Weniger Meeresfrüchte wegen Versauerung der Meere?

Der menschengemachte Klimawandel lässt die Ozeane versauern. Davon betroffen sind beispielsweise Muscheln, Meeresschnecken, Seeigel und Armfüßer. Durch die Versauerung könnten ihre Skelette sowie Schalen leichter und dünner werden, wie ein Forscherteam in dem wissenschaftlichen Fachjournal Global Change Biology schreibt. Dies würde sie anfälliger für Feinde machen. Folglich könnte es zukünftig weniger Meeresfrüchte für den menschlichen Verzehr geben.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die vier genannten Tiergruppen an zwölf verschiedenen Orten weltweit. Dafür nahmen sie Proben von den Tropen bis zu den Polen. Sie bestimmten die natürliche Bandbreite ihrer Schalendicke und Skelettgröße. Ziel war es, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede auszumachen und so Vorhersagen über die Folgen der Ozeanversauerung für die Tiere zu treffen. Die Forscher fanden heraus, dass ihre Skelett- und Schalenbildung betroffen ist. Da die Ergebnisse von der Arktis, über England und Australien, bis zur Antarktis ähnlich seien, schließen sie auf ein weit verbreitetes Phänomen unter marinen Arten. Die dünnsten und leichtesten Schalen und Skelette hätten die Tiere der Polarmeere.

Einen Großteil des ausgestoßenen Kohlendioxids nehmen die Weltmeere auf. Im Zuge dessen erhöht sich der Säuregehalt im Wasser. Damit einhergehend verringert sich dort die Verfügbarkeit von Calciumkarbonat. Auf diese chemische Verbindung jedoch sind Muscheln, Schnecken und Co bei der Schalen- sowie Skelettbildung angewiesen.

Ob sich die betroffen Tiergruppen an die prognostizierten Auswirkung des Klimawandels anpassen können, hängt laut den Wissenschaftlern von der Geschwindigkeit der Versauerung ab. Die Tiere bräuchten genügend Zeit.

 

  • Watson, Sue-Ann, Lloyd S. Peck, Paul A. Tyler, Paul C. Southgate, Koh Siang Tan, Robert W. Day & Simon A. Morley, 2012: Marine invertebrate skeleton size varies with latitude, temperature and carbonate saturation: implications for global change and ocean acidification. In: Global Change Biology. DOI: 10.1111/j.1365-2486.2012.02755.x
  • Foto: lisa_eglinton / flickr.com

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Ernährung, Klima, Tiere, Wissen(schaft)

Eine Antwort zu “Weniger Meeresfrüchte wegen Versauerung der Meere?

  1. Ergänzend dazu, ein Beitrag von DRadio Wissen (24.Okt. 2012, 16:33 Uhr) über eine aktuelle Studie:

    Ozeanversauerung hemmt Wachstum von Seeigellarven

    Versauertes Ozeanwasser macht auch den Seeigeln zu schaffen.

    Meeresbiologen und Humanmediziner haben zusammen herausgefunden, wie der gesunkene pH-Wert des Wassers das Wachstum von Seeigellarven beeinträchtigt.

    Demnach benötigen die Köperzellen, die das Kalziumskelett der winzigen Larven herstellen, konstante Bedingungen. Durch die saure Umgebung müssten sie mehr Energie aufwenden, um ihren internen pH-Wert aufrecht zu erhalten. Diese Energie stehe dann nicht mehr für die ablaufenden Wachstumsprozesse zur Verfügung. Aufgrund der Verzögerung erhöht sich den Forschern zufolge wiederum das Risiko der Larven, einem ihrer zahlreichen Fressfeinde zum Opfer zu fallen – zum Schaden der gesamten Seeigelpopulation.

    Das Meerwasser versauert, weil es das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt.

    Studie:
    Stumpp, M., Hu, M.Y., Melzner, F., Gutowska, M.A., Dorey, N., Himmerkus, N., Holtmann, W., Du-pont, S.T., Thorndyke, M.C. & Bleich, M., 2012: Acidified seawater impacts sea urchin larvae pH regulatory systems relevant for calcification. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1209174109

Ergänzungen, Meinungen, Fragen, ... :

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s