Archiv der Kategorie: Energie

Fukushima-GAU veränderte Tiere und Menschen

Nukleare Auswirkungen der anderen Art

Die Atomkatastrophe in Japan traf das Land schwer. Mehr als Hunderttausend Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Wie traumatisch sich die Folgen des Super-GAUs auf die zurückgelassenen Hunde auswirken, zeigt eine Studie. Demnach sei die Katastrophe äußerst belastend für sie. Auf Seiten der menschlichen Betroffenen könne es ebenfalls zu psychischen Auswirkungen kommen. Eine weitere Veröffentlichung deutet auf Missbildungen bei Schmetterlingen hin. Spätere Generationen seien dabei weitaus stärker betroffen. Die Arbeiten erschienen in dem wissenschaftlichen Fachblatt Scientific Reports. Weiterlesen

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Ansteckende Solarzellen

Haben Ihre Nachbarn Sonnenkollektoren? Falls ja, erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Installationen hinzu kommen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Marketing Science. Demnach ließen zehn extra Fotovoltaik-Anlagen innerhalb eines Postleitzahlenbereichs die Wahrscheinlichkeit um 7,8 Prozent steigen.

Ausschlaggebende Gründe dafür seien die Sichtbarkeit der Anlage auf dem Dach des Nachbarn sowie Gespräche darüber. Wenn er von wirtschaftlichen Vorteilen erzähle, könne dies zur Nachahmung ermutigen. Ferner könne es unter Nachbarn eine Art Wettbewerb geben, bei dem keine Partei das Nachsehen haben möchte.

Die Forscher analysierten etwa 85000 geplante und vollendete Installationen im US-amerikanischen Kalifornien. Von Januar 2001 bis Dezember 2011 dauerte die Untersuchung. Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftler nicht nur das Marketing von Solarunternehmen verbessern. Auch auf die Vermarktung anderer grüner Technologien seien sie übertragbar.

 

  • Bollinger, Bryan & Kenneth Gillingham, 2012: Peer Effects in the Diffusion of Solar Photovoltaic Panels. In: Marketing Science. DOI: 10.1287/mksc.1120.0727

  • Illustration: Gerd Altmann / pixelio.de

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Akkus zum Aufsprühen

Lithium-Ionen-Akkus versorgen den Großteil unserer tragbaren Elektrogeräte. Sie finden sich in Handys, MP3-Playern und Digital-Kameras. Einer Forschergruppe ist es nun erstmalig gelungen, eine aufsprühbare Variante der wiederaufladbaren Stromspeicher zu entwickeln. In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Scientific Reports berichten sie darüber. Prinzipiell könne die aus fünf feinen Schichten bestehende, spezielle Farbe auf jeder Oberfläche aufgebracht werden. Daher ließe sich jener neuartige Akkumulator leicht mit Solarzellen verbinden und in Tassen oder flexible Gegenstände einbauen. Ansonsten seien sie mit normalen Lithium-Ionen-Akkus vergleichbar.

Genau wie herkömmliche Akkus besteht auch das neue Modell aus fünf Schichten. In der Mitte befindet sich eine Trennschicht, zum Beispiel aus einem Kunststoff-Siliziumdioxid-Gemisch. Sie trennt die zweite und dritte Schicht aus verschiedenen Lithiumverbindungen, welche als positive oder negative Elektroden dienen. In ihnen wird die Ladung gespeichert. Die Unter- und Oberseite des Akkus ist jeweils mit einer Kollektorschicht aus Aluminium oder Kupfer versehen. Dort wird die freigesetzte Spannung gesammelt, um beispielsweise an ein Notebook oder ein anderes Gerät abgegeben zu werden.

Bei dem Sprüh-Akku hingegen sei die untere Kollektorschicht aus Nanokarbonröhrchen und weiteren Bestandteilen. Die Oberseite bestehe aus einem gewöhnlichen, elektrisch leitenden Kupferlack. Der bedeutendste Unterschied stelle jedoch die Anpassung der konventionellen Akku-Schichten dar, sodass sie in Flüssigkeit lösbar seien. Anschließend könne man sie mit dem industriell weit verbreiteten Verfahren des Sprühbeschichtens auftragen. Dazu müsse die zu beschichtende Oberfläche 120 Grad Celsius heiß sein. Nach dem Tränken des Schichtstapels in einer Elektrolytlösung und dem Abdichten mit einer Plastikfolie sei der Akku weniger als einen Millimeter dünn.

