftung Warentest für die Festlegung gesetzlich bindender Grenzwerte, beispielsweise für Pestizide und Uran. Für Leitungswasser gäbe es das; für Mineral- und Tafelwasser nur bei entsprechenden Säuglings-Produkten. Die meisten Proben enthielten kein Uran. Bei einigen wenigen wäre die Konzentration unterhalb des Grenzwertes für Babys.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Wässer mit merkwürdigem Plastik-Geschmack sei zurückgegangen. Ursächlich dafür sei zuvor Acetaldehyd gewesen, ein Bestandteil der Kunststoffflaschen. Auch hier wäre gesundheitlich nichts auszusetzen.

Zu guter Letzt spräche der Preis  für das Leitungswasser. Während ein Liter davon in Köln beispielsweise 0,3 Cent koste, müsse der Verbraucher für die selbe Menge des günstigsten getesteten Mineralwassers 13 Cent bezahlen. Das Fazit des test-Magazins: „Das Schleppen von Wasserflaschen lohnt sich (..) meist nicht.“

 

  • Stiftung Warentest (Hrsg.), 2012: Stille Mineralwässer. Mineralstoffe Mangelware. Test 07/2012, Seiten 22-29

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Hungerbekämpfung durch Kleinbauern

Fast eine Milliarde Menschen hungern weltweit. Mehr als zwei Milliarden sind unterernährt. Die bloße Steigerung der Nahrungsmittelproduktion ist jedoch nicht die Lösung. Zu diesem Ergebnis gelangen Forscher aus Deutschland und den USA in einer Abhandlung. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal Biological Conservation. Der Grundpfeiler der Hungerbekämpfung sei die nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft in den Entwicklungsländern. Die weitere Intensivierung der herkömmlichen Landwirtschaft in den Industriestaaten sei der falsche Weg. Theoretisch würden die globalen Erträge ausreichen, um die Welternährung zu gewährleisten. Jedoch hätten die Hungernden keinen Zugang dazu.

Als Beispiele hierfür führen sie den Ausbau der Energiepflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen an. In der Folge stünden sie in direkter Konkurrenz zu Lebensmitteln, was die Preise in die Höhe treibe. Ebenso sei es mit Nahrungsmittelspekulationen. Ferner könne das Land Grabbing die Situation der Armen verschlechtern.

Hinzu komme, dass global ein Drittel bis die Hälfte aller Nahrungsmittel verderbe. Zusätzlich werde eine erhebliche Menge für die Herstellung tierischer Produkte verwendet. Das sei unergiebig, da für eine Kalorie Fleisch durchschnittlich sieben Kalorien pflanzliche Futtermittel gebraucht würden. Auf diese Weise werde 30 bis 50 Prozent der weltweiten Getreideernte verfüttert.

Weiterhin verursache die industrialisierte Landwirtschaft enorme Umweltschäden. So sei sie global für circa ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem würden immense Mengen Stickstoff, welcher als Düngung dient, freigesetzt. Die derartig hohen Mengen verschlechtern die Luft- und Wasserqualität. Des weiteren schade es der menschlichen Gesundheit. Allein in der Europäischen Union koste dies jährlich 70 bis 320 Milliarden Euro. Darüber hinaus schädige die intensive Landwirtschaft in der Regel die biologische Vielfalt. Der Verlust jener Artenvielfalt könne einen vermehrten Pestizideinsatz zufolge haben. Außerdem sei ungefähr ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelversorgung auf die kostenlose Dienstleistung tierischer Bestäuber angewiesen. Auch erhalte die biologische Vielfalt die Bodenfruchtbarkeit.

80 Prozent der hungernden Menschen leben in den Entwicklungsländern, schreiben die Autoren der Arbeit. Derzeitig gibt es etwa sieben Milliarden Erdenbürger. In den nächsten Jahrzehnten solle die Zahl auf neun Milliarden anwachsen. Daher sei eine nachhaltige, ökologisch und sozial ausgerichtete Landwirtschaft notwendig, um den Hunger lokal zu bekämpfen.

 

  • Tscharntke, Teja, Yann Clough, Thomas C. Wanger, Louise Jackson, Iris Motzke, Ivette Perfecto, John Vandermeer & Anthony Whitbread, 2012: Global food security, biodiversity conservation and the future of agricultural intensification. In: Biological Conservation, Ausgabe 151(1), Seiten 53-59. DOI: 10.1016/j.biocon.2012.01.068

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Lebensmittelkonsum – nicht immer appetitlich

Teil 2 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Jeglicher Konsum von Lebensmitteln geht mit negativen Folgen für die Umwelt einher. Tierische Produkte schneiden hier besonders schlecht ab. Zu diesem Ergebnis kommt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)[1] in seinem aktuellen Gutachten. So erfordere die Herstellung tierischer Lebensmittel wesentlich mehr Fläche pro Kalorie und sei durchschnittlich bedeutend umweltbelastender als pflanzliche Produkte. Angesichts der steigenden Weltbevölkerung und den erheblichen Umweltauswirkungen der Intensivlandwirtschaft würde eine globale Ausweitung unseres westlichen Konsums „die Tragfähigkeit der Erde überlasten“ . Daher empfiehlt der SRU die Lebensmittelverluste um mindestens die Hälfte zu verringern bis zum Jahr 2025. Zudem „muss“ der Verzehr tierischer Eiweiße reduziert werden. Dies wäre auch der Gesundheit dienlich. Saisonale Produkte aus extensiver, heimischer Herstellung seien zu bevorzugen, zum Beispiel aus der Biolandwirtschaft.

