Lebensmittelkonsum – nicht immer appetitlich

Teil 2 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Jeglicher Konsum von Lebensmitteln geht mit negativen Folgen für die Umwelt einher. Tierische Produkte schneiden hier besonders schlecht ab. Zu diesem Ergebnis kommt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)[1] in seinem aktuellen Gutachten. So erfordere die Herstellung tierischer Lebensmittel wesentlich mehr Fläche pro Kalorie und sei durchschnittlich bedeutend umweltbelastender als pflanzliche Produkte. Angesichts der steigenden Weltbevölkerung und den erheblichen Umweltauswirkungen der Intensivlandwirtschaft würde eine globale Ausweitung unseres westlichen Konsums „die Tragfähigkeit der Erde überlasten“ . Daher empfiehlt der SRU die Lebensmittelverluste um mindestens die Hälfte zu verringern bis zum Jahr 2025. Zudem „muss“ der Verzehr tierischer Eiweiße reduziert werden. Dies wäre auch der Gesundheit dienlich. Saisonale Produkte aus extensiver, heimischer Herstellung seien zu bevorzugen, zum Beispiel aus der Biolandwirtschaft.

Etwa 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland diene der Herstellung tierischer Nahrungsmittel. Demgegenüber stehen laut Sachverständigenrat ungefähr 30 Prozent für pflanzliche Produkte. Der Unterschied ergebe sich vor allem daraus, dass 89 bis 97 Prozent der Energie im Futter bei der Fütterung verloren ginge. Bezogen auf die Proteine seien es 80 bis 96 Prozent.

Die biologische Vielfalt leide ebenfalls stark unter dem Lebensmittelkonsum. Seit Anbeginn der Landwirtschaft habe der Mensch 70 Prozent des Graslandes, 50 Prozent der Savannen, 45 Prozent der Wälder in der gemäßigten Zone und 27 Prozent der Tropenwälder in Äcker und Weideflächen umgewandelt. Auch wenn die Landwirtschaft ursprünglich zur Schaffung und Erhaltung neuer Lebensräume beigetragen hat, so sei sie durch ihre Intensivierung mittlerweile weltweit eine der Hauptursachen für Verluste der Artenvielfalt. Zudem werden der Wasserhaushalt in etlichen Regionen negativ verändert, Gewässer durch Pestizide sowie übermäßige Nährstoffzufuhren belastet und der Boden geschädigt oder gar zerstört. Auch hier hätte die Herstellung tierischer Produkte durchschnittlich bedeutend mehr Umweltfolgen. Die intensive Landwirtschaft beraube sich ihrer eigenen Grundlage: der biologischen Vielfalt. Sogar bei den Nutzpflanzen und -tieren mache sich das bemerkbar. Weltweit fuße die Ernährung auf jeweils circa zehn Kulturpflanzen und Tierarten. In den vergangenen 100 Jahren sei die landwirtschaftliche Vielfalt um 75 Prozent gesunken.

In Deutschland werden 16 bis 22 Prozent aller Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft zugeschrieben, nach dem Umweltgutachten des SRU. Gut 70 Prozent davon gehe auf das Konto der Herstellung tierischer Lebensmittel.

Bedenkt man alle beispielhaft aufgeführten Konsequenzen des Lebensmittelkonsums, erscheint das Folgende umso unverständlicher: Etwa 180 Kilogramm pro Person und Jahr werden in der Europäischen Union verschwendet, schreibt der SRU. Dabei seien noch nicht die landwirtschaftlichen Produktionsverluste einbezogen worden. Der Hauptanteil falle mit 42 Prozent auf die Haushalte. Das entspreche 565 Euro pro Jahr und Haushalt. Darauf folge das verarbeitende Gewerbe mit 39 und der Dienstleistungssektor der Lebensmittebranche mit 14 Prozent. In Deutschland sollen die Haushalte für 61 Prozent verantwortlich sein. 65 Prozent davon hätten sich teilweise oder gänzlich vermeiden lassen.

Lebensmittelverluste entstehen laut SRU beispielsweise durch missverstandene Haltbarkeitsdaten, schlechte Einkaufsplanung, falsche Lagerung, Überproduktion oder eine zu geringe Wertschätzung der Produkte. Um eine Reduktion jener Verluste zu erreichen, plädieren die Forscher für eine gesetzliche Änderung der Haltbarkeitsdaten auf Verpackungen. Ferner müsse das Ziel der Verringerung um mindestens 50 Prozent politisch verankert werden. Um dem hohen Konsum tierischer Lebensmittel in Deutschland entgegen zu wirken, raten die Wissenschaftler der Bundesregierung zur Abschaffung des verminderten Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte. Die Einführung einer Fettsteuer nach dänischem Modell solle überprüft werden, wenn sie in Dänemark zu Erfolgen führt.