 

  • Singh, Neelam, Charudatta Galande, Andrea Miranda, Akshay Mathkar, Wei Gao, Arava Leela Mohana Reddy, Alexandru Vlad & Pulickel M. Ajayan, 2012: Paintable Battery. In: Scientific Reports, Ausgabe 2(481). DOI: 10.1038/srep00481

  • Foto: Singh, Neelam, Charudatta Galande, Andrea Miranda, Akshay Mathkar, Wei Gao, Arava Leela Mohana Reddy, Alexandru Vlad & Pulickel M. Ajayan, 2012: Figure 3: Characterization of spray painted Li-ion cells. Aus: Paintable Battery. In: Scientific Reports, Ausgabe 2(481). DOI: 10.1038/srep00481

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Borkige Astträger-Gesellschaft – der Wald und seine Nutzung

Teil 4 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Deutschland zählt zu den waldreichsten Staaten der Europäischen Union. Etwa ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet. Inzwischen jedoch wird fast so viel Holz geerntet, wie jährlich nachwächst. Die intensive forstwirtschaftliche Nutzung, der Klimawandel sowie Schad- und Nährstoffeinträge gefährden das Ökosystem. Das geht aus dem aktuellen Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU)[1] hervor. Nur 35 Prozent unserer Wälder würden als natur- oder sehr naturnah bezeichnet.

Mehr als ein Viertel der Bestände wiesen im vergangenen Jahr deutliche Verluste an Blättern und Nadeln in den Baumkronen auf. Insgesamt habe sich der Zustand der Wälder im Vergleich zu 2000 und 2010 verschlechtert. Nahezu unverändert seien die Zustände der Kiefern und Fichten. Demgegenüber stiegen die Kronenverlichtungen der Eichen, und besonders der Buchen, an. Ursächlich dafür seien vor allem Luftschadstoffe wie Ozon, Stickstoff- und Schwefelverbindungen. Hinzu komme der Klimawandel. Außerdem hätten Wildbestände einen bedeutenden Einfluss auf die Wälder. So würden sie die jungen Bäume anfressen und sie am Aufwuchs hindern.

Auch können Stickstoffeinträge aus der Luft und benachbarten, landwirtschaftlich genutzten Flächen die Artenzusammensetzung der Wälder beeinflussen. Ferner mache es einen Unterschied, ob ein Wald bewirtschaftet wird oder nicht. Erstere seien in der Regel aufgeräumter, haben also einen geringeren Anteil an liegen gelassenen, umgestürzten Bäumen und abgebrochenem Astwerk. Jenes sogenannte Totholz stehe in direktem Zusammenhang mit der Artenvielfalt. So kämen beispielsweise in den den unbewirtschafteten Buchenwäldern Nordrhein-Westfalens 121 brütende Vogelpaare pro 100 Hektar vor, wohingegen es in den bewirtschafteten 71 seien.

Gleichsam nehme die Nutzung des Waldes rasch zu. Im Durchschnitt würden jährlich 93 Prozent der nachgewachsenen Bäume gefällt. Genutzt werde das Holz bisher überwiegend stofflich. Zudem werde fast die Hälfte energetisch verwendet – Tendenz steigend. Momentan falle hier der größte Anteil auf die Wärmeerzeugung in privaten Haushalten. Mit steigender Nutzung, damit verbundenem Holzeinschlag und der Entnahme von Ernteresten erhöhe sich der Nährstoffaustrag aus den Wäldern. Ferner sinke der Totholzanteil.

