Klimaskeptiker neigen zu Verschwörungstheorien und Wirtschaftsliberalismus

97 Prozent aller Klimawissenschaftler weltweit betrachten den menschengemachten Klimawandel als erwiesen. Dennoch gibt es Personen, die das nicht anerkennen oder die globale Erwärmung für unbedeutend halten. Psychologen befragten jene sogenannten Klima(wandel)skeptiker. Die Ergebnisse: Wer die Existenz des anthropogenen Klimawandels verneinte, glaubte auch eher an andere Verschwörungstheorien. Zudem seien Klimakritiker sehr oft Befürworter eines freien Marktes, möglichst ohne Regeln. Generell hätten wirtschaftsliberale Menschen wissenschaftliche Lehrsätze eher abgelehnt. Letzteres gelte ebenso für Verschwörungstheoretiker. Diejenigen Menschen, die davon ausgingen, frühere Umweltprobleme seien bereits gelöst, neigten ebenfalls zu einer klimaskeptischen Position. Die Studie erschien in dem wissenschaftlichen Fachjournal Psychological Science.

Für ihre Arbeit führten die Forscher eine Befragung mit Freiwilligen im Internet durch. Dazu baten sie verschiedene sich mit dem Klimawandel befassende Blogs, einen Link zum Online-Fragebogen auf ihren Seiten zu platzieren. Acht[1] von ihnen akzeptieren den menschengemachten Klimawandel weitestgehend; fünf[2] Blogs bestreiten ihn. Letztere hätten jedoch eine Zusammenarbeit mit den Psychologen abgelehnt. Eine Analyse der Seitenbesucher zeige, dass etwa 20 Prozent der Leserschaft der acht teilnehmenden Blogs klimawandelkritisch eingestellt waren im Untersuchungszeitraum. Das decke sich mit dem landesdurchschnittlichen Verhältnis in den USA und anderen Ländern.

Zu den Fragebausteinen bezüglich der Verschwörungstheorien gehörte zum Beispiel, dass die Mondlandung der USA nur in einem Studio inszeniert worden sei. Ebenso stand die angebliche Ermordung von Martin Luther King Jr. durch US-amerikanische Behörden auf der Liste. Wissenschaftliche Lehrsätze standen anhand der Aussagen „Das HI-Virus verursacht AIDS“ und „Rauchen verursacht Lungenkrebs“ auf dem Prüfstand.

Insgesamt werteten die Wissenschaftler 1145 Fragebögen aus. Gut 230 schafften es nicht in die Auswertung. Sie stammten beispielsweise vom selben Internetanschluss, was auf eine mehrmalige Teilnahme hinweist. Andere wiederum deuteten auf falsche oder unvollständiger Angaben, sei es mutwilliger oder unabsichtlicher Natur.  Gleichwohl merken die Studienautoren an, dass ihre Stichprobe möglicherweise nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragbar sei. Auf die Bedeutung der Ergebnisse habe dies jedoch keinen Einfluss. Denn das Ziel der Untersuchung wäre es, die Beweggründe der Ablehnung gängiger wissenschaftlicher Lehrsätze bei Einzelpersonen zu erforschen, die sich an der Klimadebatte und Diskussionen zu anderen Wissenschaftsthemen beteiligen. Dass Teilnehmerinnen durch absichtliche Falschangaben die Ergebnisse nennenswert verfälschen, halten die Psychologen für unwahrscheinlich. Ihre Daten würden sich kaum von vergleichbaren unterscheiden. Darüber hinaus seien sie selbst dann noch belastbar, wenn etwaige statistische Ausreißer entfernt würden.

Auch andere Autoren belegen einen Zusammenhang zwischen einer wirtschaftsliberalen Einstellung und einem Hang zur Klimaskepsis. Dazu passe, dass mehr als 90 Prozent der klima- beziehungsweise umweltkritischen Bücher allgemein, von konservativen, umweltskeptischen Denkfabriken finanziert wurden. Das geht aus einer weiteren Studie hervor. In ihr analysierten Forscher 141 englischsprachige Bücher, die seit 1972 erschienen sind. Die anderen eingangs beschriebenen Erkenntnisse der Psychologen sind neu.

Den merklich größeren Einfluss hinsichtlich Klimaskepsis hätte der Faktor Wirtschaftsliberalismus gehabt – im Vergleich zum Verschwörungsdenken. Zwei mögliche Gründe vermuten die Wissenschaftler: Zum einen sei die Klimaforschung politisierter. Zum anderen würden klimawissenschaftliche Erkenntnisse weitaus größere wirtschaftliche Regulierungen nach sich ziehen. Die Durchsetzung der Fakten, dass das HI-Virus AIDS und das Rauchen Lungenkrebs verursacht, wirke sich demgegenüber weniger negativ für Anhänger der wirtschaftsliberalen Idee aus.

Klimaskepsis muss von „echter Skepsis“ unterschieden werden, schreiben die Wissenschaftler. Denn Klimakritiker würden die Fakten ignorieren. Ein echter Skeptiker hingegen widerlege oder stütze Behauptungen mittels wissenschaftlicher Belege. Derartige Skepsis sei das Herzstück wissenschaftlichen Denkens.

