Gibt es heute mehr Eisbären als früher?

Sind Polarbären etwa doch nicht gefährdet? Hat sich der Bestand erholt? Gegenwärtig wird ihre Zahl auf weltweit 20 000 bis 25 000 geschätzt. Deutlich weniger sollen es vor circa 45 Jahren gewesen sein. Erklärungen dafür finden sich in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Demnach erscheint die Population heute größer als früher, da zum einen die Jagd auf Eisbären eingeschränkt wurde. Zum anderen sei die Forschung aufgrund internationaler Zusammenarbeit voran geschritten und daher die Datenerhebung genauer geworden. Außerdem wurde das Management der Polarbären verbessert. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung von Schutzgebieten, um ihren Lebensraum zumindest in Teilen zu erhalten.

Schon 1972 betrachtete ein weiterer Autor die früheren Schätzungen als „unzuverlässig“. Was er damit meinte, veranschaulichen folgende Beispiele: 1959 schätzte ein Forscherteam die Zahl der weltweiten Eisbärpopulation auf 17 000 bis 19 000. Fünf Jahre später kam ein anderer Wissenschaftler zum dem Schluss, es wären weit über 10 000 gewesen. 1965 belief sich die Schätzung eines weiteren Forschers auf 5000 bis 8000 Tiere. Er berichtigte sich Ende der 60er zusammen mit einem Kollegen und setzte die Zahl auf 10 000 bis 15 000. In einer anderen wissenschaftlichen Quelle ist die Rede von insgesamt 8000 bis 10 000 Polarbären. Als Zeitraum sind die Jahre 1965 bis 70 angegeben.

Von einer Entwarnung hinsichtlich der Populationsgröße kann folglich keine Rede sein. Auch heute noch gelten Eisbären als gefährdet.

 

  • Obbard, Martyn E., Gregory W. Thiemann, Elizabeth Peacock & Terry D. DeBruyn (Hrsg.), 2010: Polar bears: proceedings of the 15th Working Meeting of the IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group, Copenhagen, Denmark, 29 June–3 July 2009. IUCN: Gland, Schweiz

  • Servheen, Christopher, 1990: Status and conservation of the bears of the world. In: International Conference on Bear Research and Management Monograph, Ausgabe 2

  • Larsen, Thor, 1972: Air and Ship Census of Polar Bears in Svalbard (Spitsbergen). In: The Journal of Wildlife Management, Ausgabe 36(2), Seiten 562-570

  • Schliebe, S., Ø. Wiig, A, Derocher & N. Lunn (IUCN SSC Polar Bear Specialist Group), 2008: Ursus maritimus. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.2

  • Foto: Angell Williams / flickr.com

9 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Tiere, Umwelt, Wissen(schaft)

9 Antworten zu “Gibt es heute mehr Eisbären als früher?

  1. Martin

    „Dazu gehört beispielsweise die Erhaltung des Lebensräums.“ ??? Wie bitte? Die Polkappen schmelzen. Wir versuchen ansatzweise dies durch weniger CO2 Ausstoß zu verhindern, doch nicht in erster Linie um die Eisbären zu schützen, sondern um die globale Erwärmung zu stoppen. Und ob alle bisherigen und noch kommenden Maßnahmen überhaupt fruchten bleibt noch eine ganze Weile abzuwarten, aber es sieht nicht gut aus.

    Beste Grüße,
    Martin

    • Auch, wenn ich Ihrem Kommentar größtenteils zustimme, scheint eines nicht klar geworden zu sein. Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich ändere den von Ihnen zitierten Satz sofort. Er lautet nun:

      „Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung von Schutzgebieten, um ihren Lebensraum zumindest in Teilen zu erhalten.“

      Sie brauchen also keine ‚Angst‘ haben. Ich wollte mit meinem Beitrag keineswegs die Problematik der Eisbären schönreden. Meine Ausführungen zeigen vielmehr, dass die früheren Zahlen zur Eisbärpopulation nicht besonders aussagekräftig sind. Dazu passen auch die letzten beiden Sätze:

      „Von einer Entwarnung hinsichtlich der Populationsgröße kann folglich keine Rede sein. Auch heute noch gelten Eisbären als gefährdet.“

      Und wenn ich mir die Studienlage ansehe, ist diese Einschätzung von Schliebe et al. (2008) auch berechtigt.

      Beste Grüße
      Hagen Seiberling

    • Patrick Edensen

      „Die Polkappen schmelzen“. Das ist so nicht korrekt. Der Südpol nimmt momentan an Größe zu (natürlich für den Eisbär unerheblich).

  2. Martin

    Ja, dieser Satz hört sich gleich viel besser an.

    Beste Grüße,
    Martin

  3. Anonymous

    Wie hoch müsste die Population denn sein, um stabil zu bleiben?

    • Die Population ist seit etwa 10 Jahren stabil (Lunn et al. 2002). Dennoch gelten Eisbären als gefährdet, da mittelfristig aufgrund des Klimawandels (und anderen Einflüssen) mit einem erheblichen Rückgang der Population zu rechnen ist (mehr dazu hier).
      Ohne diese Einflüsse, müsste die Zahl der Eisbären mindestens 5000 betragen, damit die Art eine Überlebenschance hätte (Reed et al. 2003).

      Quellen:
      Lunn, Nicholas J., Scott Schliebe & Erik W. Born, 2002: Polar Bears: Proceedings of the 13th Working Meeting of the IUCN/SSC Polar Bear Specialist Group, Nuuk,
      Greenland. IUCN: Gland, Switzerland

      Reed, David H., Julian J. O’Grady, Barry W. Brook, Jonathan D. Ballou & Richard Frankham, 2003: Estimates of minimum viable population sizes for vertebrates and factors influencing those estimates. In: Biological Conservation, Ausgabe 113(1), Seiten 23–34. DOI: 10.1016/S0006-3207(02)00346-4

  4. Pingback: Eisbär und Klimawandel sind keine Freunde | :Wissenschaft und Schreie.

Ergänzungen, Meinungen, Fragen, ... :

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s