 

[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

 

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Juni, 694 Seiten
  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2008: 40 Jahre Sachverständigenrat für Umweltfragen.

Kurzfassung:

  • Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.), 2012: Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. Kurzfassung für Entscheidungsträger. Juni, 12 Seiten

Englische Kurzfassung (Summary):

  • German Advisory Council on the Environment (SRU) (Ed.), 2012: Environmental Report 2012. Responsibility in a finite world. Summary for policy makers. June, 12 pages

22 Kommentare

Eingeordnet unter Ernährung, Klima, Umwelt, Wissen(schaft)

22 Antworten zu “Lebensmittelkonsum – nicht immer appetitlich

  1. Teil 3 der Serie wird vermutlich am 21.06. erscheinen. Das Thema lautet: Verkehr/Mobilität.

    Update 22.06.: Hier ist Teil 3 der Serie.

  2. Markus

    Frage zum oberen Diagramm: Pro Sekunde, pro Tag, pro Monat, pro Jahr, für immer? Pro Tier/Pflanze gleichzeitig?

    Pro Watt wäre wissenschaftlich korrekter gewesen gewesen.

    Die Zahl wirkt auch etwas unrealistisch. Ein Rind wiegt etwa 650 kg, 100g Rinderhackfleisch hat etwa 680 Kilojoule (rechnen wir mal mit 500, wegen der Knochen). Machen 3.250.000.000 Joule pro Rind, also 6.792.500.000 Quadratmeter, also 6.792 Quadratkilometer. Für ein Rind.
    Zum Vergleich: Das Saarland hat 2.500 Quadratkilometer.

  3. @Markus:

    Frage zum oberen Diagramm: Pro Sekunde, pro Tag, pro Monat, pro Jahr, für immer? Pro Tier/Pflanze gleichzeitig?

    Die Angaben beziehen sich auf den gesamten Herstellungsprozess, also in Joule Megajoule pro Quadratkilometer des jeweiligen Produkts insgesamt.

    Pro Watt wäre wissenschaftlich korrekter gewesen gewesen.

    Es ist durchaus üblich derartige Bilanzen in Joule anzugeben.

    Die Antwort auf ihr Rechenbeispiel folgt später.
    Abgesehen von den Zahlen dient das Diagramm aber auch der Veranschaulichung der Unterschiede zwischen dem Flächenbedarf tierischer und pflanzlicher Produkte, also den Relationen.

  4. Markus

    Man ersetze im Folgenden „Lebensmittel“ wahlweise durch z.B. „Kartoffeln“ oder „Rindfleisch“.

    Das Problem bei dieser Form der Angabe ist doch, dass Fläche keine Ressource ist, sondern ein Betriebsmittel.

    Bei Wasser ist es z.B. etwas anders. Wasser verlässt den Herstellungsprozess entweder flüchtig (Verdampfen, Versickern), in Form von Abfallprodukten (Urin, Fäkalien) oder als Bestandteil des Produkts.
    Man muss deshalb permanent frisches Wasser in den Herstellungsprozess von Lebensmitteln einbringen. Da ergibt auch die Angabe Liter (Eingabe)/Joule (Ausgabe) wieder Sinn.

    Bei der Fläche ist das nicht der Fall, denn sie existiert unabhängig vom Herstellungsprozess, wird nicht zugeführt, verflüchtigt sich nicht und ist weder Bestandteil des Produkts noch von Abfallprodukten.

    Als Betriebsmittel gilt für die Fläche folgende Angabe: „Pro Quadratmeter Fläche können pro Jahr bei idealen Bedingungen Lebensmittel mit einem Energiewert von X Joule generiert werden“. Pro Jahr, wohlgemerkt. Diese Angabe fehlt aber im Diagramm.
    Analog könnte man auch sagen: „Pro Quadratmeter Fläche können bei idealen Bedingungen mit einem Leistungsumsatz von Y Watt Lebensmittel generiert werden“.

