Lichtverschmutzung begünstigt Depressionen

Nachts wird es nicht mehr richtig dunkel, besonders in den Städten. Irgendwo brennen immer Lichter. Weniger sichtbare Sterne am Himmel sind die Folge. Nun fanden Forscher Hinweise auf eine weitere Auswirkung dieser Lichtverschmutzung. Sie berichten davon in dem wissenschaftlichen Fachblatt Molecular Psychiatry. In Versuchen mit Hamstern zeigten sich klare depressionsähnliche Anzeichen. Schon schwache Lichtquellen würden ausreichen, wie beispielsweise der nächtliche Schimmer von Straßenlaternen oder einem laufenden Fernseher. Sie führten zu Verhaltensänderungen bei den Tieren, einer Störung der inneren Uhr und des Hirnstoffwechsels. Allerdings seien die Folgen umkehrbar. Das Entfernen der störenden Lichter normalisierte den Gemütszustand der Nager nach zwei Wochen. Die Wissenschaftlicher vermuten einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden nächtlichen Lichtverschmutzung und der steigenden Zahl depressiver Menschen.

Hielten die Forscher die Hamster nachts nicht bei Dunkelheit, sondern schwachem Licht, machten sich nach vier Wochen deutliche depressionsähnliche Symptome bemerkbar. Diese äußerten sich in einer geringen Aktivität der Tiere und einem Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn. Derartige Anzeichen seien auch bei Menschen mit einer schweren Depression bekannt. Sogar Zuckerwasser rührten die Nager kaum noch an, was sehr ungewöhnlich sei.

Ihre Verhaltensexperimente führten die Wissenschaftler mit einzeln gehaltenen, weiblichen Hamstern durch. Acht Wochen dauerte das. Um hormonelle Einflüsse ausschließen zu können, entfernten sie ihnen die Eierstöcke. Einige der Tiere wurden bei einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus gehalten – 16 Stunden Licht und acht Dunkelheit. Die andere Hälfte war nachts einem schwachen Licht von fünf Lux ausgesetzt. Das entspräche ungefähr dem Licht, den ein Fernseher in einem dunklen Raum ausstrahlt. Im Anschluss an die Versuchszeit töteten sie die Tiere und untersuchten ihre Gehirne auf depressionstypische Veränderungen.

Auch andere Studie hätten bereits Auswirkungen nächtlicher schwacher Lichtquellen nachgewiesen: Übergewicht und ebenfalls Depressionen. Von Lichtverschmutzungen in der Nacht seien 99 Prozent der US-Amerikaner und Europäer betroffen.

 

  • Bedrosian, T. A., Z. M. Weil & R. J. Nelson, 2012: Chronic dim light at night provokes reversible depression-like phenotype: possible role for TNF. In: Molecular Psychiatry. DOI: 10.1038/mp.2012.96

  • Foto: Olek389 / pixelio.de

EXTRAS

Einen Eindruck eines Sternenhimmels ohne Lichtverschmutzung liefern folgende zwei Videos:

7 Kommentare

Eingeordnet unter Psychologie, Umwelt, Wissen(schaft)

7 Antworten zu “Lichtverschmutzung begünstigt Depressionen

  1. Danke an Florian Freistetter für den Hinweis auf die beiden Videos in seinem Blog.

  2. Chris Mail

    Neben der Sehnsucht nach Sternenhimmeln deprimieren mich Tierversuche.

  3. Passend dazu eine weitere Studie und ein Artikel darüber:
    – derStandard.at (Hrsg.), 2012: Wie Licht Stimmung macht. Von Klaus Taschwer, 15.11.2012
    – LeGates, Tara A., Cara M. Altimus, Hui Wang, Hey-Kyoung Lee, Sunggu Yang, Haiqing Zhao, Alfredo Kirkwood, E. Todd Weber & Samer Hattar, 2012: Aberrant light directly impairs mood and learning through melanopsin-expressing neurons. In: Nature. Doi:10.1038/nature11673

  4. Chris Mail

    Artikel gelesen.

    Wissenschaft ohne Ethik ist in meinen Augen schlechte Wissenschaft.

    Ich kann sagen, das Leid von Depressionen ist keine Kleinigkeit. Auch die Winterdepression ist unschön.
    Als eine von Kindheit an mit – wohl nicht durch Lichtverschmutzung verursachte – Depressionen Kämpfende und in der entsprechenden Psychiatrieerfahrung auch schon mal Labormaus spielen Sollende, stehen diese Tierversuche für mich in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn.