Verschwörungstheorien zu widerlegen sei allerdings schwer. Jeder Beweis gegen eben solche würden als Beleg für die Existenz der Verschwörung gewertet.

 

[1] Skepticalscience, Deltoid (ScienceBlogs), A few things ill considered (ScienceBlogs), Global Warming: Man or Myth?, Open Mind, Climate Asylum, Climate change task force und Hot Topic.

[2] Die fünf klimakritischen Blogs heißen ClimateAudit, Roger Pielke’s Jr. Blog, Climate Depot, Dr Roy Spencer und Science and Public Policy Institute (SPPI).

 

  • Anderegg, William R. L., James W. Prall, Jacob Harold & Stephen H. Schneider, 2010: Expert credibility in climate change. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS), Ausgabe 107(27), Seiten 12107-12109. DOI: 10.1073/pnas.1003187107
  • Doran, Peter T. & Maggie Kendall Zimmerman, 2009: Examining the Scientific Consensus on Climate Change. In: Eos, Transactions American Geophysical Union, Geophysical Union, Ausgabe 90(3), Seiten 22-23. DOI: 10.1029/2009EO030002

  • Lewandowsky, Stephan, Klaus Oberauer & Gilles E. Gignac, 2013: NASA Faked the Moon Landing – Therefore, (Climate) Science Is a Hoax. An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. In: Psychological Science. DOI: 10.1177/0956797612457686

  • Heath, Yuko & Robert Gifford, 2006: Free-Market Ideology and Environmental Degradation. The Case of Belief in Global Climate Change. In: Environment and Behavior, Ausgabe 38(1), Seiten 48-71. DOI: 10.1177/0013916505277998

  • Jacques, Peter J., Riley E. Dunlap & Mark Freeman, 2008: The organisation of denial: Conservative think tanks and environmental scepticism. In: Environmental Politics, Ausgabe 17(3), Seiten 349-385. DOI: 10.1080/09644010802055576

  • Foto: Julien Houbrechts / flickr.com

7 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Umwelt, Wirtschaft, Wissen(schaft)

7 Antworten zu “Klimaskeptiker neigen zu Verschwörungstheorien und Wirtschaftsliberalismus

  1. Udo

    Man sollte froh darueber sein, dass wenigstens 3% der Wissenschaftler eine genuegend hohe Qualifikation haben, um Klima-Phaenomene richtig zu beurteilen. Und es werden gottseidank immer mehr.
    Fakt ist, dass trotz erhoehter CO2-Konzentration in der Luft die globale Temperatur konstant bleibt. Also hat diese, faelschlich als Treibhausgas klassifizierte Substanz, keinen Einfluss auf das Klima.

    • @Udo:

      „Man sollte froh darueber sein, dass wenigstens 3% der Wissenschaftler eine genuegend hohe Qualifikation haben, um Klima-Phaenomene richtig zu beurteilen. Und es werden gottseidank immer mehr.“

      Genau genommen, sind es laut Anderegg et al. 2010 sogar 97-98% der Klimawissenschaftler, die den menschengemachten Klimawandel als erwiesen ansehen. Zuvor sind Doran & Zimmerman (2009) auf 97% gekommen. Auch wenn dies noch keinen Trend ausmacht, so sieht es jedenfalls nicht so aus, als würde die Zahl der sogenannten klimaskeptischen Forscher zunehmen. Eher scheint es mir, als würde sie gleich bleiben oder sogar sinken. Wie kommen Sie auf Ihre Behauptung? Auf welchen Quellen beruht Ihre Aussage?

      „Fakt ist, dass trotz erhoehter CO2-Konzentration in der Luft die globale Temperatur konstant bleibt. Also hat diese, faelschlich als Treibhausgas klassifizierte Substanz, keinen Einfluss auf das Klima.“

      Ich verlange gar nicht, dass Sie die Studien aus den einschlägigen Fachjournalen kennen. Nein, ein Blick in die Wikipedia hätte in diesem Fall schon gereicht. Dann wüssten Sie, dass Ihre Behauptung mehr als falsch ist. Oder Sie hätten auf der Internetseite des Alfred-Wegener-Instituts, Fachbereich Klimawissenschaften nachsehen können. Dort können Sie ebenfalls sehen, dass die globale Temperatur sehr wohl gestiegen ist. Alternativ könnten Sie sich auch auf den Internetseiten der NASA umsehen.

  2. Udo

    1. Seit einigen Jahren ist in einschlaegigen Foren, Leserkommentaren zu fachbezogenen Artikeln und ganz allgemein in Presseveroeffentlichen ein deutlicher Meinungsumschwung in Richtung „Klimaskepsis“ festzustellen.
    2. In den letzten 15 Jahren ist die CO2-Konzentration in der Luft von 360 auf 395 ppm gestiegen. In diesem Zeitraum hat sich(entgegen Ihrer Auffassung) die Globaltemperatur nicht veraendert. Fuer mich ist damit die Kernthese der Klimawandler(zu denen Sie leider auch gehoeren), wonach mehr CO2 zu globaler Erwaermung fuehrt, ad absurdum gefuehrt.