    Eine solche Angabe ist bei Wasser z.B. nicht möglich (bzw. sinnvoll), es sei den, man betrachtet die Wassermenge als Betriebsmittel im geschlossenen Gesamtsystem inkl. Zurückgewinnung und Aufbereitung sowie zeitnaher Ersatz der Wassermenge, die das System als Produkt verlässt.
    Ein System mit einem Liter Wasser könnte eventuell durchaus bei der Generierung von Broten genügen, allerdings würde ein solches System wahrscheinlich nicht mehr als ein Brot gleichzeitig produzieren können (man setze die Zykluszeit bei der sequentiellen Herstellung von Broten ein, um den Brotumsatz pro Liter Wasser und Zeiteinheit erfahren zu können: wieder eine Leistungs-, keine Energiegröße).

    Ohne die Angabe der Zeit (wie im Diagramm geschehen) steht da bloß: „Pro Quadratmeter Fläche können bei idealen Bedingungen Lebensmittel mit einem Energiewert von X Joule generiert werden“. Dadurch wird die Fläche zur Ressource, sprich: Nachdem der Quadratmeter Lebensmittel mit einem Energiewert von X Joule generiert hat, ist er für immer unbrauchbar. Das entspricht so nicht der Realität.

    Auch die Ergänzung „bezogen auf den gesamten Herstellungsprozess“ macht diese mangelhafte Angabe nicht besser, denn es ergibt sich dann, dass ein Rind eine Fläche größer als die doppelte Größe des Saarlandes für immer unbrauchbar macht.
    Oder, alternativ, wenn es heißen soll, dass diese Fläche während des gesamten Herstellungsprozesses belegt wird, ergibt sich daraus, dass das Saarland nicht mehr als 37% eines Rindes beherbergen kann. Auf der Landkarte wirkt das Saarland etwas größer.

    Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass es da statt Fläche/Energie eher Fläche/(Energie/Zeit)=Fläche/Leistung heißen sollte.

    Bis deutlich wird, dass da tatsächlich Fläche/Leistung abgetragen wurde und nicht (wie beschriftet) Fläche/Energie, taugt das Diagramm auch nicht zur „Veranschaulichung der Unterschiede“, weil Fläche/Energie auch heißen kann, dass jeder Eintrag auf eine eigene (fehlende!) Zeitangabe bezogen ist, was das Diagramm zu Vergleichszwecken unbrauchbar macht.

    Der Vollständigkeit halber: Joule ist eine Energieeinheit, Watt eine Leistungseinheit, Jahr eine Zeiteinheit.

    • @Markus: Entschuldigen Sie die späte Antwort. Ich habe beim Sachverstädigenrat für Umweltfragen (SRU) nachgefragt. Nun liegt mir die Antwort vor. Laut SRU handelt es sich bei der Angabe „Joule“ um einen Fehler. Anstatt Joule muss es MEGAJOULE heißen. Da mein Diagramm auf den Daten des SRU beruht, habe ich leider diesen Fehler übernommen. Ich bitte vielmals um Entschuldigung! Vielen Dank, dass Sie meinen Artikel so kritisch hinterfragt haben!

      Das Problem bei dieser Form der Angabe ist doch, dass Fläche keine Ressource ist, sondern ein Betriebsmittel.

      Diesbezüglich muss ich Ihnen widersprechen, denn so klar ist die Sache nicht. Aus betriebs-/volkswirtschaftlicher Sicht haben Sie recht. Betrachtet man den Faktor Fläche jedoch aus z.B. umweltwissenschaftlicher Perspektive, so handelt es sich sehr wohl um eine Ressource. Fläche/Land/Boden wird durch die landwirtschaftliche Produktion verbraucht, es werden Nährstoffe entnommen und zugeführt, Boden wird abgetragen, unterliegt ständigen Erosionsprozessen usw. Zudem kann Fläche/Land/Boden versiegelt werden (z.B. durch einen Kuhstall). Hinzu kommt, dass für die Produktion von Futternmitteln für unser Vieh zum Teil Urwälder in an anderen Ländern abgeholzt wurde/wird. Auch hier zeigt sich ein Ressourcenverlust.
      Fläche/Land/Boden „verflüchtigt“ sich also doch und ist „Bestandteil des Produkts“, beispielsweise in Form von Nährstoffen, die Bestandteil des Bodens sind.

      Auch die Ergänzung “bezogen auf den gesamten Herstellungsprozess” macht diese mangelhafte Angabe nicht besser, denn es ergibt sich dann, dass ein Rind eine Fläche größer als die doppelte Größe des Saarlandes für immer unbrauchbar macht.