Etwa 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland diene der Herstellung tierischer Nahrungsmittel. Demgegenüber stehen laut Sachverständigenrat ungefähr 30 Prozent für pflanzliche Produkte. Der Unterschied ergebe sich vor allem daraus, dass 89 bis 97 Prozent der Energie im Futter bei der Fütterung verloren ginge. Bezogen auf die Proteine seien es 80 bis 96 Prozent.

Die biologische Vielfalt leide ebenfalls stark unter dem Lebensmittelkonsum. Seit Anbeginn der Landwirtschaft habe der Mensch 70 Prozent des Graslandes, 50 Prozent der Savannen, 45 Prozent der Wälder in der gemäßigten Zone und 27 Prozent der Tropenwälder in Äcker und Weideflächen umgewandelt. Auch wenn die Landwirtschaft ursprünglich zur Schaffung und Erhaltung neuer Lebensräume beigetragen hat, so sei sie durch ihre Intensivierung mittlerweile weltweit eine der Hauptursachen für Verluste der Artenvielfalt. Zudem werden der Wasserhaushalt in etlichen Regionen negativ verändert, Gewässer durch Pestizide sowie übermäßige Nährstoffzufuhren belastet und der Boden geschädigt oder gar zerstört. Auch hier hätte die Herstellung tierischer Produkte durchschnittlich bedeutend mehr Umweltfolgen. Die intensive Landwirtschaft beraube sich ihrer eigenen Grundlage: der biologischen Vielfalt. Sogar bei den Nutzpflanzen und -tieren mache sich das bemerkbar. Weltweit fuße die Ernährung auf jeweils circa zehn Kulturpflanzen und Tierarten. In den vergangenen 100 Jahren sei die landwirtschaftliche Vielfalt um 75 Prozent gesunken.

In Deutschland werden 16 bis 22 Prozent aller Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft zugeschrieben, nach dem Umweltgutachten des SRU. Gut 70 Prozent davon gehe auf das Konto der Herstellung tierischer Lebensmittel.

Bedenkt man alle beispielhaft aufgeführten Konsequenzen des Lebensmittelkonsums, erscheint das Folgende umso unverständlicher: Etwa 180 Kilogramm pro Person und Jahr werden in der Europäischen Union verschwendet, schreibt der SRU. Dabei seien noch nicht die landwirtschaftlichen Produktionsverluste einbezogen worden. Der Hauptanteil falle mit 42 Prozent auf die Haushalte. Das entspreche 565 Euro pro Jahr und Haushalt. Darauf folge das verarbeitende Gewerbe mit 39 und der Dienstleistungssektor der Lebensmittebranche mit 14 Prozent. In Deutschland sollen die Haushalte für 61 Prozent verantwortlich sein. 65 Prozent davon hätten sich teilweise oder gänzlich vermeiden lassen.

Lebensmittelverluste entstehen laut SRU beispielsweise durch missverstandene Haltbarkeitsdaten, schlechte Einkaufsplanung, falsche Lagerung, Überproduktion oder eine zu geringe Wertschätzung der Produkte. Um eine Reduktion jener Verluste zu erreichen, plädieren die Forscher für eine gesetzliche Änderung der Haltbarkeitsdaten auf Verpackungen. Ferner müsse das Ziel der Verringerung um mindestens 50 Prozent politisch verankert werden. Um dem hohen Konsum tierischer Lebensmittel in Deutschland entgegen zu wirken, raten die Wissenschaftler der Bundesregierung zur Abschaffung des verminderten Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte. Die Einführung einer Fettsteuer nach dänischem Modell solle überprüft werden, wenn sie in Dänemark zu Erfolgen führt.

 

[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

 

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Juni, 694 Seiten
  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2008: 40 Jahre Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Kurzfassung:

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Kurzfassung für Entscheidungsträger. Juni, 12 Seiten

Englische Kurzfassung (Summary):

  • German Advisory Council on the Environment (SRU) (Ed.), 2012: Environmental Report 2012. Responsibility in a finite world. Summary for policy makers. June, 12 pages

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Riffhai-Bestand um bis zu 90 Prozent gesunken

Nahe der bewohnten Pazifikinseln ist die Anzahl der Riffhaie erheblich zurückgegangen. Laut einer Studie aus dem wissenschaftlichen Fachblatt Conservation Biology sei dafür vorwiegend der Mensch verantwortlich. Entweder verfingen sich die Haie als Beifang in den Fischernetzen oder sie würden systematisch gejagt. Besonders betroffen seien die stärker besiedelten Bereiche der hawaiianischen Inseln, Amerikanisch-Samoa sowie die Nördlichen Marianen. Hier ist die Zahl der Riffhaie um circa 90 Prozent gesunken, schreiben die Forscher. Dort, wo sich die Riffe in weiterer Entfernung zu menschlichen Ansiedlungen befinden, würde es den Beständen besser gehen. Ausgedrückt in Zahlen, ermittelten die Autoren der Studie für jene Gebiete einen Rückgang von 20 Prozent. Für ihre Arbeit analysierten die Wissenschaftler Daten von mehr als 1600 Erhebungen von 46 Riffen im westlichen und zentralen Pazifik.

 

  • Nadon, Marc O., Julia K. Baum, Ivor D. Williams, Jana M. McPherson, Brian J. Zgliczynski, Benjamin L. Richards, Robert E. Schroeder & Russel E. Brainard, 2012: Re-Creating Missing Population Baselines for Pacific Reef Sharks. In: Conservation Biology, Ausgabe 26(3), Seiten 493-503. DOI: 10.1111/j.1523-1739.2012.01835.x

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