Bleimunition vergiftet Kondore

Sie sind vom Aussterben bedroht. Fast ein Drittel der Kalifornischen Kondore leidet an chronischen Bleivergiftungen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus dem wissenschaftlichen Fachmagazin PNAS. Zudem hätten jährlich etwa 20 Prozent der Vögel eine so hohe Menge des Schwermetalls im Blut, dass sie klinisch behandelt werden müssten, um ihren Tod abzuwenden. Vor allem bleihaltige Munition, wie sie bei der Jagd verwendet wird, sei ursächlich dafür.

Da sich Kondore überwiegend vom Aas großer Säugetiere ernähren, würden sie das giftige Blei aufnehmen, wenn sie zuvor angeschossene Tiere oder liegen gelassene, belastete Kadaverreste äßen. In 79 Prozent aller Fälle stammte es aus den Jagdgeschossen und Schrotpatronen der Waidmänner. Im Körper der Vögel störe das Schwermetall die Herstellung roter Blutkörperchen. In der Folge könne es zum Tode kommen.

Wie vergleichsweise hoch die Konzentration sei, die in ungefähr 20 Prozent der Kondore festgestellt wurden, zeige eine Empfehlung einer US-amerikanischen Behörde. Demnach rate das Seucheninstitut Centers for Disease Control and Prevention ab diesem Wert zu einer Entgiftung bei Kindern.

Von 1997 bis 2010 ermittelten die Forscher die Bleikonzentration im Blut der frei lebenden Kalifornischen Kondore. Insgesamt untersuchten sie über 1150 Proben von 150 Individuen. Den Nachweis über die Herkunft des Bleis erbrachten sie mithilfe von Blei-Isotopen.

Nur langsam begänne die Forschung zu verstehen, welche Arten noch von bleihaltiger Munition betroffen sind, fügen die Wissenschaftler hinzu. In der Vergangenheit brachten andere Studien ähnliche Ergebnisse hervor. Sie belegen zum Beispiel Bleivergiftungen bei Steinadlern im deutschsprachigen Alpenraum sowie weltweit bei diversen weiteren Vogelarten.

Gegenwärtig gäbe es circa 200 Kalifornische Kondore in freier Wildbahn, wie die Autoren der Studie schreiben. Vor 30 Jahren wären es weltweit nur noch 22 Exemplare gewesen. Würden sie seit jener Zeit nicht ständig in Schutzprogrammen überwacht, gezüchtet, entgiftet und ausgewildert, wären sie schon ausgestorben.

Auch wenn Bleimunition in Kalifornien seit wenigen Jahren zum Teil verboten sei, stellte sich bislang keine Verbesserung der Lage ein. Der Haken hierbei sei, dass es nur einer kleinen Zahl Menschen bedarf, die das Gesetz missachten. Dies würde ausreichen, um die Population weiterhin zu gefährden. Daher sei es dringend erforderlich das Problem zu lösen. Andernfalls sähe die Zukunft des Kalifornischen Kondors schlecht aus.

 

  • Finkelstein, Myra E., Daniel F. Doak, Daniel George, Joe Burnett, Joseph Brandt, Molly Church, Jesse Grantham & Donald R. Smith, 2012: Lead poisoning and the deceptive recovery of the critically endangered California condor. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.1203141109

  • Kenntner, Norbert, Yvon Crettenand, Hans-Joachim Fünfstück, Martin Janovsky, Frieda Tataruch, 2007: Lead poisoning and heavy metal exposure of golden eagles (Aquila chrysaetos) from the European Alps. In: Journal of Ornithology, Augabe 148(2), Seiten 173-177. DOI: 10.1007/s10336-006-0115-z

  • Fisher, Ian J., Deborah J. Pain& Vernon G. Thomas, 2006: A review of lead poisoning from ammunition sources in terrestrial birds. In: Biological Conservation, Ausgabe 131(3), Seiten 421-432. DOI: 10.1016/j.biocon.2006.02.018

2 Kommentare

Eingeordnet unter Tiere, Wissen(schaft)

2 Antworten zu “Bleimunition vergiftet Kondore

  1. so viel angeschossenes Wild kann doch gar nicht rumliegen – dass diese in Einsamkeit lebenden Vögel solche Vergiftung bekommen ………

    • @freudefinder:
      Falls Sie meinen, dass meine Formulierung missverständlich ist, haben Sie recht. Ich habe sie geändert. Der Satz lautet nun: „Da sich Kondore überwiegend vom Aas großer Säugetiere ernähren, würden sie das giftige Blei aufnehmen, wenn sie zuvor angeschossene Tiere oder liegen gelassene, belastete Kadaverreste äßen.“ Ich hoffe, dass es nun verständlicher ist.
      Dass jedoch jagdlich genutzte Munition ursächlich ist, lässt sich aufgrund der Isotopen-Analyse nicht so einfach von der Hand weisen. Bei 79 Prozent kann von Zufällen keine Rede mehr sein.

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