      Für immer unbrauchbar ist die Fläche im Normalfall natürlich nicht. Aber sie wird für den Zeitraum der Nahrungsmittelproduktion beansprucht (siehe oben).

      Ich hoffe, dass es nun klarer ist. Falls weiterhin Umklarheiten herrschen, melden Sie sich einfach.

      • Markus

        Auch die Einheit Megajoule ist unzureichend.
        Wie bereits vorgerechnet besteht eine Kuh aus etwa 3.250 Megajoule an Rindfleisch. Das sind dann laut Diagramm 6792,5 Quadratmeter, also etwa 0,7 Hektar. Klingt realistischer.

        Ich rede hier nicht als Betriebswirtschaftler (der ich gar nicht bin), sondern als jemand mit schulischer Grundbildung in Physik.

        Sie müssen sich jetzt irgendwann entscheiden, wovon Sie reden möchten: Ist es die Fläche, die für immer verbraten wird („Bestandteil des Produkts“) oder die Fläche, die während der Produktion genutzt wird („für den Zeitraum der Nahrungsmittelproduktion beansprucht“)? Beides gleichzeitig geht nicht.
        Im ersten Fall muss ich Sie übrigens korrigieren: Die Nährstoffe, die wir dem Boden entnehmen, werden immer wieder im Boden landen („Kreislauf des Lebens“). Nicht im selben Quadratmeter, wohl aber im Boden.

        Da Megajoule immer noch eine Energieeinheit ist, hieße das, dass für jede Kuh 0,7 Hektar Fläche _verbraucht_ werden. Das Saarland wäre also, nachdem es jemals insgesamt 368.053 Kühe produziert hat, für immer und alle Zeit unbrauchbar. Und es hieße, dass ein Bauer, der sich einen Quadratkilometer Land kauft und Rindfleisch darauf anbaut, den Betrieb nach der Produktion von knapp 150 Rindern (von mir aus verteilt auf 10.000 Jahre) zu machen kann, weil sein Land dann für immer unbrauchbar geworden ist. Das halte ich für unwahrscheinlich.

        Das „Beanspruchen für den Zeitraum der Nahrungsmittelproduktion“ bindet aber die Energieproduktion an eine Zeit. Wir reden also wieder von Leistung und einer Einheit wie Megajoule/Jahr oder Megajoule/Produktionszyklus oder eben Watt.

        Wir halten fest: In dem Diagramm fehlt eine Zeitangabe. Es bildet in Wirklichkeit einen Bodenbedarf pro Leistung ab, nicht pro Energiemenge.

        Da die im Diagramm angegebenen Produkte aber unterschiedliche Produktionszeiten haben, wären Angaben in der Einheit Megajoule/Produktionszyklus aber überhaupt nicht vergleichbar und das Diagramm damit unbrauchbar.

        Tun wir aber aus Spaß mal so, als ginge es in dem Diagramm wirklich um den „Zeitraum der Nahrungsmittelproduktion“.

        Ein Rind hat eine viel längere Produktionsdauer als z.B. eine Kartoffel. Nehmen wir mal an (tatsächliche Zahlen herauszusuchen ist mir jetzt zu müßig – ich denke, es wird trotzdem verständlich), die Produktion eines schlachtreifen Rindes dauerte 2 Jahre, die Produktion einer essbaren Kartoffel 1 Jahr.
        Während der Produktion einer Rindergeneration kann man dann zwei Kartoffelgenerationen auf der gleichen Fläche anbauen. Das würde heißen, dass das Rind betrachtet auf das Jahr nur halb so flächeneffizient ist wie auf den kompletten Produktionszyklus.
        Bei einer Umstellung des Diagramms von Megajoule/Produktionszyklus auf Megajoule/Jahr würde bei der Kartoffel also weiterhin 0,11 stehen, beim Rind jedoch 4,18.
        Das sind doch viel schönere (weil panikerregendere) Zahlen, die man dem Volk präsentieren kann! Und die Zahlen innerhalb eines Diagramms sind zudem noch vergleichbar, das Diagramm also nicht komplett unbrauchbar.

        Jetzt muss man sich überlegen, in welche Richtung man den SRU schieben will, was das SRU mit dem Diagramm aussagen will.
        Wenn man glaubt, dass sie Rindfleisch verteidigen (und Zahlen schönigen) möchten, dann ist das Diagramm wahrscheinlich wirklich in Megajoule/Produktionszyklus gehalten und (absichtlich) unbrauchbar.
        Wenn das SRU aber tatsächlich den Verzicht auf Rindfleisch anregen will oder zumindest einen wissenschaftlichen Anspruch an sich selbst hat, ist das Diagramm wahrscheinlich in Megajoule pro fester Zeiteinheit (z.B. Jahr) angegeben.

