Nanopartikel gefährlicher als gedacht

Es gibt sie in Nahrungsmitteln, Kinderspielzeug, Zahnpasta und Kleidung. Mehr als 1000 Produkten gibt es heute, die mithilfe der Nanotechnologie hergestellt wurden. Weitgehend ungeklärt jedoch bleiben die möglichen Auswirkungen der Nanoteilchen auf Mensch und Umwelt. Laut einer neuen Studie sind sie schädigender als bisherige Standardtests zeigen. Denn sie erfassen nicht, wie die Partikel auf die nächste Generation der Versuchsorganismen wirken. Die Nachkommen von Elterntieren der Großen Wasserflöhe reagierten merklich empfindlicher auf Nanopartikel aus Titandioxid als die der Kontrollgruppe, wie Forscher der Universität Koblenz-Landau berichten. Im Gegensatz zu den Eltern, wurden die Baby-Wasserflöhe allerdings nicht den Nanoteilchen ausgesetzt. Die Arbeit erschien in dem wissenschaftlichen Fachmagazin PLoS ONE.

Abhängig von der Dosis der Nanoteilchen, seien die Nachkommen zwei- bis fünfmal empfindlicher. Bereits Dosierungen um den Faktor 50 unterhalb der Wirkschwelle bei Elterntieren, hätten klare Effekte auf die nächste Generation. Bei den Eltern hingegen zeigten sich keinerlei Folgen. Gemessen wurde die Empfindlichkeit der Tiere über ihre Schwimmfähigkeit bei unterschiedlichen Konzentrationen der Nanopartikel. Ist diese beeinträchtigt, so könne sich das auf deren Überlebensfähigkeit auswirken.

Die Giftigkeit von Stoffen in Gewässer wird mithilfe von Standard-Tests ermittelt. Dazu werden nicht selten Wasserflöhe verwendet. Sie leben im Süßwasser und haben eine erhebliche Bedeutung im Nahrungssystem von Seen und Teichen. Auf ihrem Speiseplan steht pflanzliches Plankton, wobei die Wasserflöhe selber wiederum von Fischen gefressen werden. Daher bezeichnet man sie auch als Schlüsselart. Für die Forschung sind die Tiere interessant, da sie empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren und leicht zu züchten sind. Anhand ihrer Bewegungsfähigkeit lassen sich ökologische Folgen feststellen.

Derzeitig müssen Produkte mit Nanopartikeln in Deutschland nicht gekennzeichnet werden. Inwiefern die beobachteten Auswirkungen auch bei anderen Lebewesen – inklusive dem Menschen – oder durch andere Nanomaterialien auftreten könnten, sei gegenwärtig nicht bekannt, schreiben die Forscher. Titandioxid gelte bislang eher als unbedenklich. Jedoch würden die gängigen Tests und Risikobewertungen nun nicht mehr ausreichen. Die Zulassungsbehörden müssten ihre Untersuchungen den aktuellen Forschungsergebnissen anpassen. Denn Nanoteilchen gelangen natürlich auch in die Umwelt.

 

  • Bundschuh, Mirco, Frank Seitz, Ricki R. Rosenfeldt & Ralf Schulz, 2012: Titanium Dioxide Nanoparticles Increase Sensitivity in the Next Generation of the Water Flea Daphnia magna. In: PLoS ONE, 7(11). DOI: 10.1371/journal.pone.0048956
  • Project on Emerging Nanotechnologies, 2012: Consumer Products – An inventory of nanotechnology-based consumer products currently on the market. Woodrow Wilson International Center for Scholars & Pew Charitable Trusts (Hrsg.)
  • Lampert, Winfried & Ulrich Sommer, 1999: Limnoökologie. 2. Auflage. Thieme Verlag. ISBN: 3-13-786402-X

EXTRA

Datenbank mit Produkten, die Nanopartikel enthalten oder mit Nanotechnologie hergestellt wurden:

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