Dies wiederum könne zu vermehrten Importen holzartiger Biomasse führen. Damit verbunden seien erhebliche negative Folgen für die Umwelt in den Exportländern. Es fehle schlicht an verbindlichen Standards zum nachhaltigen Anbau und der Nutzung. In Deutschland werden schon heute große Menge an Holzprodukten und Rohholz eingeführt, schreiben die Autoren des Umweltgutachtens. Besonders halb- und fertig verarbeitete Holzwaren kämen aus Ländern außer- sowie innerhalb der EU. Ausgedrückt in Zahlen mache das über die Hälfte des gesamten Holzaufkommens und mehr als das Doppelte des deutschen Rohholzeinschlags aus.

Ursprünglich beherrschten Laubbäume die Wälder Deutschlands, insbesondere die Buche. Auf gut 80 Prozent der Waldfläche müssten sie natürlicherweise vorkommen. Doch bis auf wenige urwaldähnliche Reste gäbe es hierzulande keine Urwälder mehr. Gegenwärtig fänden sich in den deutschen Wäldern 72 Baumarten. Zwölf von ihnen hätte die Forstwirtschaft etabliert, zum Beispiel die nicht einheimische Douglasie. Etwa 75 Prozent der Bäume seien Fichten (28 %), Kiefern (23 %), Buchen (15 %) und Eichen (10 %).

Die Besitzverhältnisse der ‚Astträger-Gesellschaften‘ stellen sich wie folgt dar: Nahezu die Hälfte der Waldfläche sei in Privatbesitz. Dem Staat gehören ungefähr 33 Prozent. Kommunen und Körperschaften des öffentlichen Rechts besäßen circa 20 Prozent. Doch vor allem Privatwälder seien im Vergleich zu staat- und körperschaftlichen Wäldern in einem schlechteren, weniger naturnahen Zustand.

Da in Deutschland 26 Prozent aller Rotbuchenwälder stünden, hätten wir eine besondere Verantwortung in Europa. Weiterhin befänden wir uns im Zentrum des Gesamtgebietes. Um die Wälder zu erhalten, deren konkurrierende Nutzungsansprüche abzufedern und eine umweltgerechte Waldnutzung zu ermöglichen, seien Maßnahmen notwendig. Zum Beispiel müsse die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt „dringend“ umgesetzt werden. Dort sei unter anderem vorgesehen, dass sich die Natur bis 2020 auf zwei Prozent der Fläche Deutschlands frei entfalten kann. Der Flächenanteil mit natürlicher Waldentwicklung solle bis dahin fünf Prozent betragen.

Für die komplette Waldfläche müssten ökologische Mindeststandards gelten. Dafür wäre eine genaue Erläuterung des vage beschriebenen Begriffs „ordnungsgemäße Forstwirtschaft” aus dem Bundeswaldgesetz hilfreich. Darüber hinaus solle mindestens 80 Prozent des Waldes auf Grundlage eines hochwertigen Siegels zertifiziert werden. Infrage kämen nach Ansicht des SRU dafür die Zertizierungssysteme des Forest Stewardship Council (FSC) und Naturland. Das Siegel des Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) sei hingegen nicht geeignet.

 

[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

 

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Juni, 694 Seiten

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2008:  40 Jahre Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Kurzfassung:

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Kurzfassung für Entscheidungsträger. Juni, 12 Seiten

Englische Kurzfassung (Summary):

  • German Advisory Council on the Environment (SRU) (Ed.), 2012: Environmental Report 2012. Responsibility in a finite world. Summary for policy makers. June, 12 pages

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Erdbeben durch CO2-Speicherung

Verwerfungen mit V-förmigen Bruchlinien

Das unterirdische Speichern großer Mengen Kohlendioxid birgt Gefahren. Es könne wahrscheinlich zu kleineren Erdbeben führen, wie zwei Forscher in einem Artikel des wissenschaftlichen Fachmagazins PNAS schreiben. In der Folge müsse mit dem Austreten des Treibhausgases gerechnet werden.