      • @Markus:

        Sie müssen sich jetzt irgendwann entscheiden, wovon Sie reden möchten: Ist es die Fläche, die für immer verbraten wird (“Bestandteil des Produkts”) oder die Fläche, die während der Produktion genutzt wird (“für den Zeitraum der Nahrungsmittelproduktion beansprucht”)? Beides gleichzeitig geht nicht.

        Wie bereits gesagt: Es wird in der Regel keine Fläche für immer „verbraten“. Die Fläche wird für unterschiedliche Zeiträume genutzt, um verschiedene Produkte herzustellen.

        Im ersten Fall muss ich Sie übrigens korrigieren: Die Nährstoffe, die wir dem Boden entnehmen, werden immer wieder im Boden landen (“Kreislauf des Lebens”). Nicht im selben Quadratmeter, wohl aber im Boden.

        Nährstoffe, die an der einen Stelle, z.B. in Form von Feldfrüchten, entnommen werden, fehlen an anderer Stelle. Wird z.B. Soja aus Südamerika importiert, fehlen dort Nährstoffe. Hierzulande hingegen kann es zu einem Zuviel an Nährstoffen kommen. Genau diese weltweiten Nährstoffverschiebungen sind das Problem.

        Das Saarland wäre also, nachdem es jemals insgesamt 368.053 Kühe produziert hat, für immer und alle Zeit unbrauchbar. Und es hieße, dass ein Bauer, der sich einen Quadratkilometer Land kauft und Rindfleisch darauf anbaut, den Betrieb nach der Produktion von knapp 150 Rindern (von mir aus verteilt auf 10.000 Jahre) zu machen kann, weil sein Land dann für immer unbrauchbar geworden ist. Das halte ich für unwahrscheinlich.

        Das passiert natürlich nicht, da der Bauer versuchen wird, für eine ausreichende Nährstoffbilanz zu sorgen. Wie gesagt: Es geht nicht darum, dass die Fläche unbrauchbar wird, sondern dass sie sozusagen besetzt oder belegt ist, also genutzt wird.

        Wir reden also wieder von Leistung und einer Einheit wie Megajoule/Jahr oder Megajoule/Produktionszyklus oder eben Watt.

        Es ist Quadratmeter pro Megajoule des jeweiligen Produkts mit seinem Produktionszyklus.

        Wir halten fest: In dem Diagramm fehlt eine Zeitangabe.

        Die Zeitangabe ist der jeweilige Produktionszyklus.

        Bei einer Umstellung des Diagramms von Megajoule/Produktionszyklus auf Megajoule/Jahr würde bei der Kartoffel also weiterhin 0,11 stehen, beim Rind jedoch 4,18.
        Das sind doch viel schönere (weil panikerregendere) Zahlen, die man dem Volk präsentieren kann!

        Um Panikmache geht es nun wirklich nicht. Es ist Fakt, dass die Herstellung tierischer Produkte in der Regel deutlich mehr Fläche verbraucht, als die Herstellung pflanzlicher Produkte – und das wird auch aus dem Diagramm deutlich.
        Abgesehen davon, dass es dem wissenschaftlichen Arbeiten widersprechen würde, ist es nicht notwendig die Zahlen kleinzurechen oder größer zu machen, als sie sind.

        Jetzt muss man sich überlegen, in welche Richtung man den SRU schieben will, was das SRU mit dem Diagramm aussagen will.
        Wenn man glaubt, dass sie Rindfleisch verteidigen (und Zahlen schönigen) möchten, dann ist das Diagramm wahrscheinlich wirklich in Megajoule/Produktionszyklus gehalten und (absichtlich) unbrauchbar.
        Wenn das SRU aber tatsächlich den Verzicht auf Rindfleisch anregen will oder zumindest einen wissenschaftlichen Anspruch an sich selbst hat, ist das Diagramm wahrscheinlich in Megajoule pro fester Zeiteinheit (z.B. Jahr) angegeben.

        Sehen Sie sich die Originalarbeiten an und geben Sie mir bescheid, wenn Sie eine Zeitangabe finden. Ich habe sie jedenfalls nicht gefunden.

      • Markus

        Zum Abschluss noch ein Gedankenspiel.

