Unbewusster Placebo-Effekt

Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes mit wirkungslosen Pillen oder Scheinbehandlungen. Gemeint ist damit der Placebo-Effekt. Dass der auch unbewusst funktioniert, zeigen Forscher in einer Studie. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal PNAS. Die Wirkung käme offenbar nicht alleine durch die Erwartungshaltung der Patienten zustande. Es müsse Mechanismen geben, die unterschwellig ablaufen.

Neben dem Placebo- gibt es noch den Nocebo-Effekt. Er bewirkt, dass wirkstofffreie Substanzen oder wirkungslose Behandlungen gesundheitliche Verschlechterungen hervorrufen. Dabei handelt es sich keineswegs um Einbildungen. Beide Effekte sind messbar. Und bei beiden konnte nachgewiesen werden, dass sie auch unbewusst funktionieren, schreiben die Autoren der Arbeit.

Die Wissenschaftler führten zwei Experimente durch. Vorab gab es mehrere Trainingsdurchläufe. Dazu wurden insgesamt 40 Testpersonen Wärmequellen am Arm befestigt. Danach zeigte man ihnen Gesichter zweier verschiedener Männer. Die Wärmequelle war je nach Bild mal heißer und mal kühler. Auf diese Weise sollten die Teilnehmer die Fotos mit verschiedenen Schmerzreizen verbinden – von nicht schmerzhaft bis schmerzvoll. Anschließend wurden sie gebeten, auf einer von Null bis Hundert reichenden Skala den gefühlten Schmerz zu bewerten.

Das erste Experiment verlief nahezu gleich ab, erklären die Forscher. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass es 20 Teilnehmer waren und der Temperaturreiz sich nicht änderte. Von letzterem jedoch wussten sie nichts. Auch der zweite Test ging ähnlich vonstatten. Diesmal allerdings wurden die Gesichter auf den Fotos nur wenige Millisekunden eingeblendet. So kurz, dass es außerhalb dem bewusst Wahrnehmbaren liegt. In beiden Experimenten bewerteten die Testpersonen den Reiz immer dann als schmerzhaft, wenn die anfänglich mit Schmerzen in Verbindung gebrachten Bilder gezeigt wurden. Ganz egal, ob sie das Gesicht bewusst wahrnahmen oder nicht.

 

  • Jensen, Karin B., Ted J. Kaptchuk, Irving Kirsch, Jacqueline Raicek, Kara M. Lindstrom, Chantal Berna, Randy L. Gollub, Martin Ingvar & Jian Kong, 2012: Nonconscious activation of placebo and nocebo pain responses. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS), Ausgabe 109(39), Seiten 15959-15964. DOI: 10.1073/pnas.1202056109

  • Foto: SnaPsi Сталкер / flickr.com

EXTRA

Über Placebos, Anwendungsbeispiele und den Nocebo-Effekt – ein Radiobeitrag zum Nachhören. Kurz wir auch auf die Homöopathie eingegangen. Der Beitrag insgesamt dauert neun Minuten:

  • Deutschlandradio Kultur (Hrsg.), 2013: Kein Wirkstoff, große Wirkung. Auf einem Kongress in Tübingen diskutieren Mediziner über Placebos. Von Thomas Wagner, 27.01.2013

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Medizin, Psychologie, Wissen(schaft)

Eine Antwort zu “Unbewusster Placebo-Effekt

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