Klimawirksamkeit tierischer Lebensmittel

Auch die Erzeugung tierischer Produkte verursacht erhebliche Mengen an Treibhausgasen. In der Regel bedeutend mehr, als das bei pflanzlichen Lebensmitteln der Fall ist. Dies geht aus einer Studie hervor, die jüngst in dem wissenschaftlichen Fachmagazin The International Journal of Life Cycle Assessment publiziert wurde. Demnach entstünden die größten klimarelevanten Folgen bei der Herstellung von Rind- und Lammfleisch. Alternativen wie Tofu oder Tempeh schnitten im Durchschnitt wesentlich besser ab. Gleichwohl merken die Autoren der Arbeit an, dass es durchaus einige Regionen der Erde gäbe, in denen keine pflanzliche Nahrung angebaut werden könne.

Den Ergebnissen zugrunde läge eine neue Methode zur Ökobilanzierung von Produkten. Hierbei würden zusätzlich die Treibhausgasemissionen des Flächenverbrauchs in die Berechnungen einbezogen. Beispielsweise diejenigen, die durch die Umwandlung von Wäldern in Weideflächen und Futteräcker entstehen. Dort kann der Wald folglich kein Kohlendioxid mehr aus der Atmosphäre aufnehmen und binden. Nutzflächen können diese Funktion nicht ersetzen.

Das Ausmaß der Klimawirksamkeit sei stark abhängig von der Haltungsform. So verursache die Rinderhaltung auf weitläufigen Weideflächen in Brasilien beispielsweise deutlich mehr Treibhausgase als die intensive Landwirtschaft im europäischen Raum. Dennoch sei eine weitere Intensivierung der Tiernutzung keine geeignete Lösung. Denn das würde nur den Druck auf die Ackerflächen erhöhen, um ausreichend Futtermittel für die Tiere herstellen zu können.

Ein Vergleich: Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch aus den Niederlanden ist nach der Studie in etwa so klimaschädlich, wie eine 110 Kilometer lange Autofahrt in einem durchschnittlichen PKW. Hingegen seien es bei brasilianischem Rindfleisch fast 1700 Kilometer. Demgegenüber schlage die  Herstellung eines Kilos Tofu mit nur 19 Kilometern zu Buche. Bei einem Kilogramm niederländischen Hühnerfleisch wären es 31 Kilometer.  

 

  • Schmidinger, Kurt & Elke Stehfest, 2012: Including CO2 implications of land occupation in LCAs – method and example for livestock products. In: The International Journal of Life Cycle Assessment. DOI: 10.1007/s11367-012-0434-7

5 Kommentare

Eingeordnet unter Ernährung, Klima, Wissen(schaft)

5 Antworten zu “Klimawirksamkeit tierischer Lebensmittel

  1. Dieser Artikel wird morgen erweitert. Unter anderem durch eine Grafik mit den Treibhausgasemissionen der untersuchten Lebensmittel im Vergleich.
    Für heute bin ich zu müde. War ein anstrengender Tag. Gute Nacht.

  2. UPDATE: So, nun ist die Grafik fertig. Ergänzungen zum Text und eventuell eine weitere Grafik folgen. Also, schauen Sie doch später nochmals vorbei – vielleicht heut Abend (oder lassen Sie sich per Twitter oder einem anderen Dienst benachrichtigen, wenn es soweit ist).

  3. UPDATE 2: Ich denke, jetzt ist der Artikel fertig. Oder soll ich noch erklären, warum die landwirtschafltiche Tiernutzung einen höheren Treibhausgas-Ausstoß zur Folge hat als die Planzenproduktion? Außerdem: Wird verständlich, was eine Ökobilanz ist?

  4. Anonymous

    Wo ist in den Vergleichen der Fisch geblieben?

    • Die Ökobilanz von Fischen wurde in der Studie nicht untersucht. Ich denke, es liegt daran, dass die Forscher nur beispielhaft einige tierische Produkte berechnet haben, um ihre neue Methode der Ökobilanzierug darzustellen.
      Laut dieser Studie ist die Ökobilanz von wildem Kabeljau und Zuchtlachs etwas schlechter als die von Hähnchenfleisch.

      ———–
      Ellingsen, Harald & Svein Aanond Aanondsen, 2006: Environmental Impacts of Wild Caught Cod and Farmed Salmon – A Comparison with Chicken. In: The International Journal of Life Cycle Assessment, Ausgabe 11(1), Seiten 60-65. DOI: 10.1065/lca2006.01.236

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