        Ich habe ein Produkt geschaffen, dass pro Produktionszyklus 100 Quadratmeter (Quadrat mit 10 Meter Seitenlänge) belegt und pro Produktionszylkus 1 Megajoule erzeugt. Die Länge des Produktionszyklus‘ beträgt eine Stunde.

        Ist das ein gutes Produkt oder ein schlechtes?

        Ist das Diagramm in Megajoule/Produktionszyklus angegeben (wie Sie andeuten), erhält dieses Produkt einen Wert von 100, ist also 50 mal „schlechter“ als Rindfleisch.

        Ist das Diagramm aber in Megajoule/Jahr angegeben (wie ich behaupte – wobei ich mich nicht auf „Jahr“ festlege, die Einheit fehlt einfach im Diagramm), erhält das Produkt einen Wert von 0,01, ist also 10 Mal „besser“ als Kartoffeln.

        Was ist wohl aussagekräftiger?

      • Dass das Diagramm aussagekräfiger sein könnte, streite ich nicht ab. Das geben die Originalarbeiten jedoch nicht her. Daher kann mein Diagramm diesen Wunsch nicht erfüllen. An der Grundaussage des Diagramms gibt es aber nichts zu rütteln: Tierische Produkte brauchen mehr Fläche als pflanzliche. Oder anders gesagt: Mit dem Anbau von Pflanzen könnten mehr Menschen ernährt werden, da weniger Fläche gebraucht würde.

  5. Markus

    Und genau DAS sagt ein Diagramm, das auf Megajoule/Produktionszyklus beruht, nicht aus. Die Werte in einem solchen Diagramm haben untereinander _keinerlei_ Vergleichswert.
    Das von mir „erfundene“ Produkt kann 10 Mal mehr Leute mit der gleichen Fläche ernähren als Kartoffeln, nicht 50 Mal weniger als Rindfleisch. Es würde in dem Diagramm aber letzteres dargestellt werden.

    Das Diagramm ist vollkommen wertlos. Das ist die ganze Zeit genau mein Punkt.

    Das ist wie die Behauptung, man kann Menschen mit 2000 kcal ein Leben lang ernähren (er stirbt dann halt bald). Man kann übrigens auch 10 Menschen mit der gleichen Energiemenge ein Leben lang ernähren. Oder einen Menschen mit der zehntausendfachen Energiemenge. Keinerlei Aussagekraft.

    Und wenn die Originaldaten Blödsinn sind, sollte man sie vielleicht nicht noch zitieren und dann so tun, als wäre das Diagramm dann ja trotzdem richtig. Es ist nicht so, dass das Diagramm „wenig aussagekräftig ist“. Es ist gar nicht aussagekräftig. Null. Und ich hätte gern gewusst, wo Sie herhaben, dass sich die Zahlen auf einen Produktionszyklus beziehen. Reininterpretiert oder steht das tatsächlich da?
    Wenn es nämlich da stand (was ich immer noch nicht glauben will, weil solche Zahlen für Umweltfragen vollkommen uninteressant sind, sondern höchstens für Betriebswirtschaftler einen Mehrwert bilden), dann sollte man die Daten, bevor man sie wissenschaftsblind in ein Diagramm presst, vielleicht erstmal in Vergleichbare Werte umwandeln, indem man den Produktionszyklus der einzelnen Produkte zu Hilfe nimmt.

    • Zuerst einmal: Entschuldigen Sie bitte vielmals, dass ich Ihnen nicht eher geantwortet habe. Ich war sehr beschäftigt.

      Es folgt ein Zitat aus dem Umweltgutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU 2012: 161f):

      „Die Fläche, die ein durchschnittlicher Deutscher durch seinen Konsum beansprucht, entfällt momentan zu circa 61 % auf den Verzehr von tierischen Produkten. Die auf pflanzlichen Nahrungsmitteln basierende Ernährung nimmt 32 % in Anspruch. Nachwachsende Rohstoffe für die energetische Nutzung belegen derzeit circa 3 % der Fläche und für die stoffliche Nutzung circa 4 % (BRINGEZU und SCHÜTZ 2009, S. 131 f.).
      Die hohe Flächenbeanspruchung für die Herstellung tierischer Produkte resultiert vor allem daraus, dass bei der Fütterung 89 bis 97 % der im Futter enthaltenen Energie und 80 bis 96 % der enthaltenen Proteine verloren gehen (SMIL 2002). Daher erfordert die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern eine um ein Vielfaches größere Fläche pro Kalorie als nicht verarbeitete pflanzliche Produkte, aber auch deutlich mehr als zum Beispiel Brot. Von den pflanzlichen Produkten benötigt Gemüse am meisten Fläche, gefolgt von Ölfrüchten und Obst. Der Getreide- und Kartoffelanbau benötigt pro Kalorie am wenigsten Fläche (vgl. Tab. 3-2). Es lässt sich zunächst festhalten, dass sich somit im Hinblick auf die Lebensmittelproduktion am meisten Fläche einsparen ließe, wenn man den Konsum tierischer Produkte reduzieren würde.“