Vor allem die Kohlendioxid-Speicherung in der Nähe von geologischen Bruchflächen, könne kleine Erdbeben auslösen. Der Grund dafür liege in der Erhöhung des Porendrucks, welcher die ohnehin vorhandenen Spannungen der Erdkruste verstärke. Laut den beiden Wissenschaftlern kann das ausreichen, um undichte Stellen im CO2-Speicher entstehen zu lassen. Verringern ließe sich das Risiko, indem derartige, sogenannte Verwerfungen zuvor ausfindig gemacht würden. Dabei seien großflächige Gesteinsverschiebungen verhältnismäßig leicht zu erkennen. Problematisch werde es jedoch bei kleineren Brüchen. Zu kleineren Erschütterungen sei es bei der Entsorgung von Abwässern Untertage in den USA schon gekommen.

Mithilfe der CCS-Technik, der Kurzform für Carbon Capture and Storage, soll Kohlendioxid abgeschieden und unterirdisch gespeichert werden. Befürworter jener Idee versprechen sich davon, den CO2-Ausstoß aus der Verbrennung fossiler Energieträger zu verringern und so dem Klimawandel entgegen zu wirken. Dazu sei es allerdings nötig, jährlich weltweit etwa 3,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid im Untergrund zu entsorgen. Ferner dürfe nach der Analyse der Forscher weniger als ein Prozent des Gases innerhalb von 1000 Jahren entweichen. Andernfalls wäre ein Umbau hin zu erneuerbaren Energien effektiver. Unter dem Strich sei der großräumige Einsatz der CCS-Technik äußerst teuer und riskant. In Einzelfällen könne CCS dennoch sinnvoll sein. Als globale Strategie zur deutlichen Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes sei die Technik wahrscheinlich nicht geeignet.

 

  • Zoback, Mark D. & Steven M. Gorelick, 2012: Earthquake triggering and large-scale geologic storage of carbon dioxide. In: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1202473109

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Dünger und Bioenergie: weniger statt mehr

Energiepflanzen wie Raps oder Mais können dazu beitragen, fossile Energieträger zu ersetzen. Düngt man sie mit einem Mehr an Stickstoff, ließe sich durch die höheren Erträge Anbaufläche einsparen. Dies schadet jedoch dem Klimaschutz, wie ein deutsch-dänisches Forscherteam nun heraus fand. Ihre Studie wurde in dem wissenschaftlichen Fachmagazin Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change veröffentlicht. Ein möglichst ertragreicher Anbau von Energiepflanzen sei aber wichtig, da die Bioenergie mit der Produktion von Lebens- und Futtermitteln hinsichtlich verfügbarer Flächen konkurriere. Nach den Untersuchungen der Wissenschaftler ist eine Intensivierung der Stickstoffdüngung bei dem Energiepflanzenanbau in Deutschland und Dänemark nur selten sinnvoll. Daher seien politische Maßnahmen zur Verminderung des Düngereinsatzes effizienter als die Ausweitung der Bioenergie. In Dänemark würden sie bereits umgesetzt.

Für ihre Studie entwickelten die Forscher eine neue Methode. Mit ihrer Hilfe ließe sich der Treibhausgasausstoß der Stickstoffdüngung ermitteln und bewerten. Dabei würde die Bindung von Kohlenstoff im Boden ebenso einbezogen, wie die bei der Düngerproduktion und die aufgrund der Düngung entstehenden klimarelevanten Emissionen. Jenen Treibhausgasausstoß setzten die Wissenschaftler rechnerisch in Beziehung zu der eingesparten Fläche, welche ob des erhöhten Düngemitteleinsatzes und der daraus folgenden Ertragssteigerung frei werde. Dadurch können sie die Minderung von Treibhausgasen durch den Energiepflanzenanbau bewerten.

 

  • Meyer-Aurich, Andreas, Jørgen E. Olesen, Annette Prochnow & Reiner Brunsch, 2012: Greenhouse gas mitigation with scarce land: The potential contribution of increased nitrogen input. In: Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change. DOI: 10.1007/s11027-012-9399-x

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Atomenergie: Alle 20 Jahre ein GAU

