Aus im Halbfinale: Leitungswasser besiegt Mineralwasser

In der aktuellen Ausgabe des Verbrauchermagazins test von der Stiftung Warentest wurden stille Mineralwässer untersucht. Im Ergebnis enthielten sie oftmals deutlich weniger Mineralstoffe als Leitungswasser. Keines der getesteten Wässer könne ohne Einschränkungen empfohlen werden. Manche seien für immunschwache Menschen ungeeignet. Hinsichtlich des Preises liege Leitungswasser ebenfalls klar vorne. Auch bei Wasser für Säuglinge sei Vorsicht geboten. Demgegenüber halte Leitungswasser zu 99 Prozent die strengen gesetzlichen Vorgaben ein. Es sei von allen Lebensmittel am besten kontrolliert. 29 stille Mineralwässer und ein Quellwasser wurden insgesamt geprüft. Darunter fanden sich Marken- sowie Discounter-Produkte.

Am schlechtesten schnitten die Handelsmarken Black Forest und Saskia Naturis ab, so die Stiftung Warentest. Letztere stammt von Lidl. In beiden Wässern sei der Gehalt an Mineralstoffen unter 50 Milligramm pro Liter. Etwa 66 Prozent aller getesteten Wässer hätte einen Wert unter 500 Milligramm. Doch auch das sei wenig. Noch vor circa 30 Jahren wäre das anders gewesen. Damals hätte ein natürliches Mineralwasser nur als solches bezeichnet werden dürfen, wenn es mindestens 1000 Milligramm je Liter aufweisen konnte. Der Sieger unter den Stillen in Sachen Mineralstoffkonzentrationen sei Contrex, mit 2000 Milligramm.

Krankheitserreger fanden die Tester nicht, wie die Zeitschrift schreibt. Gesetzlich sei daher in dieser Hinsicht nichts zu beanstanden. Bei einer Überprüfung nach strengeren Kriterien seien jedoch in zwölf der 30 Wässer Keime gefunden worden, die Immunschwachen schaden könnten. Dazu zählen alte Menschen, Krebs- und Aidskranke sowie Säuglinge. Deshalb sollten jene Personenkreise die betroffenen Wässer abkochen. Ähnliches habe ein Test vor 15 Jahren schon ergeben.

Arznei- und Pflanzenschutzmittel wurden nicht gefunden. In Quellbrunn Naturell von Aldi (Nord) fanden sich Hinweise auf mögliche Verunreinigungen mit Abwässern. Aus gesundheitlicher Sicht sei dies aber unbedenklich.

Schließlich plädiert die Stiftung Warentest für die Festlegung gesetzlich bindender Grenzwerte, beispielsweise für Pestizide und Uran. Für Leitungswasser gäbe es das; für Mineral- und Tafelwasser nur bei entsprechenden Säuglings-Produkten. Die meisten Proben enthielten kein Uran. Bei einigen wenigen wäre die Konzentration unterhalb des Grenzwertes für Babys.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Wässer mit merkwürdigem Plastik-Geschmack sei zurückgegangen. Ursächlich dafür sei zuvor Acetaldehyd gewesen, ein Bestandteil der Kunststoffflaschen. Auch hier wäre gesundheitlich nichts auszusetzen.

Zu guter Letzt spräche der Preis  für das Leitungswasser. Während ein Liter davon in Köln beispielsweise 0,3 Cent koste, müsse der Verbraucher für die selbe Menge des günstigsten getesteten Mineralwassers 13 Cent bezahlen. Das Fazit des test-Magazins: „Das Schleppen von Wasserflaschen lohnt sich (..) meist nicht.“

 

  • Stiftung Warentest (Hrsg.), 2012: Stille Mineralwässer. Mineralstoffe Mangelware. Test 07/2012, Seiten 22-29

5 Kommentare

Eingeordnet unter Ernährung, Wissen(schaft)

5 Antworten zu “Aus im Halbfinale: Leitungswasser besiegt Mineralwasser

  1. Das bestätigt die schon länger immer wieder geführte Diskussion, warum die Deutschen teures Wasser kaufen, obwohl ihr Leitungswasser zu Hause im Durchschnitt wesentlich bessere Qualität hat. Wahscheinlich liegt es aber auch daran, dass Veröffentlichungen des Bundesgesundheitsministeriums kaum noch zur Kenntnis genommen werden, auch wenn DIE ZEIT darüber berichtet hat. Irgendwie haben die Deutschen kein rechtes Vertrauen in die Betreiber der Trinkwasseraufbereitungsanlagen…

  2. [Update] Folgende Abschnitte sind hinzugekommen:

    „Demgegenüber halte Leitungswasser zu 99 Prozent die strengen gesetzlichen Vorgaben ein. Es sei von allen Lebensmittel am besten kontrolliert.“

    „Zu guter Letzt spräche der Preis für das Leitungswasser. Während ein Liter davon in Köln beispielsweise 0,003 Cent koste, müsse der Verbraucher für die selbe Menge des günstigsten getesteten Mineralwassers 13 Cent bezahlen. Das Fazit des test-Magazins: „Das Schleppen von Wasserflaschen lohnt sich daher meist nicht.”“

  3. Achtung! [Update]:
    Die Stiftung Warentest hat einen Fehler gemacht: Es muss 0,3 Cent (oder 0,003 Euro) heißen, nicht 0,003 Cent (siehe Kommentare).

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