      Tabelle 3-2 ist der Flächenbedarf verschiedener Lebensmittel zu entnehmen. Darauf basiert mein Diagramm. Ich denke, das dürfte Ihren Kommentar beantworten.

      • Markus

        Ähm, nein? Tut es nicht. Das beantwortet die Frage der Quelle, aber nicht die Frage nach dem Sinn. Wie gesagt: m²/MJ ergibt überhaupt keinen Sinn. Wundert mich aber ehrlich gesagt nicht von einer Arbeit, in der steht, Energie ginge „verloren“. Da dürfte der wissenschaftliche Anspruch etwa der der Doktorarbeit des Herrn KTzG sein.

        Ich hab dem jetzt mal hinterhergeforscht. Das zitierte Blatt gibt diese Quelle an: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3861.pdf
        (Seite 139).
        Dort steht der Verbrauch in m²/J statt m²/MJ (eine entsprechende „Korrekturvermerkung“ im SRU ist angegeben). Dort wird (unpräzise Quellenangabe!) auf diese Diplomarbeit referenziert:
        http://books.google.de/books?id=8w6MHCBMIHUC

        Und dort ist auf Seite 80 z.B. lediglich der Ertrag an Kartoffeln pro Hektar angegeben. Bezogen auf ein Jahr.

        Wir landen also bei m²/(MJ/Jahr) – und damit bei m²/Watt. Frage beantwortet.

        Und sowas schimpft sich Wissenschaft, pah!

      • Markus

        Kurzkorrektur: Seite 120 war’s.

  6. “ Das beantwortet die Frage der Quelle, aber nicht die Frage nach dem Sinn.“

    Ich denke, über den Sinn und Unsinn meiner Grafik haben wir beide uns schon genug ausgelassen.

    „Wie gesagt: m²/MJ ergibt überhaupt keinen Sinn. Wundert mich aber ehrlich gesagt nicht von einer Arbeit, in der steht, Energie ginge “verloren”.“

    Natürlich geht Energie nicht „verloren“. Hierbei handelt es sich meiner Meinung nach, um eine vereinfachte Formulierung seitnes des SRU. Schließlich ist das Umweltgutachten auch für Politiker und andere Nicht-Wissenschaftler gedacht, die es verstehen sollen. Daher denke ich, dass man über die Formulierung hinwegsehen kann.

    „Ich hab dem jetzt mal hinterhergeforscht.“

    Schön, dass Sie das gemacht haben. Das habe ich auch getan. Vor einigen Monaten und jetzt wieder.
    Wie Sie richtig bemerkt haben, wird in dem Umweltgutachten des SRU diese Quelle zitiert:
    – Bringezu & Schütz (2009): http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3861.pdf (Seite 139).
    Fälschlicherweise steht dort auch m2/J und nicht m2/MJ. Dabei handelt sich um den Fehler, den der SRU eingeräumt hat und auf den ich in einem meiner Kommentare weiter oben hinweise.
    Auch im nächsten Punkt muss ich Ihnen Recht geben: Die Quellen, auf denen die Daten der dortigen Tabelle beruhen, sind tatsächlich ungenau angegeben worden. [Zur Veranschaulichung für meine LeserInnen: „Quelle: eigene Zusammenstellung nach Daten des BMELV, des WI und Busch (2008)“.]

