Pferde-Brandzeichen: unzuverlässig und schädlich

Große Nutztiere werden traditionellerweise mit Brandzeichen gekennzeichnet. Auch bei Pferden ist das vielfach noch der Fall. Nun sind Forscher erstmalig der Frage der Zuverlässigkeit jener Markierungen nachgegangen. Sie berichten darüber in dem wissenschaftlichen Fachblatt The Veterinary Journal. Demnach haben erfahrene Tester nur bei 40 Prozent der 248 untersuchten Pferde die Brandzeichen richtig erkannt. Zudem stellten die Forscher schwere Verbrennungen fest.

Zur Überprüfung der Lesbarkeit baten die Wissenschaftler drei erfahrene Fachleute die Markierungen zu bestimmen. Bei den untersuchten Pferden handelte es sich um Turnierteilnehmer. Brandzeichen bestehen hierzulande und in Österreich in der Regel aus einem Symbol für die Rasse sowie einer mehrstelligen, individuellen Nummer. Die Rassesymbole erkannten die Tester übereinstimmend richtig in 84 Prozent der Fälle. Die Nummern für die Bezeichnung der einzelnen Tiere identifizierten die Testpersonen bei 40 Prozent der etwa 250 Pferde korrekt.

Zusätzlich kontrollierten die Forscher die Brandzeichen 28 toter Pferde. Bei neun Tieren konnten die Nummern richtig entziffert werden. Bei sechs Pferden waren die Markierungen komplett unleserlich. Insgesamt bestätigen jene Ergebnisse die vorangegangenen Untersuchungen durch die Tester, schreiben die Autoren der Studie.

Weiterhin untersuchten die Wissenschaftler die Haut unter den Brandzeichen. Bei nahezu allen Pferden entdeckten sie dort klare Gewebeschäden. Vergleichbar seien sie mit abgeheilten Verbrennungen dritten Grades.

Hinzu komme eine zunehmende Zahl von Autoren, die auf Stressbelastungen bei Fohlen infolge dieser Methode aufmerksam machen und sie daher nicht mit dem Tierschutz vereinbar sehen. Trotzdem seien viele Pferdezüchter von dem Fohlenbrennen überzeugt. Gemacht werde es, um einzelne Tiere eindeutig identifizieren zu können. Wichtig ist das beispielsweise für Tierärzte bei der Seuchenbekämpfung sowie für Züchter und Pferdesportler, die sich gegen Betrüger schützen wollen.

Als Alternative käme das Chippen infrage. In der Europäischen Union sei dies mittlerweile Vorschrift. Trotzdem würden beispielsweise deutsche und österreichische Zuchtverbände Brandzeichen für einzelne Pferde akzeptieren. Den Züchtern blieben dadurch unter anderem die hohen Anschaffungskosten für die Chips erspart. Dann wiederum hätten die Pferde das Nachsehen.

 

  • Aurich, J.E., P. Wohlsein, M. Wulf, M. Nees, W. Baumgärtner, M. Becker-Birck& C. Aurich, 2012: Readability of branding symbols in horses and histomorphological alterations at the branding site. In: The Veterinary Journal, im Druck. DOI: 10.1016/j.tvjl.2012.07.006

  • Foto: Janina Briesemeister / pixelio.de

2 Kommentare

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

2 Antworten zu “Pferde-Brandzeichen: unzuverlässig und schädlich

  1. Bernhard

    Inzwischen ist das Chippen viel mehr als eine Alternative zum Brandzeichen geworden. Hier können viel mehr Informationen verarbeitet werden und das Pferd erlebt das ganze als stressfrei. Brennen ist nicht mehr als eine hoffnungslos veraltete Tradition!

  2. Pingback: Stier kastriert Tierschutzgesetz: Tieropfer für Lobbyinteressen | implizites

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