    • @Udo:

      „Seit einigen Jahren ist in einschlaegigen Foren, Leserkommentaren zu fachbezogenen Artikeln und ganz allgemein in Presseveroeffentlichen ein deutlicher Meinungsumschwung in Richtung “Klimaskepsis” festzustellen.“

      Es ist Ihr gutes Recht, hier Ihre persönlichen Eindrücke zu schildern. Ob und inwieweit dieser Eindruck tatsächlich auf mehr „Klimaskepsis“ in der Bevölkerung zurückzuführen ist, ließe sich daran – selbst wenn Ihr Eindruck stimmen würde – jedoch nicht ablesen. Denn: Es könnte ebenso möglich sein, dass eine gleichbleibende oder gar schrumpfende Zahl von „Klimakritikern“ einfach mehr Beiträge schreibt als zuvor. In der relativen Anonymität des Internets ist es zudem problemlos möglich, dass sich ein realer Mensch mehrere virtuelle Identitäten zulegt. Ein Mensch könnte also in den verschiedensten Foren oder Kommentarbereichen mithilfe mehrerer Namen den Eindruck erwecken, es gäbe ein Vielzahl von „Klimakritikern“. In Wahrheit aber würden alle Kommentare von ein und demselben Benutzer stammen.
      Weiterhin gibt es bei Ihren Eindrücken zu bedenken, dass zumeist konservative Denkfabriken gezielt Kampagnen gefahren haben und fahren, um Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu sähen. Im Internet, samt Foren, Kommentarbereichen usw., wurde/wird dabei ebenfalls versucht Zweifel zu sähen (Oreskes & Conway 2010; Dunlap & McCright 2011). Demnach ist es fraglich, ob das mutmaßliche Mehr an „Klimaskeptikern“ wirklich normale Bürger sind. Vielleicht sind es auch einfach bezahlte Mitarbeiter der Denkfabriken (Think Tanks).

      „In den letzten 15 Jahren ist die CO2-Konzentration in der Luft von 360 auf 395 ppm gestiegen. In diesem Zeitraum hat sich(entgegen Ihrer Auffassung) die Globaltemperatur nicht veraendert.“

      Das ist leider wieder falsch. Die globale Durchschnittstemperatur ist auch nach 1998 gestiegen – wenn auch weniger deutlich. Das, also Schwankungen und kein linearer Verlauf, sind aber völlig normal. Zudem war das Jahr 1998 besonders heiß. Wenn Sie das dann als Basis für Ihre Betrachtung heranziehen, ist es nur logisch, dass Sie ein verfälschtes Abbild erhalten. Außerdem ist es wenig aussagekräftig, wenn Sie einen Zeitraum von 15 Jahren heranzuziehen. Üblich ist es in der Klimawissenschaft mindestens 30 Jahre zu betrachten. Näheres können Sie z.B. hier und hier nachlesen. Ferner möchte Sie an meine zitierten Quellen aus meinem ersten Kommentar oben erinnern. Sie scheinen sie nicht gelesen zu haben.

  3. Udo

    Es hat wenig Sinn, weiter unvereinbare Standpunkte hier auszutauschen. Fuer mich ist entscheidend, was man sehen und messen kann, und nicht die Phantasiekonstruktionen einer Gruppe von Pseudowissenschaftlern.
    Die von Ihnen angefuehrten Quellen halte ich fuer ungalaubwuerdig.

    • @Udo:

      „Fuer mich ist entscheidend, was man sehen und messen kann, und nicht die Phantasiekonstruktionen einer Gruppe von Pseudowissenschaftlern.“

      Dass der Klimawandel existiert und menschengemacht ist, beruht auf Messungen (z.B. Temperatur und Kohlendioxigehalte) und anderen harten Fakten (z.B. Eisborkerne und der Analyse von Jahresringen in Bäumen und Korallen). Sehen kann man den Klimawandel ebenfalls (z.B. Abschmelzen der Gletscher und das durchschnittlich immer frühere Blühen der Pflanzen). Diese und weitere Informationen zu den Themen Klima und Wetter finden Sie z.B. in einem Artikel des Magazins Spektrum der Wissenschaft, hier kostenlos abrufbar.
      Von „Phantasiekonstruktionen“ – wie Sie es nennen – kann also keine Rede sein. Und bei einem wissenschaftlichen Konsens von „einer Gruppe von Pseudowissenschaftlern“ zu sprechen, halte ich für anmaßend.

      „Die von Ihnen angefuehrten Quellen halte ich fuer ungalaubwuerdig.“

      Wissenschaftliche Fachliteratur halten Sie für unglaubwürdig. Warum genau denken Sie das?

    • @Udo:

      Ich schrieb: „Üblich ist es in der Klimawissenschaft mindestens 30 Jahre zu betrachten“. Was sagen Sie zu diesem Punkt? Und wieso weichen Sie mir aus?

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