    „Dort wird (unpräzise Quellenangabe!) auf diese Diplomarbeit referenziert: http://books.google.de/books?id=8w6MHCBMIHUC

    Ich bin mir nicht sicher, ob Sie da dir richtige Arbeit gefunden haben, denn sie trägt den Titel „Nachhaltige Flächenbelegung für nachwachsende Rohstoffe. Landwirtschaftliche Produktion und Konsum tierischer Lebensmittel in Deutschland“ und stammt aus dem Jahre 2009. Bringezu & Schütz (2009) machen jedoch folgende Quellenangabe:

    „Busch, R. (2008): „Untersuchung zur nachhaltigen Nutzung nachwachsender Rohstoffe: Globale Flächenbelegung Deutschlands für Produktion und Konsum tierischer Nahrungsmittel“. Diplomarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin, Geographisches Institut, sowie persönliche Mitteilungen.“

    „Und dort ist auf Seite 80 z.B. lediglich der Ertrag an Kartoffeln pro Hektar angegeben. Bezogen auf ein Jahr.“

    Dazu kann ich nichts sagen, da ich die Arbeit nicht vorliegen habe. Und GoogleBooks gewährt nur einen teilweisen Einblick, bis auf Seite 80 bzw. 120 komme ich nicht.

    „Wir landen also bei m²/(MJ/Jahr) – und damit bei m²/Watt. Frage beantwortet.“

    Wie gesagt: Beide Angaben sind möglich bei derarigen Arbeiten.

    • Markus

      Ist das so? Sind wir uns also noch nicht einmal einig darüber, ob es im Diagramm um Fläche als Betriebsmittel (wird wiederverwendet) oder um Fläche als Ressource (wird verbraucht) geht? Welchen Schluss haben Sie denn für sich gezogen? Oder sind wir jetzt schon da angekommen, wo es eigentlich egal ist, was das Diagramm aussagt, ist ja vieles möglich, solange der Balken für Fleisch schön lang ist? Für den Fall schlage ich eine Umbenennung des Blogs in „Propaganda und Polemik“ – zwei meiner persönlichen Steckenpferde – vor.

      • „Sind wir uns also noch nicht einmal einig darüber, ob es im Diagramm um Fläche als Betriebsmittel (wird wiederverwendet) oder um Fläche als Ressource (wird verbraucht) geht?“

        Dass es sich in umweltwissenschaftlicher Sicht bei einer agrarisch genutzen Fläche um eine Ressource handelt, hatte ich Ihnen bereits mitgeteilt. Ökonomen hingegen betrachten sie als Betriebsmittel.

        “ Oder sind wir jetzt schon da angekommen, wo es eigentlich egal ist, was das Diagramm aussagt, ist ja vieles möglich, solange der Balken für Fleisch schön lang ist?“

        Nein, das ist falsch. Auch wenn Ihnen mein Diagramm nicht passt, so ändert das nichts an der Faktenlage bezüglich tierischer und pflanzlicher Ernährung und den Umweltfolgen (siehe meine Kommentare weiter oben). Kennen Sie eine seriöse Studie, die das Gegenteil belegt?
        Wenn die Balken der pflanzlichen Produkte beim Flächenverbrauch (oder dergleichen) länger wären, würde ich das hier genauso abbilden. Das ist jedoch nicht der Fall.

        Ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie das Diagramm so darstellen, wie Sie es für richtig halten, also mit all den Ergänzungen, die Sie vorgeschlagen haben?

      • Markus

        Ja, dann immer noch: Was stellt das Diagramm Ihrer Meinung denn dar? Fläche als Betriebsmittel oder Fläche als Ressource? Oder ist Ihnen das egal? Das war meine Frage. Bitte weichen Sie nicht aus.
        Sofern das nicht feststeht und verlässliche Daten vorhanden sind, bringt es auch nichts, wenn ich an dem Diagramm rumwerkle. Denn bisher wissen Sie ja anscheinend selbst nicht, was sie da eigentlich ausdrücken möchten pder was das Diagramm eigentlich aussagen soll, außer: „Guck mal, ein Diagramm. Fleisch viel, Pflanze wenig. hab ich gemalt.“

      • Markus

        Und es ist schon dreimal nicht so, dass Umweltwissenschaftler die Fläche als Ressource und Betriebswirtschaftler als Betriebsmittel betrachten. Das sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte mit völlig verschiedenen Zahlen, die jeweils beide Gruppen interessieren.

      • @Markus: Offenbar wollen oder können Sie mich nicht verstehen. Mir jedenfalls ist meine Zeit zu kostbar, um weiterhin mit Ihnen zu „diskutieren“. Wie gesagt: Wenn Sie sich wirklich einbringen wollen, dann ändern Sie das Diagramm so, wie es Ihrer Meinung nach richtig ist.

      • Markus

        Wenn Sie mir endlich sagen, was es abbilden soll, mach ich das gerne.

  7. Anonymous

    Schlecht, Markus.

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