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Reißt der Wolf Schafe?

Ihre Rückkehr sorgt für Diskussionen in Deutschland. Von Wölfen, die Haustiere zerfleischen oder sogar Menschen anfallen, ist die Rede. Etwa zehn Jahre nach dem Erscheinen der Raubtiere liefert eine Studie aus dem wissenschaftlichen Fachmagazin Mammalian Biology Ergebnisse zu den Fressgewohnheiten der Wölfe. Demnach ernähren sie sich zu 0,6 Prozent von Nutztieren. Vor allem aber stünden Rehe, Rotwild und Wildschweine auf ihrem Speiseplan. Da Wölfe das Risiko mit Herdenschutzhunden oder Elektrozäunen in Konflikt zu geraten meiden, würden sie Schafe und andere Nutztiere nur sehr selten angreifen. Zum Beispiel bei einer Verknappung des Futterangebots oder ungenügendem Schutz des Nutzviehs. Generell halten die Autoren der Studie das Konfliktpotenzial zwischen Wolf und Mensch für äußerst gering. Es spräche also nichts gegen eine Wiederansiedlung der Tiere.

Neben den Fressgewohnheiten erforschten die Wissenschaftler auch das Fressverhalten von Canis lupus: Generell seien Wölfe besonders anpassungsfähig. Die vor circa zehn Jahren aus Polen eingewanderten Exemplare fanden dort andere Umweltbedingungen vor als hierzulande. So sind unsere Wälder vergleichsweise kleinräumiger, von Wegen durchzogen und Feldern unterbrochen. Dort fühlen sich auch Rehe und Wildschweine wohl. Rotwild hingegen bevorzuge weitläufige Waldgebiete. Folglich fressen polnische Wölfe überwiegend Rotwild, während die eingewanderten Tiere ihre Fressgewohnheiten anpassten und hauptsächlich Rehe erlegen. Dazu brauchten sie weniger als zwei Generationen.

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über 2500 Quadratkilometer im Nordosten Sachsens und Süden Brandenburgs. Für die Erfassung der Daten sammelten die Forscher innerhalb von acht Jahren mehr als 3000 Kotproben. Diese untersuchten sie auf unverdaute Bestandteile möglicher Beutetiere, wie Haare, Knochen oder Zähne. Daneben bezogen sie Überreste erlegter Beutetiere mit ein.

Gegenwärtig gibt es in Deutschland 14 Wolfsrudel laut dem Kontaktbüro “Wolfsregion Lausitz”, wobei ein Rudel je nach Jahreszeit gewöhnlich aus fünf bis zehn Individuen bestehe. Sieben von ihnen seien in der sächsischen Lausitz beheimatet, fünf in Brandenburg und eines habe ihr Territorium im Grenzgebiet beider Bundesländer. Ein weiteres Rudel wohne in Sachsen-Anhalt.

 

  • Wagner, Carina, Maika Holzapfel, Gesa Kluth, Ilka Reinhardt & Hermann Ansorge, 2012: Wolf (Canis lupus) feeding habits during the first eight years of its occurrence in Germany. In: Mammalian Biology – Zeitschrift für Säugetierkunde, Ausgabe 77(3), Seiten 196-203. DOI: 10.1016/j.mambio.2011.12.004

  • Kontaktbüro “Wolfsregion Lausitz” (Hrsg.), 2012: Verbreitung in Deutschland. Stand Februar 2012

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