Polarkreise: wachsende und schmelzende Eismassen?

Warum nimmt das antarktische Meereis zu, während es in der Arktis schrumpft? Ein Widerspruch in Zeiten des Klimawandels? Nein, es liegt am Wind und unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten, schreiben Forscher in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Die Arbeit erschien in dem wissenschaftlichen Fachjournal Nature Geoscience.

Einhergehend mit dem Klimawandel schmelzen die arktischen Eismassen seit den vergangenen Jahrzehnten in erheblichem Maße. Demgegenüber wachse das antarktische Eis unter dem Strich leicht. Was bedeute, dass es regional sowohl große Volumenverluste, als auch Zuwächse gebe. Ersteres sei ein Phänomen des antarktischen Gletschereises, letzteres beträfe das Meereis der Antarktis. Dazu geführt, hätten verstärkt auftretende, nach Norden strömende Winde. Diese würden das Eis aus der Antarktis nach außen in die Randbereiche blasen und so die Fläche vergrößern. Begünstigt würde der Vorgang durch Schwankungen der Lufttemperaturen, welche ebenfalls von den Winden ausgingen. In der Arktis hingegen sei das nicht möglich, da der arktische Ozean von Landmassen umgeben ist, die eine derartige Ausbreitung des Eises verhindere.

Meereseis bewegt sich von Natur aus stetig – aufgrund der Winde. Jedoch seien die antarktischen Eisbewegungen stärker als gewöhnlich. Seit 1992 hätte sich die sogenannte Eisdrift verändert. In einigen Gebieten habe eine Verdopplung der Zunahme stattgefunden; anderenorts schwand das Eis maßgeblich.

Die Wissenschaftler stützen ihre Forschungsergebnisse auf Daten von vier meteorologischen Satelliten. Innerhalb von 19 Jahren führten sie mehr als fünf Millionen Messungen durch, welche die täglichen Eisbewegungen erfassten. Damit seien erstmalig Langzeitveränderungen des antarktischen Meereises dokumentiert.

Nicht zu unterschätzen, sei die Rolle des Meereises im globalen Zusammenhang: Es reflektiert Sonnenenergie und leistet somit einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt des Weltklimas. Ohne die Eismassen würden die Temperaturen auf der Erde erheblich steigen.

[Update: siehe Kommentare]

 

  • Holland, Paul R. & Ron Kwok, 2012: Wind-driven trends in Antarctic sea-ice drift. In: Nature Geoscience. DOI: 10.1038/ngeo1627

  • Foto: jjunyent / flickr.com

2 Kommentare

Eingeordnet unter Klima, Wissen(schaft)

2 Antworten zu “Polarkreise: wachsende und schmelzende Eismassen?

  1. Ergänzende Studie bzw. ergänzender Artikel dazu:

    – science.ORF.at, 2012: Eisschild schrumpft jährlich um 200 Mrd. Tonnen. Vom 20.11.2012
    – Harig, Christopher & Frederik J. Simons, 2012: Mapping Greenland’s mass loss in space and time. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1206785109

  2. UPDATE (30.11.2012): Das ist Wissenschaft! Gerade zehn Tage ist es her, dass ich obigen Artikel verfasst habe. Und nun wird heute eine neue Studie im wissenschaftlichen Fachmagazin Science veröffentlicht – die wohl umfangreichste Analyse von Satellitendaten bisher. In der Folge gelangt das Forscherteam zu einem anderen Ergebnis. Während Holland & Kwok (2012), wie in meinem Beitrag beschrieben, noch insgesamt eine leichte Zunahme der antarktischen Eismassen feststellten, belege die neue Arbeit einen klaren Rückgang. Zudem fand das Team heraus, dass 20 Prozent des Meeresspiegelanstiegs auf das Konto der Eissschmelze gehe.

    So sollte Wissenschaft sein: stetig im Wandel und sich selbst überprüfend.

    Artikel über die Studie:
    – Scinexx, 2012: Polareis schwindet auch in der Antarktis rapide. Vom 30.11.2012

    Neue Studie:
    – Shepherd, Andrew, Erik R. Ivins, Geruo A, Valentina R. Barletta, Mike J. Bentley, Srinivas Bettadpur, Kate H. Briggs, David H. Bromwich, René Forsberg, Natalia Galin, Martin Horwath, Stan Jacobs, Ian Joughin, Matt A. King, Jan T. M. Lenaerts, Jilu Li, Stefan R. M. Ligtenberg, Adrian Luckman, Scott B. Luthcke, Malcolm McMillan, Rakia Meister, Glenn Milne, Jeremie Mouginot, Alan Muir, Julien P. Nicolas, John Paden, Antony J. Payne, Hamish Pritchard, Eric Rignot, Helmut Rott, Louise Sandberg Sørensen, Ted A. Scambos, Bernd Scheuchl, Ernst J. O. Schrama, Ben Smith, Aud V. Sundal, Jan H. van Angelen, Willem J. van de Berg, Michiel R. van den Broeke, David G. Vaughan, Isabella Velicogna, John Wahr, Pippa L. Whitehouse, Duncan J. Wingham, Donghui Yi, Duncan Young & H. Jay Zwally, 2012: A Reconciled Estimate of Ice-Sheet Mass Balance. In: Science, Ausgabe 338(6111), Seiten 1183-1189. DOI: 10.1126/science.1228102

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