Kernschmelzen sind weitaus wahrscheinlicher als bisher angenommen. Das jedenfalls besagt eine Studie einer Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Chemie. Zwar halbiere Deutschland das atomare Risiko voraussichtlich mit dem Ausstieg aus der Kernenergie. Dennoch könne es weltweit etwa alle 10 bis 20 Jahre zu einem GAU kommen, dem größten anzunehmenden Unfall. Das wäre 200 mal häufiger als die Annahmen vergangener Schätzungen. Ferner würde sich bei einer Reaktorkatastrophe nahezu die Hälfte des radioaktiven Cäsium-137 in 1000 Kilometer Entfernung ablagern, schreiben die Wissenschaftler. Durchschnittlich einmal in 50 Jahren sei in Westeuropa mit einer radioaktiven Kontamination von mehr als 40 Kilobecquerel Cäsium-137 pro Quadratmeter zu rechnen. Nach internationaler Definition ist ein Landstrich ab dieser Menge radioaktiv belastet. Angesichts ihrer Forschungsergebnisse empfehlen die Autoren der Studie eine Neubetrachtung der von Kernkraftwerken ausgehenden Risiken. Veröffentlicht wurde die Arbeit in dem wissenschaftlichen Fachjournal Atmospheric Chemistry and Physics.

Im Falle eines GAUs würden im Schnitt acht Prozent des freigesetzten Cäsium-137 einen Bereich von 50 Kilometern um den Unfallort kontaminieren. Circa 30 Prozent der Partikel lagern sich laut der Studie innerhalb von 500 Kilometern ab; ungefähr 25 Prozent in mehr als 2000 Kilometern. Dem international vergleichsweise größten Risiko seien die Menschen im Südwesten Deutschlands ausgesetzt. Dort und in den angrenzenden Staaten ist die Reaktordichte nochmals höher als ohnehin in Westeuropa. Betroffen wären im westeuropäischen Raum von einer Kernschmelze etwa 28 Millionen Menschen. In Südasien gehen die Forscher von 34 Millionen, in Ostasien von 21, im Osten der USA von 14, in Osteuropa sowie dem mittleren Westen der USA jeweils von acht und in Nordeuropa von drei Millionen aus.

Bei der Berechnung der Wahrscheinlichkeit eines GAUs teilten die Forscher die gesamte Laufzeit aller weltweiten Reaktoren durch die Anzahl der heute bekannten totalen Kernschmelzen – mit der höchsten Stufe (7) auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES). Dabei fanden die unterschiedlichen Reaktortypen, deren Alter und Lage keine Berücksichtigung. Auf diese Weise hätten die Wissenschaftler auch eine mögliche Kernschmelze in vermeintlich sicheren Kraftwerken einbezogen. Mittels Computermodell ermittelten sie die geografische Ausbreitung radioaktiver Teilchen und Gase. Gegenwärtig gibt es global 440 aktive Kernreaktoren. Zudem seien mehr als 60 derzeit im Bau. Viele weitere seien geplant. Vollständige INES7-Kernschmelzen gab es bisher vier: eine in Tschernobyl und drei in Fukushima.

 

  • Lelieveld, J., D. Kunkel & M. G. Lawrence, 2012: Global risk of radioactive fallout after major nuclear reactor accidents. In: Atmospheric Chemistry and Physics, Ausgabe 12(9), Seiten 4245-4258, DOI: 10.5194/acp-12-4245-2012

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Solarzellen aus günstigem Zink

Fast 3000 Euro Preisunterschied pro Kilogramm. Das könnte sich positiv auf die Produktionskosten von Farbstoff-Solarzellen auswirken. In dem wissenschaftlichen Fachblatt Chemical Communications berichten Forscher von ihrer Entdeckung: Sie konnten erstmalig zeigen, dass Zink anstelle des äußerst seltenen Metalls Ruthenium bei der Herstellung von Farbstoff-Solarzellen eingesetzt werden kann. Ersteres ist bisher in rauen Mengen vorhanden und kostet 1,50 pro Kilogramm. Demgegenüber schlägt ein Kilo Ruthenium mit fast 3000 Euro zu buche. Ferner sei den Wissenschaftlern eine neuartige Methode zur Produktion und Verankerung von Farbstoffen auf der Oberfläche von Nanopartikeln (Titandioxid) gelungen.

