CO2-Anstieg – Pflanzenwachstum – bessere Ernten?

Pflanzen brauchen Kohlendioxid zum Wachsen. Der Klimawandel könnte sich folglich positiv auf Ernteerträge auswirken. Zwei kürzlich erschienene Studien untermauern das Gegenteil. Veröffentlicht wurden sie in den wissenschaftlichen Fachmagazinen Plant Physiology sowie Global Change Biology.

Getreide ist heutzutage auf hohe Kornerträge ausgerichtet. Erreicht wird dies mithilfe von Sorten, denen kurze Halme angezüchtet wurden. So gewinnen sie an Stabilität und können mehr Körner tragen. Darauf fußt die weltweite Ernährungsgrundlage. Nun allerdings legt erstere Studie nahe, dass der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre die kurzhalmigen Getreidesorten wieder länger werden lässt. Das CO2 gleiche ein zuvor durch Züchtung blockiertes Wachstumshormon aus und nehme den Pflanzen allmählich die erwünschte Kurzhalmigkeit, schreiben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie und der Universität Potsdam. Längere Halme jedoch können weniger Körner tragen und brechen leichter. Infolgedessen ist mit geringeren Erträgen zu rechnen. Beobachten konnten sie das Wachstum der Halme an Modellpflanzen namens Acker-Schmalwand.

In der zweiten Studie stellten schwedische Forscher eine Minderung der Getreidequalität fest. Dazu analysierten sie 57 wissenschaftliche Arbeiten, darunter Feld- und Laborexperimente. 24 verschiedene Weizensorten wurden berücksichtigt. Im Ergebnis machten sie geringere Proteingehalte in den Körnern und somit schlechtere Nährwerte aufgrund erhöhter CO2-Konzentrationen aus.

 

  • Ribeiro, Dimas M., Wagner L. Araújo, Alisdair R. Fernie, Jos H.M. Schippers & Bernd Mueller-Roeber, 2012: Action of Gibberellins on Growth and Metabolism of Arabidopsis Plants Associated with High Concentration of Carbon Dioxide. In: Plant Physiology, Ausgabe 160(4), Seiten 1781-1794. DOI: 10.1104/pp.112.204842

  • Pleijel, Håkan & Johan Uddling, 2012: Yield vs. Quality trade-offs for wheat in response to carbon dioxide and ozone. In: Global Change Biology, Ausgabe 18(2), Seiten 596-605. DOI: 10.1111/j.1365-2486.2011.2489.x

  • Foto: Falk Lademann / flickr.com

6 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Pflanzen, Wissen(schaft)

6 Antworten zu “CO2-Anstieg – Pflanzenwachstum – bessere Ernten?

  1. Nicht zu vergessen, sind in diesem Zusammenhang andere, das Pflanzenwachstum wesentlich beeinflussende Faktoren: z.B. Wasser, Stickstoff und Phosphor. Schon deshalb kann ein Mehr an CO2 ALLEINE kaum zu einem positiven Pflanzenwachstum und somit Ertragssteigerungen führen.

    Außerdem ist infolge des Klimawandels mit vermehrten Wetterextremen zu rechnen (z.B. Dürren, Hitzewellen). Daher wird der oben erwähnte Faktor Wasser regional eher weniger, was zu weniger Ernteerträgen führt, und nicht zu mehr.

    Dies nur, um einige weitere Beispiele zu nennen, die gegen Ertragssteigerungen infolge des Klimawandels sprechen. Unter dem Strich ist also von Ertragseinbußen, also weniger Ernteerträgen auszugehen.

  2. Patrick Paulsen

    Mh.. das klingt ziemlich interessant. Dennoch wäre ich lieber für kurze Halme mit vielen Körner. In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze😉. Ein weiterer Grund weiter Energie-effizienter zu wirtschaften.

    • @Patrick Paulsen: Nicht nur, dass „In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze“ liegt, längere Halmen haben eben auch noch diese im Artikel erwähnten Nachteile:

      „Längere Halme jedoch können weniger Körner tragen und brechen leichter. Infolgedessen ist mit geringeren Erträgen zu rechnen.“

      Nur zur Klarstellung. Nicht das der Eindruck entsteht, der einzige Nachteil des Klimawandels wäre das Längerwerden der Halme und der Verlust der „Würze“.

  3. Patrick Paulsen

    Nein, ich denke du hast das Thema ganz gut erläutert. Ich wusste bis vor deinem Artikel gar nicht, dass CO2 so einen Einfluss auf unsere direkte Ernte hat. Natürlich kennen wir die jährlichen Naturkatastrophen, aber Auswirkungen auf die Konsistenz sind mir neu.😉

  4. Håkan Pleijel von der Universität Göteborg und Erstautor der zweiten oben genannten Studie spricht in einem Beitrag im Deutschlandfunk über das Proteinproblem.

    Quelle:
    Deutschlandradio, Deutschlandfunk (Hrsg.), 2013: Mehr CO2 bedeutet weniger Proteine im Weizen. Ökologen warnen vor dem „versteckten Hunger“. Von Lucian Haas, 06.03.2013

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