    Wie kamen „ihre“ (der Forscher) Mäuse zu dem Defekt der fehlenden fotosensitiven Ganglienzellen? Gezüchtet oder wie bei den oben erwähnten Hamstern (in dem Fall betraf es die Eierstöcke, s.o.) mal eben so eingerichtet?

    Aber es gibt ja auch gute Nachrichten:
    „Langfristige Behandlungen mit den Antidepressiva Fluoxetin (dem Wirkstoff in Prozac) und Desipramin hat bei den traurigen Tieren mit dem Siebenstundentag einige der depressiven Verhaltensmuster wieder rückgängig gemacht.“
    Na, da gibt es dann doch noch Gewinner. Die Hersteller von Prozac.

    • @Chris Mail:

      Wissenschaft ohne Ethik ist in meinen Augen schlechte Wissenschaft.

      Ich denke, dass beides unbedingt zusammengehört, also Wissenschaft und Ethik. In diesem Punkt gibt es in der Wissenschaft meiner Meinung nach großen Nachholbedarf.

      Wie kamen „ihre“ (der Forscher) Mäuse zu dem Defekt der fehlenden fotosensitiven Ganglienzellen?

      Die Mäuse mit dem Defekt wuchsen im Labor der Forscher der Studie auf. Dort wurden ihnen die fotosensitiven Zellen entfernt.

      • Chris Mail

        Kann ich aus Deiner Meinung bezüglich des ethischen Nachholbedarfs in der Wissenschaft (was natürlich pauschalisierend ausgedrückt ist, „die“ Wissenschaft gibt es ja nicht) schließen, dass auch Du der Meinung bist,
        dass die in den beschriebenen Studien durchgeführten Versuche unethisch – da unverhältnismäßig – sind?

        Ich würde mich gern auf einen Standpunkt stellen, der jegliche Tierversuche ablehnt, aber das erscheint mir naiv/illusionär.

        Es stößt mir aber bitter auf, dass von Tierversuchs-Verteidigern immer wieder behauptet wird, der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit von Tierversuchen zum Erkenntnisgewinn und die 3-R-Strategie (http://pro-forschung.de/de/alternative-methoden/konzept-der-3r.html) werde doch längst angewendet, wenn ich immer wieder von Studien (s.o.) lese, bei denen ich das nicht feststellen kann.

        Zugegeben ich bin Laie, eine naturwissenschaftliche Niete und ich vermute eine hohe Komplexität der Sache.

        (Zu meinem obigen Kommentar: Es muss natürlich heißen „Das Leid bei Depressionen“ statt das „Leid von Depressionen“)

      • (…) was natürlich pauschalisierend ausgedrückt ist, „die“ Wissenschaft gibt es ja nicht (…)

        Genau, da habe ich es mir einfach gemacht und die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen unter „Wissenschaft“ zusammengefasst.

        Ich würde mich gern auf einen Standpunkt stellen, der jegliche Tierversuche ablehnt, aber das erscheint mir naiv/illusionär.

        Tierversuche sind nicht gleich Tierversuche. Da sollte man unterscheiden. Denn auch ein Experiment, bei dem Ratten sich in einem Labyrinth zurecht finden und ihre Intelligenz beweisen sollen, kann als Tierversuch gesehen werden (Und die Ergebnisse dessen, könnten letztlich auch der Spezies Ratte zugute kommen, da es leichter ist, einen Schutz intelligenter Tiere in der Bevölkerung und politisch durchzusetzen). Demgegenüber stehen dann Experimente, bei denen Tiere z.B. seziert werden (was in der Regel nicht der Art zugute kommt). Daher ist es meiner Meinung nach wenig sinnvoll, pauschal ein Verbot zu fordern. Aus einer Forderung nach einem Verbot von Tierversuchen müsste deshalb deutlich hervorgehen, welche Tierexperimente explizit gemeint sind.

        Kann ich aus Deiner Meinung bezüglich des ethischen Nachholbedarfs in der Wissenschaft (was natürlich pauschalisierend ausgedrückt ist, „die“ Wissenschaft gibt es ja nicht) schließen, dass auch Du der Meinung bist,dass die in den beschriebenen Studien durchgeführten Versuche unethisch – da unverhältnismäßig – sind?

        Soweit ich das hinsichtlich der beiden Studien beurteilen kann, ja.

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