Farbstoff-Solarzellen werden aus Titandioxid gefertigt. Darauf ist ein Farbstoff, basierend auf Ruthenium oder Zink, verankert. Er dient der Absorption von Sonnenlicht. Der Farbstoff wiederum leitet Elektronen an den Halbleiter Titandioxid: Es fließt Strom. Gleichwohl merken die Forscher an, dass die neuen, mit Hilfe von Zink hergestellten Farbstoff-Solarzellen bisher wenig effizient seien. Dennoch versprechen sich die Wissenschaftler mit ihrer Entdeckung einen Beitrag zu einer neuen Generation von Solarzellen geleistet zu haben.

 

  • Bozic-Weber, Biljana, Edwin C. Constable, Nik Hostettler, Catherine E. Housecroft, Ralf Schmitt & Ewald Schönhofer, 2012: The d10 route to dye-sensitized solar cells: step-wise assembly of zinc(II) photosensitizers on TiO2 surfaces. In: Chemical Communications. DOI: 10.1039/C2CC31729J

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Wissenschaftler fordern radikales Umdenken, um globale Probleme zu lösen

Die Menschheit steht vor zahlreichen ökonomischen, sozialen sowie ökologischen Problemen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern gibt nun Empfehlungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Sie erstellte einen Bericht für die Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreichs, der Royal Society. Ihre Botschaft: die Welt kann besser werden. Vor allem die Bekämpfung der globalen Armut, die Entwicklung einer nachhaltigen Ökonomie und die Stabilisierung des Bevölkerungswachstums stehen im Vordergrund.

Im Detail erachten die Forscher nachfolgende Punkte als wichtig: Zuerst müsse sich die internationale Gemeinschaft um die ärmsten 1,3 Milliarden Menschen der Welt kümmern. Ihnen steht weniger als ein Euro pro Tag zur Verfügung. Dazu bedürfe es verstärkter Anstrengungen, das Pro-Kopf-Einkommen jener Gruppe zu steigern und ihre Ernährungs- und Gesundheitssituation zu verbessern. Zudem müssten die Geburtenraten in besonders kinderreichen, armen Ländern gesenkt werden, beispielsweise durch Aufklärungsarbeit. Ferner müsse jedes Kind Zugang zu Bildung haben.

An zweiter Stelle empfehlen die Forscher, den ausufernden Konsum in den Industrienationen und Schwellenländern zu reduzieren. Das bedeute einen radikalen Wandel, hin zu nachhaltigen, ressourcenschonenden Technologien. Der Mensch dürfe sich nicht länger als von der Umwelt losgelöst betrachten. Weiterhin müsse es eine Abkehr von einer Wirtschaft des stetigen Wachstums geben. Schließlich raten die Wissenschaftler, das weltweite Bevölkerungswachstum erst zu verlangsamen und später zu stabilisieren. Jedoch ausdrücklich ohne Zwänge, sondern auf freiwilliger Basis. Denn auch in den höher entwickelten Staaten gäbe es einen Bedarf an vermehrter Aufklärung und Verhütung. Eine Voraussetzung für die freie Entscheidung bei der Familienplanung ist nach Ansicht der Wissenschaftler die Bildung.

 

  • The Royal Society (Hrsg.), 2012: People and the planet . The Royal Society Science Policy Centre report 01/12

EXTRAS

Interviews mit zwei der Autoren des Berichts – Professor Sir John Sulston, Leiter des Instituts für Wissenschaft, Ethik und Innovation der Universität Manchester (iSEI), sowie Dr. Eliya Zulu, Exekutivdirektor am Afrikanischen Institut für Entwicklungspolitik (AFIDEP):

  • The Royal Society (Hrsg.), 2012: Royal Society report ‚People and the Planet‘ – Sir John Sulston FRS. YouTube-Video. Dauer: 5:38 Minuten. Sprache: Englisch

  • The Royal Society (Hrsg.), 2012: Royal Society report ‚People and the Planet‘ – Eliya Msiyaphazi Zulu. YouTube-Video. Dauer: 4:22 Minuten. Sprache: Englisch

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Fukushima brachte internationales Umdenken

Mehr Informationen finden Sie auf den Internetseiten des weltweit agierenden Martktforschungsunternehmens Ipsos.

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